Jugendpolitik

Der Begriff Jugendpolitik meint die Berücksichtigung von Jugendfragen in allen politischen Handlungsfeldern. Es ist daher sinnvoll, von Jugendpolitik als einer Querschnittsaufgabe zu sprechen, die den Jugendschutz (Regelungen, die den gesundheitlichen und sittlichen Jugendschutz betreffen) und das Feld der Jugendhilfe umfasst. Dieser Zuständigkeitsbereich der Jugendpolitik bezieht sich auf die Gesamtheit der Familie sowie Schule und Beruf unterstützenden und ergänzenden Sozialisations- und Erziehungsmaßnahmen. Die Jugendhilfe umfasst die Jugendfürsorge (d.h. die Unterstützung durch individuelle Erziehungshilfen, insbesondere bei Erziehungsschwierigkeiten) und die Jugendarbeit bzw. -förderung, die vor allem auf die soziale Betreuung von Jugendlichen und ihre Bildung in der Freizeit abstellt. Neben der Betreuung besonderer Problemgruppen in Heimerziehung, Erziehungsberatung, Gerichtshilfe, Adoptionsvermittlung, Eingliederungshilfen gefährdeter Aussiedler und Ausländer, Unterstützungsmaßnahmen für Alkohol- und Drogenabhängige etc. gewannen mit der Entwicklung einer umfassenden Jugendhilfe immer mehr pädagogische Angebote der außerschulischen Jugendbildung an Bedeutung. Solche Hilfen zur Entwicklung der Persönlichkeit von Heranwachsenden umfassen die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten in Gesellschaft, Kultur, Sport u.a. sowie die Befähigung zu selbstständigem Urteil und verantwortlich-sozialem Handeln.

Jugendpolitik wurde zu einem wichtigen Thema in Gesellschaft und Politik, seitdem die kulturkritischen Bewegungen um 1900 die Bedeutung der außerfamiliaren und -schulischen Erziehung wahrnahmen und ein Recht des Kindes auf eine umfassende Erziehung forderten. Das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt von 1922 sprach jedem Kind ein Recht auf Erziehung zu und legte fest, dass öffentliche Erziehung eintritt, wenn dieser Anspruch von der Familie nicht erfüllt wird; geregelt wurden vor allem das Verhältnis von Erziehungsrechten und -pflichten der Eltern im Verhältnis zur öffentlichen Jugendhilfe und auch der Aufbau und die Zuständigkeiten der Behörden. Das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1961 ist kaum mehr als eine Novellierung der alten Normen.

Erst mit dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes 1991 kam es zu einer grundlegenden Reform. Neben dem Jugendlichen werden stärker die Familie und das soziale Umfeld in die pädagogische Arbeit einbezogen. Vorrangig soll der Familie geholfen werden, damit sie ihre Aufgaben bewältigen kann. Dies setzt frühzeitige und präventive Angebote voraus, die sich an den unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen und ihrer Familien orientieren. Die Schwerpunkte der Jugendpolitik in den 1990er Jahren waren der Auf- bzw. Ausbau der Jugendhilfe in den neuen Bundesländern, insbesondere die Förderung freier Träger, sowie Maßnahmen zur Bekämpfung von Extremismus, Ausländerfeindlichkeit und von Gewalt. Eine spezifisch christlich-demokratische Ausrichtung der Jugendpolitik zeigt sich im Vorrang der freien Träger wie Kirchen, Wohlfahrtsverbände vor kommunalen und staatlichen Trägern, in der Förderung einer Vielfalt von Einrichtungen und Angeboten sowie in den Werten und Zielen der Jugendhilfe und des ihr zugrunde liegenden Menschenbildes und Gesellschaftsverständnisses.

Literatur

Detlef Grieswelle

Einzeltitel
20. Dezember 2013
ACDP: Findbuch Jugendpolitik