Veranstaltungsberichte

Herausforderung: Sozial verantwortliches Investment und Corporate Social Responsibility

Auf der Suche nach Fördermöglichkeiten für das Parlament

Durch das Wirtschaftswunder in den 1970er Jahren ist die Republik Koreas mittlerweile eines der erfolgreichsten Exportländer weltweit. Gleichwohl sind jedoch die in anderen Industrieschwerpunkten der Welt wie den USA oder der EU bereits seit Langem bestehenden Regulierungen in Sozial- und Umweltfragen des Produktionsprozesses in Korea noch nicht verwirklicht.

Am 10. April 2014 kamen in Seoul 150 Vertreter aus Wissenschaft, Unternehmen und Verbänden zusammen, um sich über den Stand von „Corporate Social Responsibility“ (CSR) und „Socially Responsibility Investment“ (SRI) in Korea sowie in der Europäischen Union, im Speziellen Deutschland, zu informieren. Zum bereits sechsten Mal organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Zusammenarbeit mit dem Koreanischen Forum für nachhaltiges Investieren (KoSIF) einen Workshop zu diesem Thema.

Der Leiter des KAS-Auslandsbüros Korea, Dr. Norbert Eschborn, sowie der Präsident von KoSIF, Professor Young-Ho Kim, betonten in ihren Eröffnungsreden die Funktion der Maßnahme, die wissenschaftliche Forschung zum Thema mit politischen Entscheidungsträgern zusammenzuführen. Kim brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dieser Workshop ein weiterer Schritt hin zu einer Verbindung des koreanischen Strebens nach Rechtschaffenheit mit dem Streben nach Wirtschaftswachstum sei. Dies sei seiner Meinung nach durch CSR möglich und müsse in der Gesellschaft als Konsens aufgefasst werden.

Dr. Eschborn schilderte den Verhaltenswandel bei Konsumenten weltweit. Der Trend sei nun, nicht mehr alles um jeden Preis zu kaufen, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung eines Produktes zu achten. Die früher stark verbreitete Meinung, CSR sei reine Philanthropie, sei heute nicht mehr dominant. Sowohl Herstellern als auch Verbrauchern werde die Nachhaltigkeit von Produktionsweisen immer wichtiger.

Europäische und deutsche Erfahrungen

Erster Referent war der Vertreter des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Dr. Torsten Christen. Durch seine umfangreichen beruflichen Erfahrungen auch auf europäischer Ebene war er in der Lage, die gesamten Entwicklungen zu den Themen CSR und SRI auf europäischer und deutscher Seite vergleichend zu erläutern.

In Deutschland beruhe CSR auf Initiativen einzelner Firmen. Diese Initiativen entsprängen der langen Tradition der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Mit Blick auf das hohe Regulierungsniveau in Umwelt- und Sozialfragen sei von der Bundesregierung eine gesetzliche Richtlinie zur weitgehenden gesetzlichen Regelung von CSR-Pflichten für Unternehmen zunächst abgelehnt worden, da Eigeninitiative in Deutschland große Erfolge erziele. Da EU-Mitgliedsstaaten wie Dänemark, Frankreich oder Spanien aber für eine verbindliche Richtlinie gewesen seien, werde noch in diesem Frühjahr die verpflichtende Praxis von CSR EU-weit eingeführt. Hiermit habe sich die Bundesregierung mittlerweile arrangiert.

Ein CSR-Forum bestehend aus Wirtschaftsexperten und Stakeholdern, habe der Bundesregierung einen Aktionsplan vorgelegt, welchen sie 1:1 übernommen habe. Der Entwurf der Richtlinie beziehe sich auf die Veröffentlichung und Vergleichbarkeit von Informationen für Verbraucher. Unternehmen von öffentlichem Interesse und mit mehr als 500 Mitarbeiten müssen nach der EU-Richtlinie einen Nachhaltigkeitsbericht abgeben, der festgelegten Normen entspricht. Dieser Schritt resultierte aus dem Druck von Medien und Politikern, die immer öfter nach den Auslandsstandards im CSR fragen. International gebe es zwar UN-CSR-Leitprinzipien, diese seien aber eben nicht verbindlich. Daher wolle die EU-Kommission aus diesen vorliegenden „soft laws“ Leitfäden für nationale Aktionspläne erstellen.

Korea: Handlungsbedarf erzeugen

Die Darstellung seines Gesetzesentwurfs zur CSR stand im Zentrum der Präsentation des Abgeordnete Mok-Hee Rhee von der linksliberalen Oppostionspartei. Er erklärte, dass durch die jüngeren Generationen in Korea nun die „Phase der Willkür“ beendet sei und Unternehmen mehr an soziale Aspekte denken müssten. Nicht der finanzielle Erfolg, sondern Standards in Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung (Environment Social Governance) seien nun wichtig. Weltweit seien CSR-Politiken bereits zum Mainstream geworden, aber schlechte Beispiele von Firmen, in denen die Aktienpreise durch fehlende bzw. falsche Anwendung von CSR fielen, hätten zu unterschiedlichen Meinungen über notwendige Reformen geführt.

Seinem Plan folgend, sollten nun die Ministerium für Umwelt und Soziales Praktiken für CSR ausarbeiten und Unternehmen zwingen, mögliche Nichterfüllung der ESG-Standards zu rechtfertigen, wenn sie mögliche Investitionsgelder des den National Pension Service erhalten wollen. Auch sollen diese Standards in sämtlichen Regierungsinstitutionen verbindlich eingeführt werden. Diese Standards sollten als Basis für SRI und wirtschaftliche Demokratisierung dienen und gleichzeitig mehr Transparenz schaffen. Er versprach, diese Gesetzesvorlage spätestens nach den Kommunalwahlen im Juni durchsetzen zu wollen.

Die ebenfalls der Opposition angehörende Abgeordnete Un-Ju Lee verfolgt einen Ansatz, wonach ein Gesetz zur CSR nötig sei, um auch Familien und damit die Gesellschaft zu einem bewussten Konsum zu bewegen. Fairer Handel solle den Konsumenten durch Kampagnen nähergebracht werden. Auch betonte sie, dass nicht nur das Image der Firma durch CSR verbessert werde, sondern nach empirischer Forschung auch den Umsatz steigern würde. Koreanische Firmen sollten weltweit durch finanzielle Unterstützung - und von Gesetzen und Vorschriften geleitet - gemeinnützige Komponenten in ihre Grundsätze einflechten. Hierzu gehöre die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit genauso sehr wie die Vielfältigkeit der Arbeitnehmer, indem Frauen und weitere Minderheiten nicht nur in den Chefetagen stärker mit einbezogen werden sollten.

Um dies zu erreichen seien freiwillige Berichte, die dem Ansehen der Firma entgegen kämen und Investoren Anreize bieten würden, der beste Weg. Gesetzeslücken, wie die Gründung von Tochtergesellschaften zur Vertuschung von CSR missachtenden Praktiken, müssten geschlossen werden. Eine feste Regulierung sah sie im Gegensatz zu ihrem Vorredner nicht als nötig an, da der gesellschaftliche Ruf einer Firma, von dem die Einkommen der Firma stark abhängen, von diesen Berichten abhängig sein würde. Durch ihre Gesetzesvorlage will sie die Anzahl von Berichten koreanischer Firmen, von momentan um die 100, weiter steigen lassen. Wie ihr Vorredner hoffte sie, ihre Gesetzesvorlage, wenn nicht in diesem Monat, spätestens im Juni verabschieden zu können.

Der Vorschlag wurde im Anschluss von dem der konservativen Saenuri-Partei angehörenden Abgeordneten Il-Pyo Hong durch konkrete Zahlen und Tabellen ergänzt. CSR solle durch Innovation der Demokratisierung und Beschäftigung helfen. Das Prinzip, das er konkret nannte, war das Socially Responsible Public Procurement (SRPP), das durch Referenzen anderer Länder, besonders der EU, Aktionspläne für einzelne Firmen entwickeln soll. Besondere Betonung lag bei ihm auf sozialen Werten und dem Umweltschutz sowie der Integration von und Frauen und Schwerbehinderten, einer Ausschlussklausel für korrupte Firmen sowie einer freiwillige Veröffentlichung der Sozial- und Umweltstandards einzelner Firmen.

Verantwortung vs. Profitabilität

In der anschließenden Podiumsdiskussion bemängelte der Vertreter des Finanzsektors, Hong-Sun Song, dass in Korea CSR noch nicht so weit sei, wie es wünschenswert sei. Die Umsetzung des Prinzips durch die Bereitstellung relevanter Informationen besäße höchste Dringlichkeit. Dafür sei es nötig, die anfallenden Kosten für Firmen so rational wie möglich zu minimieren. Um Stakeholder zu überzeugen, sollten die Firmen ihre Transparenz erhöhen und entscheidende Unternehmensdaten offenlegen, denn auf dem Kapitalmarkt sei die Bewertung dieser Werte das Wesentliche. Langfristig gesehen werde sich CSR für die koreanische Wirtschaft seiner Meinung nach positiv auswirken. Um all dies zu erreichen, sei eine verbindliche Gesetzesvorlage nötig, um die Infrastruktur der Informationen zu bestimmen und optimieren zu können. Momentan sei die Lage in Korea schwierig zu beurteilen, da die erstellten Wirtschaftsoffenlegungsberichte lediglich die positiven Aspekte der Unternehmenstätigkeit beleuchteten. Das öffentliche Beschaffungswesen sei das richtige Instrument, um kleine und mittelständische Unternehmen zur langfristig zur Anwendung von CSR und SRI zu bewegen. Dies sei momentan durch den wenig geöffneten Markt und die niedrigen Investitionen von Anlegern noch nahezu unmöglich.

Der Geschäftsführer des Business Institute for Sustainable Development, Gwang-Lim Choi, erläuterte im Anschluss, auch er bemerke den Trend, dass Gesellschaft und Industrie im Hinblick auf CSR zusammenwüchsen. Er sei überzeugt, dass die Richtlinien der EU direkten Einfluss auf Korea ausüben würden, da die koreanische Wirtschaft auf Export ausgerichtet ist und so die verpflichtenden Berichte für die EU anfertigen werden müsse. Es sei aber in Korea dennoch nötig, den weltweiten Trend hin zu SRI politisch zu unterstützen. Noch sei Profitabilität für die Konsumenten am Wichtigsten. Daher sei es wichtig zu beweisen, dass CSR profitabler als herkömmliche Methoden sei. Vor der Einführung eines verpflichtenden Gesetzes sei es nötig, einen gesellschaftlichen Konsens zu diesem Thema herbeizuführen. Dies sei durch finanzielle und weitere politische Anreize für Unternehmen möglich. Einerseits seien Basisstudien und Pilotprojekte durchzuführen, andererseits müsse man aber aufpassen, dass man nicht nur oberflächlich an die Fragestellungen herantrete. Da eine nachträgliche Fehlerbehebung für ihn ausgeschlossen ist, sei es unabdingbar, mögliche Fehler präventiv durch Studien und Expertendiskussionen auszumerzen.

Deutsche und europäische Wege als Orientierung für Korea

Sang-Soo Lee von der Sogang Universität zeigte sich von den Aktionsplänen der EU begeistert und forderte die koreanischen Abgeordneten auf, den Weg der EU als Vorlage zu nehmen. Die Idee aus Deutschland, einen von Stakeholdern erarbeiteten Plan für Firmen auszuführen, sei auch für Korea gut. Durch die Globalisierung sei sicher, dass die internationale gegenseitige Abhängigkeit zu einem Wachstum des CSR-Trends führen und dass die Gesetzesvorschläge für Korea sich weiter entwickeln würden, bis sie reif zur Umsetzung seien.

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion bekam der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation „Center for Good Corporations“, Joo-il Kim, das Wort. Er erklärte, dass für ihn Nachhaltigkeit das höchste Ziel sei. Die Freiwilligkeit für Unternehmen in Korea in Bezug auf CSR habe bis jetzt noch nicht effektiv etwas verändert. Daher seien nun Gesetze notwendig. Es sei aber wichtig, dass nicht einzelne Gesetze erlassen würden, sondern ein umfassender Plan, der mithilfe von ESG-Gesichtspunkten die Problematik konkret bearbeite. Die Berichterstattung müsse insoweit festgelegt werden, dass auch die Subunternehmen und Zulieferer mit eingebunden seien. Um die Effizienz zu steigern, sei es wichtig, eine für CSR zuständige Institution festzulegen.

In der anschließenden Fragerunde erklärte Dr. Christen auf Nachfrage, dass die EU für sämtliche Firmen, unabhängig von ihrer Größe, CSR-Maßnahmen vorschreiben wolle. Die Grenze von 500 Mitarbeitern sei lediglich für die Nachhaltigkeitsberichterstattung relevant, und selbst diese Grenze sei vom EU-Parlament als zu hoch angesehen worden. Auch erklärte er, dass auf der EU, im Gegensatz zu den Vereinten Nationen, mehr Druck von Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Ministerien und Unternehmen laste, welcher sie angtrieben habe, eine gesetzlich verbindliche Regelung anzustreben.

Koreanische Vertreter drückten erneut ihre Überzeugung aus, dass die wachsende Anerkennung von CSR in der Bevölkerung sowie der Industrie und Politik zu einer Verdopplung der zur Verfügung gestellten Geldmittel führen werde.

Das große Interesse Koreas an CSR, vor allem auch an der europäischen und deutschen Herangehensweise, wurde bei dieser Veranstaltung sehr deutlich. Ebenso deutlich wurde allerdings, wie viel Aufholbedarf in Korea noch besteht. Die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik muss auch weiterhin gestärkt werden.

Kontakt

Stefan Samse

Stefan Samse bild

Leiter des Rechtsstaatsprogramms Asien

stefan.samse@kas.de +65 6603 6171