Partnerschaft, Mann/Frau

Der Begriff der Partnerschaft als Faktor des Zusammenlebens von Mann und Frau bezieht sich auf unterschiedliche Gemeinschaften wie Ehe und Familie, eheähnliche Lebenspartnerschaften, Paarbindungen von Jugendlichen, jungen Erwachsenen, aber auch älteren Menschen, weiterhin auf Geschlechterbeziehungen generell, in Schule, Berufsausbildung, Erwerbsarbeit, Freizeit etc. Partnerschaft beschreibt ein Leitbild, das einerseits als soziale Norm das Verhalten steuert, andererseits auch einen grundlegenden kulturellen Wert darstellt, der in seiner prinzipiellen Verpflichtung heute weitgehend Akzeptanz erfährt, aber in der Lebenspraxis nicht die gleiche Anerkennung erhält, vor allem nicht seitens der Männer.

In seiner allgemeinen Bedeutung signalisiert der Begriff Vorstellungen wie wechselseitige Verantwortung und Rücksichtnahme; gleichberechtigte Mitwirkung und Teilhabe; freundschaftlichen und toleranten Umgang; Bereitschaft zum Aushalten von Spannungen und zu friedlicher Konfliktbewältigung; Kooperation ohne Macht- und Herrschaftsanspruch; Verzicht auf eindeutige geschlechtsspezifische Funktions- und Rollenfixierungen; Gleichberechtigung trotz biologischer und sozialer Ungleichheiten und unterschiedlicher Interessen. Es handelt sich im wesentlichen um eine Gleichheit hinsichtlich wichtiger Funktions- und Rollenverteilungen, vor allem um das Recht der Frauen auf Teilhabe an zentralen Bereichen wie Bildung, Politik, Erwerbsarbeit und um die Pflicht der Männer zur Übernahme von Aufgaben im Rahmen von Familien-, Erziehungs- und Hausarbeit.

Gesellschaftliche Festlegungen in sozialen Strukturvorgaben gelten als obsolet; es besteht ein Anspruch auf Wahrnehmung von Entfaltungschancen. Eine spezifische Deutung von Partnerschaft stellt auf eine (weitgehende) Gleichstellung der Geschlechter ab bei der Verteilung von Aufgaben in der Hausarbeit, Kindererziehung, Erwerbsarbeit sowie in der politisch-gesellschaftlichen Partizipation; „wahre“ Partnerschaft bedeutet hier eine Wahrnehmung von Rechten und Pflichten gleichermaßen durch Männer und Frauen in wesentlichen Feldern der Gesellschaft.

Partnerschaft im Selbstverständnis einer pluralen Gesellschaft beinhaltet aber nicht die obligatorische Verwirklichung des obigen Modells, sondern meint die Chancengleichheit unter den Geschlechtern und ihre Aufgabe, die Zuordnung von Funktionen auszuhandeln, wobei Frauen nicht a priori geringere Verwirklichungschancen eingeräumt werden dürfen. In der konkreten Gestaltung der Paarbeziehungen sind ganz verschiedene Formen der Funktionsaufteilung möglich, so auch die traditionelle Ehe und Familie mit der Wahrnehmung von Haus- und Familienarbeit vor allem durch die Frau. Der Staat hat Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nicht bestimmte Modelle von Ehe und Familie in der gesellschaftlichen Praxis ausgeschlossen werden. Gerade dann hat die in unserer Verfassung geschützte Gemeinschaft von Ehe und Familie Zukunft; die Umsetzung des Wunsches der Frauen bezüglich einer gerechten Verteilung von Aufgaben wirkt sich positiv aus auf die Sicherung der Institutionen und die Bereitschaft zu Kindern und Kindererziehung.

In christlich-demokratischen Bewegungen und Parteien stellt die christliche Deutung von Ehe und Familie eine zentrale Orientierung dar. Im Selbstverständnis der Christlichen Demokratie hat die Partnerschaft in Ehe und Familie als auf Dauer angelegte Lebens- und Verantwortungsgemeinschaft eine herausragende Bedeutung. CDU und CSU haben in ihren Programmen wiederholt betont, dass bei allen Veränderungen von Werten und Sozialstrukturen die Ehe als Institution weiterhin das Leitbild für das Zusammenleben von Mann und Frau ist und als gute Grundlage für die Erziehung von Kindern angesehen werden muss. Andererseits ist eine Politik gefordert, die die Zuwendung, Sorge und Erziehungsleistung für Kinder anerkennt, unabhängig von der Form der jeweiligen Lebensgemeinschaft.

Literatur

G. Kirchhoff: Partnerschaft, in: P. Gutjahr-Löser (Hg.), Politisch-pädagogisches Handwörterbuch (2. Auflage, 1985); R. Süssmuth: P., in: A. Lissner u. a. (Hg.), Frauenlexikon (2. Auflage, 1989); D. Grieswelle: Sozialpolitik der Zukunft (1996); M. Wingen: Familienpolitik (1997).

Dorothea und Detlef Grieswelle