Gatis Dieziņš / Latvijas armija / flickr / CC BY-NC-ND 2.0

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DEFENDER-Europe 20 – Sicherheit nur mit den USA erreichbar

von Elisabeth Bauer
Das Manöver „DEFENDER-Europe 20", das zur Zeit bis Juli 2020 in Europa und hier insbesondere auch in und mit Deutschland stattfindet, wird in den verschiedenen beteiligten Ländern sehr unterschiedlich interpretiert. Generell ist festzuhalten, dass es ein wichtiger Baustein in der Sicherheitsarchitektur an der Grenze der NATO zu Russland ist. Die psychologische Wirkung für die Bündnisstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland besteht darin, dass ihre Sicherheitsargumentationen Gehör finden. Das Manöver dient somit der Selbstvergewisserung der Handlungsfähigkeit und der Geschlossenheit des Bündnisses. Was heißt das konkret?
An der Übung nehmen rund 37000 Soldaten aus 18 Ländern teil, darunter 20000 aus den USA, die im Rahmen des Manövers nach Europa verlegt werden. Deutschland kommt auf Grund seiner Lage wie auch der gewachsenen Infrastruktur als „Drehscheibe“ für das Manöver besondere Bedeutung zu. Über Deutschland werden Mensch und Material aus den USA in die Regionen an der Ostgrenze der NATO gebracht. Deutschland hat aus der Zeit des Kalten Krieges, in der die NATO und insbesondere die USA Garant für die Freiheit der alten Bundesrepublik war, alle entsprechenden Anlagen und logistischen Voraussetzungen. Daher ist die Funktions- und Leistungsfähigkeit Deutschlands in Zentraleuropa entscheidend für die Wirksamkeit und Abschreckung der Bündnisverteidigung für ganz Europa.

Hintergrund dieses Manövers ist das durch die völkerrechtswidrigen Handlungen Russlands auf der Krim und im Osten der Ukraine veränderte Sicherheitsempfinden, insbesondere  in Polen, Litauen, Lettland und Estland. Seit 2017 sind in den Ländern im Rahmen der Enhanced Forward Presence rotierende NATO-Battlegroups stationiert. Deutschland hat in Litauen die Leitung dieser Battlegroup übernommen, Kanada in Lettland, Großbritannien in Estland und die USA in Polen. Unabhängig davon ist die Sicherheitspolitik in den Baltischen Staaten immer mit Blick auf die USA gerichtet. Sicherheit kann nur mit den Vereinigten Staaten erreicht werden. Daher wird das Manöver hier sehr positiv begleitet. Litauens Verteidigungsminister Raimundas Karoblis lobt die Übung als Zeichen der starken Unterstützung der USA und einer Stärkung des Bündnisses. Insbesondere begrüßt er die Stationierung von Übungstruppen in den baltischen Staaten und Polen, die durch die Lage besonders gefährdet seien. Ähnliche Äußerungen finden sich in Lettland und Estland.

Im Rahmen des Manövers kommt der sogenannten Suwalki-Lücke besondere Bedeutung zu. Suwalki ist die Region im polnisch-litauischen Grenzgebiet, über die alle Verlegungen und der Nachschub der NATO laufen müssen, eine Region zwischen Weißrussland und der russischen Enklave Kaliningrad. In Litauen werden die im Rahmen von „DEFENDER-Europe 20“ stattfindenden militärischen Ausbildungsmaßnahmen durchweg begrüßt. Auf einer Fläche von bis zu 21000 Hektar werden rund 3000 Militärangehörige Litauens und weiterer Verbündeter beteiligt sein. Von litauischer Seite wird daher auch der Ausbildungscharakter und das gemeinsame Lernen betont. Diese Einschätzung wird in Lettland und Estland geteilt.

Fazit: Vor dem Hintergrund der Situation in der Region ist das Manöver notwendig und dient dem Zusammenhalt und der weiteren Vertrauensbildung innerhalb der NATO.

Hinweis: Dieser Gastbeitrag ist am 6. März 2020 in der Fuldaer Zeitung erschienen.
Ansprechpartner

Elisabeth Bauer

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Leiterin des Auslandsbüros für die Baltischen Staaten

Elisabeth.Bauer@kas.de +371 67 331-266 +371 67 331-007
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