Al-Baghdadi, Abu Bakr (geb. 1971)

Der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi ist der Anführer des sog. „Islamischen Staates|“ (IS) und nimmt seit Mitte des Jahres 2014 für sich in Anspruch als »Kalif Ibrahim« (→ s. Kalifat) die islamische umma (→ s. umma) zu führen. Er ist der de facto-Herrscher der von dem IS kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak. Die persönlichen Hintergründe al-Baghdadis bleiben schemenhaft: Es heißt, er habe Anfang der 2000er in islamischer Theologie promoviert und sei nach einer kurzen Tätigkeit im Moscheebereich in einem amerikanischen Gefangenenlager im Irak interniert gewesen. Nach seiner Entlassung war er in der Terrorgruppe al-Qaida im Irak aktiv. Diese nannte sich 2006 in Islamischer Staat im Irak um. 2010 wurde al-Baghdadi deren Führer. Unter seine Ägide fällt ab 2011 die Beteiligung am syrischen Krieg und aufgrund dieser »Internationalisierung« der Gruppe auch der Bruch mit al-Qaida und anderen islamistischen Milizen. Zu al-Baghdadis innerem Zirkel zählen die beiden ehemaligen irakischen Armeeoffiziere Abu Ali al-Anbari und Abu Muslim al-Turkmani. Der Anspruch al-Baghdadis auf die Führerschaft der islamischen umma ist auch innerhalb des islamistischen Spektrums stark umstritten, wird jedoch von der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram anerkannt, deren Anführer Abubakar Shekau al-Baghdadi huldigte.

Dr. Christian Funke