Materialien zum 12. April 1990

Das Stichwort: de Maizière erster freigewählter Ministerpräsident der DDR

Nach dem überwältigenden Wahlsieg der "Allianz für Deutschland" bei den ersten freien Volkskammerwahlen vom 18. März waren die nächsten Wochen von intensiven und langwierigen Verhandlungen über einen Koalitionsvertrag gekennzeichnet. Schliesslich wurde dieser zwischen den Allianzparteien CDU, DSU und DA sowie der SPD und den Liberalen am 12. April geschlossen. Kern des Vertrages dieser Grossen Koalition war der zügige Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Dieser Weg zur deutschen Einheit fusste somit auf einer überwältigenden Mehrheit der frei gewählten Abgeordneten der Volkskammer. Mit 265 gegen 108 Stimmen - bei 9 Enthaltungen - wurde Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten gewählt, wobei von der Volkskammer in einer en-Block-Entscheidung auch dessen Kabinett bestätigt wurde. Diesem gehörten neben dem Ministerpräsidenten anfangs 22 Minister an. Zu den wichtigsten aussenpolitischen Entscheidungen gehörten die Bekräftigung der Unverletzlichkeit der Oder-Neisse-Grenze sowie das Bekenntnis der Abgeordneten an der Mitschuld der Deutschen in der DDR am Holocaust. Ausserdem erklärte wiederum die übergrosse Mehrheit der Abgeordneten die Mitschuld der DDR an der Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968. Der 12. April 1990 wurde auch dadurch ein historischer Tag nicht nur der deutschen Parlamentsgeschichte, sondern auch für alle Deutschen.

TS

Das 1. Kabinett unter Lothar de Maizière

Ministerpräsident:

Lothar de Maizière (CDU)

Leiter des Amtes des Ministerpräsidenten:

Klaus Reichenbach (CDU)

Wirtschaft:

Gerhard Pohl (CDU)

Jugend und Sport:

Cordula Schubert(CDU)

Frauen und Familie:

Christa Schmidt (CDU)

Arbeit und Soziales:

Regine Hildebrandt (SPD)

Verkehr:

Horst Gibtner (CDU)

Post:

Emil Schnell (SPD)

Bildung und Wissenschaft:

Hans-Joachim Meyer (parteilos, Kandidat der CDU)

Forschung und Technologie:

Frank Terpe (SPD)

Minister für Medien:

Gottfried Müller (CDU)

Landwirtschaft:

Peter Pollock (parteilos, von der SPD nominiert)

Kultur:

Herbert Schirmer (CDU)

Justiz:

Kurt Wünsche (LDP)

Gesundheit:

Jürgen Kleditzsch (CDU)

Struktur:

Manfred Preiss (LDP)

Umwelt:

Karl-Herrmann Steinberg (CDU)

Bau:

Axel Viehweger (LPD)

Außen:

Markus Meckel (SPD)

Inneres:

Peter-Michael Diestel (DSU)

Finanzen:

Walter Romberg (SPD)

Entwicklungshilfe:

Hans-Wilhelm Ebeling (DSU)

Handel und Touristik:

Sybille Reider (SPD)

Abrüstung und Verteidigung:

Rainer Eppelmann (DA)

  • Auszug aus der Regierungserklärung von Lothar de Maizière -mehr-

  • Auszug aus dem Tagebuch Helmut Kohls -mehr-

  • Die Presse zum Tag - Headlines:

    • Volkskammer wählt de Maizière heute zum Regierungschef (Die Welt, 12. April 1990)

    • In Ost-Berlin über die Wahl de Maizières einig (FAZ, 12. April 1990)

    • Aus Not vereint (Rheinischer Merkur, 13. April 1990)

    • Die Mannschaft betritt das sinkende Schiff (Die Zeit, 13. April 1990)

    • Ministerpräsident de Maizière erwartet Einheit im nächsten Jahr (Die Welt, 12. April 1990)

    • Würdiger Beginn (FAZ, 14. April 1990)

    • Die Regierung de Maizière im Amt. Programm-Erklärung am Donnerstag (FAZ, 14. April 1990)

  • Literatur zum Tag