Kann man linksextremistischen Medien trauen?

Linksextremisten wollen die Welt retten und von der „Richtigkeit“ ihrer Ideen möglichst viele Menschen überzeugen. Sie verbreiten sie deshalb auch mit eigenen Medien so umfangreich wie möglich. Früher waren das Tonnen von Flugblättern und Plakaten, ferner eigene Zeitungen und Zeitschriften. Heute ist manches von dem bedruckten Papier durch Seiten im Internet ersetzt worden. Kann man ihren Informationen trauen?

Die Frage ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Linksextremistische Medien haben nicht die Aufgabe, über Sachverhalte so objektiv wie möglich zu informieren. Sie sollen die Weltsicht ihrer Organisationen verbreiten und den eigenen Anhängern Hinweise für politisch erwünschtes Verhalten vermitteln. In der Parteisprache nannte man diese Aufgabe „Agitation“, ohne dass man den heute zu Recht üblen Beigeschmack mit diesem Wort verbunden hätte (siehe auch Der offen sichtbare Linksextremismus: Linksextreme Agitation und Parolen im Stadtbild). Verräterisch war auch die Bezeichnung der früheren Tageszeitungen kommunistischer Parteien als „Zentralorgane“: Sie enthielten „zentrale“ Wahrheiten, andere Meinungen waren in ihnen nicht erwünscht.

So streng wie beschrieben „agitiert“ wird heute nur noch bei sehr dogmatischen Gruppen. Andere haben zumindest anderen linken und linksextremen Stimmen ihre Zeilen zur Diskussion geöffnet. Dennoch findet man in linksextremen Medien eine Menge Manipulationstechniken, damit nach wie vor das Prinzip „parteiischer und parteilicher“ Berichterstattung gewahrt bleibt (siehe auch Für eine bessere Welt? Linksextremistische Argumentationsmuster): Unerwünschte Themen oder Fakten werden weggelassen, die Positionen und Beweggründe politischer Konkurrenten demagogisch verkürzt, durch Negativberichterstattung und Polemik werden „Feinde“ als solche markiert.

Das spricht nicht dagegen, solche Produkte zu lesen, vor allem, wenn man sich über die Absichten linksextremistischer Gruppen informieren will. Man sollte es aber sehr kritisch prüfen und im Hinterkopf behalten, was Henryk Broder vor 30 Jahren der Tageszeitung der DKP zuschrieb: „Sie druckt so schnell sie lügen kann.“

Rudolf van Hüllen