Veranstaltungsberichte

KAS-HESKEM Seminar für junge Journalisten

Vom 10. bis 11. Juli 2008 fand ein Seminar der Konrad Adenauer Stiftung in Kooperation mit HESKEM statt, an dem dreißig junge israelische Journalisten teilnahmen. Die beiden Organisationen haben bereits eine Reihe solcher Seminare durchgeführt. Die Bedeutung der Seminare liegt vor allem darin, dass sie die Zielgruppen erreichen, welche die israelische öffentliche Meinung in der Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konfliktes beeinflussen können.

Junge israelische Journalisten wurden als eine besonders wichtige Gruppe identifiziert, da es ihnen möglich ist durch ihre vielfältigen Möglichkeiten die israelische öffentliche Meinung über den Friedensprozess zu informieren und zu beeinflussen. Zudem sind junge Journalisten vorwiegend in modernen Medien, insbesondere im Internet präsent. Gleichzeitig wird das Internet für immer größere Teile der israelischen Bevölkerung zur primären Quelle für Medienkonsum. Teilnehmer der Seminare haben, anhand von Feedback-Formularen, die Bedeutung des Seminars für ihre Sichtweise auf den palästinensisch-israelischen Konflikt und die neuen Möglichkeiten zur Erlangung alternativer Ressourcen ausgedrückt.

Teilnehmer:

Unter den dreißig Teilnehmern waren junge Männer (13 Teilnehmer) und Frauen (17 Teilnehmer) die Israels Print-Medien, Radio und Online-Medien repräsentierten. Die Teilnehmer wurden nach bestimmten Kriterien ausgewählt, um insbesondere auch Medien, welche von gesellschaftlichen Minoritäten wie die ultra-orthodoxen Juden, Araber, Russen und Äthiopier konsumiert werden, zusätzlich zu den populären Medien, die einen Großteil der israelischen Bevölkerung erreichen, in das Seminar einzubeziehen. Die Teilnehmer waren sehr interessiert an den Vorträgen und diskutierten die Themen lebhaft.

Programm:

Das Seminar wurde mit einer Führung entlang des Sicherheitszauns in Großraum Jerusalem eröffnet. Die Besichtigung wurde von Colonel (Res.) Shaul Arieli, der frühere Brigadekommandeur in Gaza, militärischer stellvertretender Sekretär des Verteidigungs- und Premierministers unter der Regierung Netanyahu und Leiter der Verhandlungsbehörde unter der Regierung Barak, geleitet. Die Intention der Tour war es, den Teilnehmern die Situation der geographischen Fakten, der Konfliktpositionen und der Lösungsvorschläge und ihre Bedeutung zu erläutern und näher zu bringen.

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Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer im Ma´aleh Hahamisha Hotel in der Nähe von Jerusalem zu Vorlesungen und Diskussionen. Der erste Vortrag wurde von Izhar Be´er, dem Generalmanager des Keshev Zentrums für die Bewahrung der Demokratie in Israel und Nidal Rafia, CNN´s Hauptredakteurin in Israel, gehalten. Be´er berichtete über die problematische Art und Weise wie über den Konflikt in den Medien berichtet wird. Er führte aus, dass der Rahmen, in dem Artikel verfasst werden sowie die inhaltliche Diskrepanz zwischen Überschrift und Text oft zur Folge haben, dass es zu Fehlinformation über wichtige Ereignisse und damit Fehleinschätzungen bei den Lesern kommt. Be´er führte Beispiele zu dieser Problematik aus und gab den Teilnehmern Hinweise und Vorschläge wie man die Informationen glaubhafter und wahrheitsgemäßer vermitteln kann. Rafia erläuterte, wie der palästinensisch – israelische Konflikt international dargstellt wird.

Das darauf folgende Panel beschäftigte sich mit der Art und Weise wie der Disput in der Presse der Minoritäten aufgezeigt wird. Die Referenten waren Victoria Dolinsky vom Radio REKA in Russisch, Alon Nuriel von der ultra-orthodoxen Zeitung „Miyom Leyom“, Tsega Melko vom Radio REKA in Äthiopisch und Said Abu-Siah von der arabischsprachigen Zeitung „Hadith a-Nas“. Jeder der Vortragenden erklärte die einzigartigen Merkmale ihres oder seines Bereichs und verdeutlichte wie der Konflikt den Konsumgruppen präsentiert wird.

Außerdem hielt der palästinensische Minister für Gefangene, Ashraf al-Ajrami eine Ansprache vor den Teilnehmern und kritisierte den geringen Fortschritt der palästinensisch-israelischen Verhandlungen. Ashraf al-Ajrami warnte beide Seiten, dass ohne eine baldige Einigung, die Zwei-Staaten-Lösung in weite Ferne rücken könnte und möglicherweise nur noch eine Ein-Staaten-Lösung möglich wäre – ein bi-nationaler Staat mit gleichem Wahlrecht für alle Bürger.

Am folgenden Morgen trafen die Teilnehmer Gadi Baltiansky, den früheren Medienberater von Premierminister Barak, und diskutierten ob der palästinensisch-israelische Konflikt genug Aufmerksamkeit in den israelischen Medien bekommt. Baltiansky stellte fest, dass die israelischen Medien sich bei dem Versuch der öffentlichen Meinung anzupassen, dazu tendieren den Konflikt und die Diskussionen darüber zu vernachlässigen, obwohl diese Themen von äußerster Notwendigkeit für den Staat Israel sind. Selbst der Premierminister erklärte, dass eine Ein-Staaten-Lösung das Ende für den demokratischen Staat Israel bedeuten würde.

Im letzten Vortrag präsentierten MK Yossi Beilin (Meretz) und MK Benny Elon (Ichud-Leumi – Mafdal) ihre jeweiligen Kontroversen zu den existierenden Optionen zur Lösung des Konflikts. Beide Referenten stimmten darin überein, dass ein Friedensabkommen essentiell für den Staat Israel sei. Elon präsentierte seinen Plan „The Israeli Initiative“, der die Einigung Israels mit Ägypten und Jordanien bezüglich der Palästinenser in der Westbank und Gaza beinhaltete. Beide Nachbarn Israels sollen die Kontrolle über die palästinensischen Autonomiegebiete erhalten, und Israel würde einen minimalen Teil seines Territoriums abtreten. Weiterhin wies Elon auf das Flüchtlingsproblem hin, zudem es kein Vergleich in der Geschichte gibt: nach 60 Jahren leben Menschen immer noch als Flüchtlinge und sind nicht integriert. Beilins Antwort auf Elons Plan war, dass er ohne zu zögern Elons Idee zustimmen würde, wenn sich Jordanien und Ägypten mit Israel einigen und das Flüchtlingsproblem außerhalb des Kontextes einer Zwei-Staaten-Läsung gelöst werden kann. Das Problem, so Beilin, sei allerdings, dass es für diesen Plan keine Zustimmung der palästinensischen Seite gibt. Nach wie vor wird jedoch von beiden Seiten eine Zwei-Staaten-Lösung verfolgt, in deren Rahmen auch das Flüchtlingsproblem durch Verhandlungen gelöst werden soll.

Über die Veranstaltung berichtete eine Bandbreite von hebräischen und russischen Zeitungen sowie Radio-und Internetmedien in Israel.