Ökumene

Ökumene bedeutet im Griechischen den Erdkreis bzw. die bewohnte Welt, später das römische Reich. Im kirchlichen Raum besagt der Begriff zunächst die universale Bedeutung der christlichen Botschaft, ihren missionarischen Auftrag. Auf dem Feld der Mission zeigte sich die Bedeutung der Gemeinschaft der Kirchen für die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft. Daraus entstand die Ökumenische Bewegung im heutigen Sinn, die der Einheit der christlichen Kirchen dienen will. Sie fand in der Gründung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK, engl. World Council of Churches, WCC) 1948 in Amsterdam einen institutionellen Rahmen. Derzeit wirken im ÖRK etwas mehr als 300 Kirchen reformatorischer und orthodoxer Prägung sowie sogenannte junge Kirchen, vorwiegend aus Ländern der dritten Welt, zusammen. Sie verstehen sich, gemäß der Basisformel des ÖRK, als „eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Die römisch-katholische Kirche ist dem ÖRK nicht beigetreten, weiß sich jedoch ebenfalls als Glied der umfassenden Bewegung der Ökumene, die durch das II. Vatikanum und den „Päpstlichen Rat für die Förderung der christlichen Einheit“ wichtige Anstöße erhielt. Zentrale theologische Fragen sind das Verständnis der Rechtfertigung, des kirchlichen Amts und der Sakramente sowie die Zielvorstellungen der christlichen Einheit. Auf Gemeindeebene interessiert vor allem die Gemeinschaft im Herrenmahl (Interkommunion). Bei derzeitigen Tendenzen, den Begriff Ökumene auf das Verhältnis zu den nicht-christlichen Religionen auszudehnen (größere Ökumene), ist zu beachten, dass nicht methodisch und von der Zielsetzung her unterschiedliche Aufgabenstellungen verwischt werden.

Literatur

R. Frieling: Der Weg des ökumenischen Gedankens (1992); P. Neuner: Ökumenische Theologie (1997).

Peter Neuner