Der amerikanische Außenminister George C. Marshall verkündet ein Aufbauprogramm für Europa („Marshall-Plan“).

1947 kündigten die Vereinigten Staaten an, ein „European Recovery Programm“ (Europäisches Wiederaufbauprogramm) zu beginnen. Bald wurde der Name „Marshall-Plan“ überall gebräuchlich.

Europas Wirtschaft lag nach dem Zweiten Weltkrieg am Boden. Die Vereinigten Staaten erkannten bald, dass Sie aus mehreren Gründen ein Interesse daran hatten, den Europäern wieder auf die Beine zu helfen. Nur ein wirtschaftlich starkes (West-)Europa würde sich selbst versorgen können, ein verlässlicher Verbündeter der USA werden und sich im heraufziehenden Kalten Krieg gegenüber dem sowjetischen Expansionsdrang behaupten. Darüber hinaus hatten die USA ein Interesse an Europa als Absatzmarkt für die Produkte amerikanischer Firmen. Die US-Administration, namentlich US-Außenminister George C. Marshall, kündigte daher 1947 an, ein „European Recovery Programm“ (Europäisches Wiederaufbauprogramm) zu beginnen. Bald wurde der Name „Marshall-Plan“ überall gebräuchlich.

Von 1948 bis 1952 bewilligte der US-Kongress insgesamt 14 Milliarden US-Dollar für das Programm. Mit dem Geld wurden US-Firmen bezahlt, die Nahrungsmittel, Rohstoffe, Waren und Maschinen nach Europa lieferten. Zuvor mussten sich die Europäer zu der Frage äußern, welche Güter sie am dringendsten benötigen, und ihre Wünsche aufeinander abstimmen. Aus dem dazu ins Leben gerufenen Koordinierungsgremium entstand später die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Die Abnehmer in Europa bezahlten für die Waren jeweils in ihren eigenen Landeswährungen, Westdeutschland seit der Währungsreform von 1948 mit der D-Mark. Die Gelder flossen auf Konten, die von einer Behörde unter amerikanischer Führung gemeinsam mit der jeweiligen Regierung verwaltet wurden. Die Staaten verwendeten das Geld zu unterschiedlichen Zwecken: Großbritannien zur Schuldentilgung, Frankreich zur Deckung von Haushaltsdefiziten, Westdeutschland zur Vergabe von Investitionskrediten für den Wiederaufbau der Industrie und der Infrastruktur. Die Westzonen und ab 1949 die Bundesrepublik stand mit insgesamt 1,4 Milliarden Dollar nach Großbritannien, Frankreich und Italien an vierter Stelle der Empfängerländer. Bis 1966 zahlte die Bundesrepublik eine Milliarde davon zurück, der Rest wurde erlassen.

Der Marshall-Plan funktionierte nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe, denn er brachte den Kreislauf von Waren-, Kapital und Dienstleistungen wieder in Gang. Firmen konnten auf diese Weise wieder produzieren und investieren, Gewinne erzielen und Mitarbeiter einstellen. Die Volkswirtschaften Europas erholten sich allmählich und die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der europäischen Staaten untereinander als auch zu den USA festigten sich. Indem er den Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft machte, hatte der Marshall-Plan eine positive psychologische Wirkung. Im deutschen kollektiven Gedächtnis ist er überaus positiv besetzt, denn er war ein entscheidender Schritt zum Wiederaufbau Europas und wurde als eine wichtige Voraussetzung für das „Wirtschaftswunder“ der 1950er und 60er Jahre wahrgenommen.


Literatur:

  • Herbst, Ludolf: Option für den Westen : vom Marshallplan bis zum deutsch-französischen Vertrag. München 1989. (Deutsche Geschichte der neuesten Zeit vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart)
  • Herbst, Ludolf/Bührer, Werner/Sowade, Hanno (Hrsg.): Vom Marshallplan zur EWG : Die Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland in die westliche Welt. München 1990. (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte ; 30)
  • Holzamer, Hans-Herbert (Hrsg.): Der Marshall-Plan. Geschichte und Zukunft. Landsberg/Lech 1997.
  • Lehmann, Axel: Der Marshall-Plan und das neue Deutschland. Die Folgen amerikanischer Besatzungspolitik in den Westzonen. Münster 2000.
  • Rommerskirchen, Eva (Red.): 50 Jahre Marshall-Plan. Wissenschaftliches Symposion am 5. Juni 1997 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Rede von George C. Marshall in der Harvard-Universität zur Ankündigung des European Recovery Program, ERP. Berlin 1997.
  • Schröder, Hans-Jürgen (Hrsg.): Marshallplan und Westdeutscher Wiederaufstieg. Positionen - Kontroversen. Stuttgart 1990.