Professor Dr. Nils Goldschmidt

Veranstaltungsberichte

Wirtschaft für den Menschen: Welche Lehren wir aus der Krise ziehen

von Thomas Ehlen

Eine Bilanz des Fuldaer Gesprächs 27. Oktober 2021

„Soziale Kohäsion ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb können und sollten wir optimistisch in die Zukunft blicken. Unsere Soziale Marktwirtschaft wird weiterhin Menschen die Chance geben, ihr Leben sinnvoll zu führen.“ Diesen Ausblick gewährte Professor Dr. Nils Goldschmidt 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fuldaer Gesprächs.

Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V. warnte allerdings freimütig vor „Kipppunkten“. Einen solchen Kipppunkt werde etwa die Gesetzliche Rentenversicherung im nächsten Jahrzehnt erreichen: „Die Rentenbezugszeiten haben sich seit den Sechziger Jahren von zehn auf zwanzig Jahre verdoppelt. Deshalb muss das Renteneintrittsalter steigen – aber nicht für Menschen mit geschädigter Gesundheit.“

„Die europäische Idee braucht Selbstbewußtsein. Die Prinzipien der Europäischen Union müssen bachtet werden. Deshlab wird Europa in der digitalen Ära Rechtssicherheit anbieten und Regulierungen in Kraft setzen." Der an der Universität Siegen lehrende Ökonom hält es nicht für „ein unabwendbares Schicksal“, dass der Einfluss der US-Internetgiganten weiterhin wächst: „Wir müssen die Datenmacht einschränken.“ Das Vorhaben der Europäischen Union, dominante Unternehmen mit einem „Digital Markets Act“ in die Schranken zu weisen, hält Goldschmidt für vielversprechend.

„Klimaschutz darf kein Eliteprojekt auf Kosten der Finanzschwachen sein,“ warnte Goldschmidt, der dennoch auf steigende CO2–Preise setzt: „Wenn Preissignale stark sind, werden sie Wirkung entfalten.“ Er verweist auf das Schweizer Modell, das eben diese steigenden CO2-Preise mit sozialem Ausgleich verbindet: „Im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft sollten wir die Ärmeren entlasten und den Reicheren eine größere Last aufbürden. Das halte ich im Rahmen der gebotenen gesellschaftlichen Solidarität für völlig legitim. Und mal ehrlich: Wer sich einen SUV für 100 000 Euro leisten kann, der sollte wohl auch – in der Spitze – 240 Euro im Monat für die Rettung des Klimas aufbringen können.“

Ansprechpartner

Dr. Thomas Ehlen

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