Kommunismus, Antikommunismus

Kommunisten nannten sich Anhänger radikal-egalitärer Gesellschaftsmodelle in England und Frankreich seit den 1830er Jahren. Visionen von einer Ungleichheit überwindenden Gütergemeinschaft wurden schon im Altertum entwickelt (z.B. Platons „Politeia“). In der Neuzeit knüpften Idealstaatsentwürfe daran an. Dem Christentum waren Vorstellungen dieser Art weder in der Theorie („Utopia“ des Thomas Morus, „Civitas solis“ Tommaso Campanellas) noch in der Praxis (Klöster) fremd. Die großen Kirchen verlagerten die Verwirklichung des Heils freilich auf das Jenseits und strebten nach christlicher Lebensführung – überwiegend auf der Grundlage bestehender politischer Ordnungen. Revolutionäre Gruppierungen kommunistischer Prägung, wie sie sich seit der Französischen Revolution politisch organisierten, propagierten hingegen einen Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit im Diesseits (Säkularisierung).

Ideen und Konzepte, wie sie François Babeuf, Claude Henri Saint-Simon und Charles Fourier entwickelt hatten, wurden von Karl Marx in das Reich der Utopie verbannt. Er selbst erhob den Anspruch, den Kommunismus auf eine materialistische, geschichtsphilosophisch und ökonomisch fundierte wissenschaftliche Grundlage zu stellen (Sozialismus). Der Kommunismus marxistischer Prägung erlangte Weltgeltung durch die Machtergreifung der von Wladimir I. Lenin geführten Bolschewiki 1917 in Russland und die Ausdehnung des sowjetischen Machtbereichs infolge des Sieges im 2. Weltkrieg. Erst die Reformen Michail Gorbatschows führten das Ende des Kalten Krieges – und der Sowjetunion 1991 – herbei. Lange zuvor hatte der Marxismus-Leninismus infolge der immer tiefer gewordenen Kluft zwischen chiliastischer Verheißung und totalitärer Wirklichkeit an intellektueller Ausstrahlung eingebüßt.

Absolutheitsanspruch und diktatorische Praxis der Kommunisten riefen umso mächtigere Gegenströmungen hervor, je mehr sich ihr Einfluss erhöhte. Im Gegensatz zum Antibolschewismus faschistischer/nationalsozialistischer Prägung verbanden die nach 1945 entstandenen christdemokratischen Parteien Antikommunismus mit Antifaschismus – im Geiste eines die personale Würde schützenden Rechtsstaates auf demokratischer Grundlage.

Literatur

F. Furet: Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert (2. Auflage, 1999); G. Schwan: Antikommunismus und Antiamerikanismus in Deutschland. Kontinuität und Wandel nach 1945 (1999).

Uwe Backes