Veranstaltungsberichte

„Bürger sein, nicht Beobachter“

KAS und Katholische Kirche Ghanas initiieren mit einem Workshop ein gemeinsames Projekt zur Förderung der politischen Teilhabe auf Distriktebene
Accra, 20.02.2017 // In seiner Rede zur Amtseinführung am 7. Januar forderte der neue Präsident Ghanas, Nana Akufo-Addo, die Menschen dazu auf, sich aktiv am Wandel im Land zu beteiligen: „I ask you to be citizens: citizens, not spectators, citizens not subjects; responsible citizens building your communities and our nation.“ Etwas mehr als einen Monat später trafen sich am Freitag, 17. Februar, Vertreter von Justice and Peace (Gerechtigkeit und Frieden)- Kommissionen aus vier Diözesen Ghanas in Accra unter der Leitung der katholischen Bischofskonferenz. In Zusammenarbeit mit dem Länderbüro der KAS wurde der offizielle Startschuss für ein Projekt gegeben, welches zum Fokus hat, das Interesse der örtlichen Bevölkerung für politische Prozesse auf kommunaler Ebene zu steigern.

Die Verwaltungsstruktur Ghanas ist dezentral organisiert, mit 10 Regionen (regions) und 216 nach Einwohnerzahl untergliederten Landkreisen (Metropolitan, Municipal, District Assemblies). Parallel hierzu gibt es die kirchliche Struktur in (Erz-) Diözesen, von denen jede jeweils eine Justice and Peace Commission (JPC) beinhaltet. Im Rahmen des Projekts sollen Vertreter aus zunächst vier der insgesamt 20 Diözesen in einem Workshop darin geschult werden, ihre örtlichen, auf Gemeindeebene organisierten Gerechtigkeit und Frieden – Comites(JPC) so zu unterstützen und zu stärken, dass diese als eine Art Multiplikator die politische Teilnahme der Menschen vor Ort befördern.

Neben einer zwei Personen starken KAS-Delegation sowie verschiedenen Pressevertretern nahmen der Erzbischof von Kumasi, Gabriel Justice Anoyke, Verantwortlicher für Gerechtigkeit und Frieden in der ghanaischen Bischofskonferenz, sowie der Leiter des Nationalen Gerechtigkeit und Frieden- Teams, Father Clement Adjei, an der Veranstaltung teil. Im Anschluss an die Begrüßungsworte der einzelnen Teilnehmer und eine kleine Stärkung wurde mit einem Workshop auch direkt die Arbeit aufgenommen.

Dabei stellte Herr Clarke Noyoru den rund 15 verbliebenen Anwesenden zunächst die (verfassungs-) rechtlichen Grundlagen der lokalen Verwaltung vor und ging hier auch auf die besonderen Möglichkeiten der JPC innerhalb dieser gesetzlichen Rahmenbedingungen ein. Als eine Art Bindeglied zwischen kirchlicher und administrativer Organisationsstruktur sorgen sie neben der bereits erwähnten Aktivierung politischer Teilhabe auch dafür, Entscheidungen der Landkreis-Versammlungen (assemblies) an die Gemeindemitglieder zu übermitteln. Im Gegenzug erinnern sie die assemblies an ihre Verantwortung gegenüber der lokalen Bevölkerung, kontrollieren die Projekte der örtlichen Verwaltung etc. Diese zentrale Aufgabe wird jedoch oftmals durch verschiedene Faktoren erschwert, wie beispielsweise durch eine zu geringe personelle oder finanzielle Stärke der einzelnen JPC oder eine fehlenden Beteiligung deren Mitglieder.

Um den Teilnehmern einige praktische Handlungsansätze und kreative Lösungen für eben diese Herausforderungen an die Hand zu geben, präsentierte Frau Solange Bessom den Teilnehmern Erfahrungen aus ihrer Arbeit in der Erzdiözese in Yaounde, Kamerun. In einem dort durchgeführten Projekt, das sie ausführlich vorstellte, konnte der Austausch zwischen JPC Mitgliedern und den gewählten Vertretern erfolgreich gefördert werden: Die Mandatsträger informierten rund 100 Mitglieder von 25 JPC in vier Workshops über sämtliche Aspekte ihrer alltäglichen Arbeit, um dadurch ein Verständnis für die Amtstätigkeit, aber eben auch für deren Unzulänglichkeiten und Fehlverhalten zu schaffen. Anschließend teilte Frau Bessom mit den Zuhörern die zahlreichen dabei gewonnen Erkenntnisse, so zum Beispiels, dass viele Würdenträger kein System für bzw. Interesse am Bürgerkontakt haben oder der Bevölkerung oft einfach unbekannt sind. Sie betonte jedoch, dass der Dialog generell zu einer Annäherung zwischen Bürgern und Volksvertretern geführt hätte und dabei aufgeworfene Angelegenheiten im Anschluss oft geklärt werden konnten. Die Zuhörer folgten ihren Ausführungen mit großem Interesse und erkundigten sich nach dem Vortrag auch nach ihren Erfahrungen zu anderen Herausforderungen der JPC-Arbeit.

Den Abschluss des theoretischen Workshop-Teils bildete eine Präsentation des KAS-Büroleiters zum Thema „Planning and Monitoring“. Dadurch sollten vor der Ausarbeitung einzelner Projektinitiativen Grundkenntnisse in Planung und Kontrolle vermittelt werden, um zu gewährleisten, dass die jeweiligen Aktivitäten nicht nur einen singulären Erfolg darstellten, sondern messbar zu einer gemeinsam definierten Vision beitragen würden. Die Teilnehmer der vier Diözesen überlegten gemeinsam schließlich, wie das Projekt zum Bürgerdialog in ihren jeweiligen Kontexten umgesetzt werden könnte. Die KAS Ghana wird sie dabei weiterhin unterstützen, um die Beteiligung der Bevölkerung an der Politik im Allgemeinen, ganz konkret aber an ihren Wohn- und Lebensräumen zu erhöhen.

Accra, Februar 2017

KAS-Praktikant

Felix Kumpf