Städtebaupolitik

Städtebaupolitik umfasst die räumliche und bauliche Gestaltung einer Stadt, eines Stadtteils oder städtebaulichen Ensembles als Umsetzung gesellschaftspolitischer Leitbilder, z.B. hinsichtlich Trennung oder Mischung sozialer Schichten, von Funktionen und Nutzungen (heute meist: Stadtplanung im weiteren Sinn). Sie beinhaltet die Bodenpolitik, die Zuweisung der Funktionen Arbeiten, Wohnen, Kultur, Erholung etc. und die konkrete städtebauliche Realisierung (Stadtplanung im engeren Sinn) mit Ausweis der Versorgungseinrichtungen etc. Instrumente sind u.a. Bau-, Bauzonenordnungen, Fluchtlinien, Bauleitpläne. Der Städtebau gehört zu den Selbstverwaltungsaufgaben der Kommune. Nach den Aufbaugesetzen nach 1945 und dem Bundesbaugesetz 1960 regelte das Städtebauförderungsgesetz des Bundes 1971 den Teilbereich der Sanierung. Es gibt den Kommunen bau- und bodenrechtliche Instrumente an die Hand, um Bau-, Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen durchzuführen, Bodenspekulation zu verhindern und fördert die Investitionen durch Finanzhilfen. Bundesbau- und Städtebauförderungsgesetz wurden 1986 im (inzwischen mehrfach novellierten) Baugesetzbuch zusammengeführt.

Städtebaupolitik bzw. Stadt(entwicklungs)planung ist eine Daueraufgabe, um die Stadt zu sanieren, zu modernisieren und dem Wandel der Lebensbedürfnisse anzupassen. Große Wirkung hatte das städtebauliche Leitbild – im Wesentlichen die Trennung nach Funktionen – der Charta von Athen (1933). Es fand im Konzept der funktional gegliederten und aufgelockerten, durchgrünten Stadt Eingang in die städtebaulichen Vorstellungen in der Bundesrepublik. Da es mit großem Flächenverbrauch und Zersiedelung verbunden war, wurden neue Modelle der Verdichtung entwickelt. In den Wiederaufbaujahren war der Streit über behutsame oder radikale Wiederherstellung bzw. Modernisierung der Stadtstrukturen heftig. Der Motorisierungsboom der 1960er Jahre fand Ausdruck im Konzept der verkehrs- bzw. „autogerechten“ Stadt. Mitte der 1970er Jahre traten Wohnumfeld und Stadterneuerung stärker in den Blick, seit den 1980er Jahren auch Strukturpolitik und ökologisches Bauen sowie einzelne Stadterweiterungen auf Grund starker Zuwanderung. Heute sind die städtebaulichen Folgen der Wiedervereinigung (Plattenbausiedlungen, nachholende Suburbanisierung) und die Bebauung von Konversionsflächen (Industriebrachen, Bahnflächen, ehemaliges Militärgelände) wichtige neue Themen.

Literatur

K. v. Beyme: Der Wiederaufbau. Architektur und Städtebaupolitik in beiden deutschen Staaten (1987); G. Albers: Stadtplanung. Eine praxisorientierte Einführung (2. Auflage 1992); D. Reinborn: Städtebau im 19. und 20. Jahrhundert (1996); W. Durth u. a.: Architektur und Städtebau der DDR (1998).

Günther Schulz