Veranstaltungsberichte

Von der Protestbewegung zum Terrorismus

von Patricia Liberatore

Eine Vorlesungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit den römischen Universitäten LUMSA und LUSPIO

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat in Zusammenarbeit mit den Universitäten LUMSA und LUSPIO am 27. März die zweite Vorlesung mit dem Titel „Von der Protestbewegung zum Terrorismus“ aus der vierteiligen Reihe „Die 1970er Jahre in Deutschland und Italien – Krise und Transformation“ durchgeführt.

Als Referent aus Deutschland war Dr. Wolfgang Kraushaar eingeladen, renommierter Forscher am Hamburger Institut für Sozialforschung, der sich seit über zwanzig Jahren mit den politischen Protestbewegungen in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR beschäftigt. Einblicke in die italienische Perspektive vermittelten Dr. Andrea Ungari, Professor für Zeitgeschichte an der LUISS.

Wie schwierig ein Vergleich der beiden Länder während der 1970er Jahre ist, zeigt sich laut Kraushaar schon an der Metapher der „bleiernen Jahre“. Während sich die „anni di piombo“ in Italien auf die 1970er Jahre beziehen und für den Terror stehen, verweist der Ausdruck „die bleiernen Jahre“ im Deutschen auf die Schwierigkeiten der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre, die NS-Vergangenheit zu bewältigen und aufzuarbeiten.

Um die Wurzeln der Protestbewegungen, die schließlich in der Bundesrepublik Deutschland und in Italien in den Terrorismus mündeten, vergleichen zu können, gab Ungari zunächst ein Überblick über die Nachkriegsgeschichte der beiden Länder. Er betonte im Falle Italiens vor allem die Bedeutung des verratenen Widerstands nach dem Zweiten Weltkrieg: Eine tiefgreifende Aufarbeitung der aus der Zeit des Faschismus verbliebenen Gesellschaftsstrukturen wurde in Italien seiner Ansicht nach nicht geleistet. Ungari fasste die Proteste und auch den Terrorismus der 1970er Jahren daher als eine Konsequenz dieser fehlenden Auseinandersetzung auf.

Für die Bundesrepublik Deutschland, so Kraushaar, seien die Zusammenhänge zwischen den Protestbewegungen von 1968 und dem Terrorismus in den 1970er Jahren bis heute noch nicht vollständig geklärt. Festzuhalten sei aber, dass etliche Mitglieder der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) zwar Intellektuelle gewesen seien, aber nicht der ´68er-Bewegung angehörten. Kraushaar betonte, dass die RAF in sich ideologisch sehr heterogen gewesen sei: Einige Mitglieder strebten nach dem Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft, andere hingen dem Anarchismus an. Triebkraft für die Proteste der späten 1960er Jahre bzw. den Terrorismus der 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland, sei die mangelnde Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit gewesen, insbesondere auch in der Politik, so Kraushaar.

Und wie geht es weiter?

Am 16. April 2012 findet die dritte Vorlesung unser 1970er-Reihe statt. Das Thema wird lauten: „Die Verteidigung der Demokratie – Deutschland und Italien vor dem Hintergrund des Terrorismus“. Näheres In-formationen zur Veranstaltung auf unserer Homepage: www.kas.de/italien

Ansprechpartner

Caroline Kanter

Caroline Kanter bild

Leiterin des Auslandsbüros Frankreich

Caroline.Kanter@kas.de + 33 1 5669150-0