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Umbrüche im Nahen Osten und in Nordafrika

Umbrüche im Nahen Osten und in Nordafrika

Perspektiven für Demokratie im Nahen Osten und Nordafrika

Im Dezember 2010 begann mit Demonstrationen im tunesischen Hinterland eine Protestwelle, die den Nahen Osten und Nordafrika erschütterte. Die Forderungen der vorwiegend jungen Demonstranten nach „Brot, Freiheit, Würde“ auf der Avenue Bourguiba in Tunis und dem Tahrir-Platz in Kairo fanden Widerhall in weiten Teilen der arabischen Welt und führten zu umfassenden politischen Umbrüchen in der Region. Innerhalb eines Jahres wurden die autoritären Herrscher in Tunesien, Ägypten, Libyen und im Jemen, die ihre Länder jahrzehntelang regiert hatten, gestürzt. Für diese Phase, in der vielerorts die Menschen in der arabischen Welt auf die Straße gingen und mehr sozioökonomische Teilhabe und politische Rechte einforderten, hat sich der Begriff „Arabischer Frühling“ eingebürgert.

Doch eine rasche Demokratisierung und ein frühlingshaftes Aufblühen der Region folgte nicht. Stattdessen brachen vielerorts geopolitische und identitäre Konfliktlinien auf, Proteste wurden gewaltsam unterdrückt, Frustration führte zu Radikalisierung und Instabilität. Politische Gewalt und eskalierende Konflikte in Syrien, Jemen und Libyen zwangen Millionen Menschen zur Flucht in Nachbarländer und nach Europa. Das vergangene Jahrzehnt hat gezeigt: Die alte Ordnung der arabischen Welt, wie sie nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches und im Zuge der Dekolonialisierung entstanden war, ist zerbrochen und noch konnte sich kein neues Herrschaftsmodell durchsetzen. Das Ringen um neue Ordnungsstrukturen innerhalb der Gesellschaften und zwischen den Ländern der Region – und den darin involvierten externen Akteuren – dauert an. Nicht zuletzt die Bürgerproteste ab 2019 im Irak, in Algerien, im Sudan und im Libanon haben erneut in Erinnerung gerufen, dass eine Antwort auf die Forderungen des „Arabischen Frühlings“ weiterhin nicht gefunden ist.

Die Auseinandersetzung zwischen Bürgerinnen und Bürgern im Nahen Osten und Nordafrika und ihren politischen Eliten über die Anforderungen an einen modernen Staat und die Zukunft ihrer Gesellschaften setzt sich indes fort. Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) begleitet diesen andauernden Transformationsprozess über die Arbeit ihrer Auslandsbüros in der Region und aus der Zentrale in Berlin. Das zehnjährige Jubiläum des „Arabischen Frühlings“ nahm die KAS 2021 zudem zum Anlass für eine umfangreiche Bestandsaufnahme der mannigfaltigen und langwierigen Übergangsprozesse im Nahen Osten und Nordafrika. Die hierbei angesprochenen Grundsatzfragen behalten auch weiterhin ihre Gültigkeit. Warum ist der „Arabische Frühling“ in so vielen Ländern gescheitert? Wo gibt es dennoch Anzeichen für einen demokratischen Wandel? Welche Zukunft wünschen sich die jungen Menschen heute in der Region? Wie können Partizipation und Repräsentation in den Gesellschaften der Region organisiert werden? Gibt es dabei auch eine Rolle für Deutschland und Europa?

Auf dieser Themenseite finden Sie eine Aufführung von Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung zum „Arabischen Frühling“ in Deutschland und der Region sowie Hinweise zu relevanten politischen Berichten, Studien, Umfragen, Interviews und Video-Statements.

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Den zehnten Jahrestag des "Arabischen Frühlings" haben wir am 16. Dezember 2020 in einer Podiumsdiskussion zum Anlass genommen, eine Bestandsaufnahme der vielfältigen und langwierigen Transformationsprozesse im Nahen Osten und Nordafrika durchzuführen. Im Video können Sie die Diskussion u.a. zwischen André Sleiman, Sarra Ben Elkadhi und Dr. Isabelle Werenfels verfolgen.