Symbole des Linksextremismus

Symbole sind Zeichen, deren Verwendung die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sache unterstreicht. Alle politischen Richtungen kennen so etwas, aber besonders wichtig sind sie für revolutionäre Gruppen, die sich als verschworene „Kampfgemeinschaft“ von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen. Sie dienen solchen Gruppen gleichermaßen als Feldzeichen und Kampfsymbole. Für die Mitglieder sind sie nicht nur Bestandteil revolutionärer Tradition, sondern werden manchmal, wie z.B. alte Parteifahnen, geradezu wie Heiligtümer in Ehren gehalten.

Mit linksextremen revolutionären Bewegungen sind vor allem zwei Farben verbunden: Rot und Schwarz.

Rot ist selbst in der Natur eine Signal- und Alarmfarbe; und schon seit dem Mittelalter, besonders seit der Französischen Revolution, steht es für revolutionäre, linke Bewegungen. So wurde es ganz allgemein zur Parteifarbe der Arbeiterbewegung, und die sozialdemokratischen Parteien haben es in diesem Kontext bis heute behalten, obgleich sie nicht mehr revolutionär eingestellt sind – es ist hier zur Tradition geworden.

Unter Linksextremisten ist Rot vor allem die Farbe der Kommunisten (siehe auch Was ist Kommunismus?): Die Staatsflagge der Sowjetunion war rot mit Hammer und Sichel in einer Ecke. Auch die heutigen kommunistischen und postkommunistischen Parteien in Deutschland bevorzugen Rot als Parteifarbe.

Psychologisch verbinden sich mit Rot Optimismus, Aufbruch und Zukunftsgewissheit. Für die Kommunisten stand Rot nicht nur als Symbol für den Kampf, sondern auch ganz bildhaft für das „Morgenrot des Sozialismus“.

Komplizierter ist es mit der politischen Verwendung der Farbe Schwarz. Kulturhistorisch symbolisiert Schwarz vor allem Trauer, oft auch den (Schwarzen) Tod. Politisch wurde es von rechtsgerichteten Bewegungen wie der (z.T. terroristischen) Landvolkbewegung in Norddeutschland zwischen den Weltkriegen, dem italienischen Faschismus (Mussolinis „Schwarzhemden“) oder der SS mit ihren Uniformen im Dritten Reich verwendet. Zugleich war und ist es bis heute auch die Farbe der Anarchisten (siehe auch Was heißt Anarchismus?): Die oft einheitlich schwarze Kleidung der Autonomen, ihr „Schwarzer Block“ bei Demonstrationen unterstreichen das. Und auch die rechtsextremen „Autonomen Nationalisten“ können sich gut mit einem schwarzen Dresscode anfreunden (siehe auch „Autonome Nationalisten“).

Schwarz symbolisiert im politischen Spektrum einerseits die Bereitschaft zu ungezügelter, von Wut bestimmter Gewalt, andererseits aber gerade keinen Optimismus. Schwarz steht auch für Resignation und ausweglose Konfrontation, für Selbstausgrenzung. Nicht zufällig ist Schwarz nicht nur die Farbe der Anarchisten und der traditionellen Faschisten, sondern auch bestimmter destruktiver Jugendkulturen und der Satanisten.

Einen Sonderfall in der revolutionären Farbenlehre stellt die Kombination beider Farben dar: Die Anarcho-Syndikalisten – sie setzten auf den gewaltsamen Kampf der Arbeiter in den Gewerkschaften ohne Hilfe durch eine revolutionäre Partei – bevorzugen diagonal in Schwarz und Rot gehaltene Symbole.

Unter den bevorzugten Formsymbolen des Linksextremismus ragt der fünfzackige Stern heraus. Er findet sich allerdings auch in Staats- und Regierungsemblemen vieler nichtkommunistischer Staaten, ist also in seiner Aussage eher dann eindeutig, wenn er in Rot oder Schwarz auftritt. Der rote Stern als zentrales Symbol des sowjetischen Kommunismus zierte nicht nur den Kremlturm in Moskau, sondern auch die Uniformmützen von Millionen sowjetischer Soldaten. Wie man bisweilen lesen kann, ist eine schwarze Variante als Symbol der Anarchismus älter, sie reicht sogar bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Der rote Stern wird oft mit weiteren Symbolen kombiniert, die für eine bestimmte Richtung des Marxismus-Leninismus stehen.

Die Wappenkunde des Kommunismus hat hier verschiedene Variationen hervorgebracht, von denen Hammer und Sichel die ursprünglichste darstellt. Im Staatswappen der Sowjetunion symbolisierte sie das angebliche Bündnis der (Industrie-)Arbeiter und der Bauern als tragender Klasse im Sowjetkommunismus. Dazu gab es eine Reihe von Spezialversionen: Die Staatssicherheitsdienste zeigten den roten Stern mit Hammer und Sichel vor dem Hintergrund eines mittelalterlichen Schildes und eines nach unten stoßenden Schwertes. Dies symbolisierte das Selbstverständnis beispielsweise des sowjetischen KGB und des ostdeutschen Ministeriums für Staatssicherheit als „Schild und Schwert der Partei“. Die DDR führte statt Hammer und Sichel Hammer, Zirkel und Ährenkranz im Staatswappen. Die Erweiterung von Hammer und Ährenkranz (für die Arbeiter-und-Bauern-Klasse) durch den Zirkel stand für das angebliche Bündnis mit der technischen Intelligenz.

Konkurrierende marxistisch-leninistische Strömungen variierten Hammer und Sichel: Die Maoisten kreuzten die Sichel mit einem Karabiner und unterstrichen dadurch ihr Konzept vom sogenannten „langandauernden Volkskrieg“ zur „Befreiung“ der Dritten Welt. Die terroristische Rote-Armee-Fraktion in Deutschland zeigte – ebenfalls Symbol für den bewaffneten Kampf – eine MP-5-Maschinenpistole vor dem fünfzackigen Stern.

Die frühzeitig vom Hauptstrang des Marxismus-Leninismus ausgestoßene trotzkistische Bewegung, ihrerseits zerspalten in zahllose internationale Dachverbände, hat die meisten klassischen Marxismus-Leninismus-Symbole übernommen. Hinzu tritt als Chiffre für ihre 1938 gegründete eigene Internationale, die „4. Internationale“, eine in römischen oder arabischen Ziffern stilisierte Vier.

Ergänzend zu dieser Symbolik wurden von den 1930er bis zu den 1960er Jahren, als der Personenkult im realen Sozialismus und im Maoismus stark ausgeprägt war, die Köpfe der führenden Theoretiker des Marxismus-Leninismus bei jedem nur denkbaren Anlass gezeigt. Karl Marx und Friedrich Engels sowie W. I. Lenin (siehe auch Falsche Vorbilder: Wladimir Iljitsch Lenin) hielten sich bis Mitte/Ende der 1980er Jahre. Die Allgegenwart des Antlitzes von Stalin verschwand im Zuge der „Entstalinisierung“ der späten 1950er Jahre. Mao Tse-tung hält sich in der kapitalistisch modernisierten Volksrepublik China bis heute (siehe auch Falsche Vorbilder: Mao Tse-tung). In den 1970er Jahren gab es eine merkwürdige Renaissance dieser „Köpfe“ im Westen, als die studentischen sogenannten „K-Gruppen“ ihre Idole nebeneinander aufreihten. Die Ahnengalerie ging oft bis zu Stalin, manchmal war – je nach Ausrichtung – noch der heute weitgehend unbekannte albanische Parteiführer Enver Hodscha mit dabei. Die DKP beließ es – bis heute – beim Schmuck ihrer Parteifahnen durch die stilisierten Köpfe von Lenin und bisweilen Ernst Thälmann.

Die Liste der Rituale und der von der Mehrheitsgesellschaft abweichenden Verhaltensmuster der Kommunisten ist lang. Fast noch zur Symbolik gehört allerdings die geballte Faust – Ausdruck von Kampf- und Gewaltbereitschaft. Sie dominiert als Geste auf kommunistischen Demonstrationen, vor allem aber am Schluss von Parteitagen und sonstigen Massenversammlungen beim gemeinsamen Absingen der „Internationale“. Deutsche Kommunisten hatten die Geste in den 1930er Jahren eingeführt – als Gegenstück zum erhobenen rechten Arm der nationalsozialistischen Konkurrenz. KPD-Führer Ernst Thälmann wird die Deutung zugeschrieben, fünf Finger könne man schließlich brechen, eine Faust aber nicht.

Die Symbolik der Anarchisten ist weniger einprägsam, dafür aber vielfältiger. Im Mittelpunkt steht zweifellos das umkreiste schwarze A. Es steht allgemein für Anarchie (der Begriff beginnt in allen westlichen Weltsprachen mit A), wird aber auch von ideologisch verwandten, nicht primär politisch motivierten Jugendkulturen wie den Punks verwandt und steht in diesem Zusammenhang im weitesten Sinne für die Ablehnung der bestehenden Ordnung schlechthin. Es gibt daher auch die Deutung, das Symbol stehe für Alpha und Omega, also im griechischen Alphabet Anfang und Ende: Der Neubeginn kann nur durch Zerschlagung des Bestehenden gelingen. Das umkreiste A tauchte zuerst bei den Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg auf; die scheinen es wiederum aus ähnlichen Symbolen der Freimaurer entwickelt zu haben.

Etwas aus der Mode gekommen ist das ebenfalls umkreiste N (von ndl. „neemt“, besetzt) mit Pfeil in der auslaufenden Spitze des Buchstabens. Es war in Deutschland als Emblem der Hausbesetzerbewegung von den niederländischen Krakers (von ndl. „kraak“, Krach, Einbruch, also Hausbesetzung) übernommen worden und findet besonders in solchen Kontexten Verwendung.

Stark präsent hingegen ist das Symbol der „Antifaschistischen Aktion“: zwei nebeneinander wehende schwarze und rote Fahnen mit runder Umrandung. Es wird heute ausschließlich von gewaltbereiten autonomen Antifa-Gruppen verwendet, ist von diesen jedoch nicht erfunden worden: Sie haben es von der gleichnamigen „Antifaschistischen Aktion“ der stalinistischen KPD aus den 1930er Jahren übernommen – die doppelte Farbensymbolik stand seinerzeit für den Anspruch, alle Strömungen des Linksextremismus gegen die Nationalsozialisten zusammenzuführen (1). Damals bekämpfte die KPD mit Gewaltmitteln allerdings nicht in erster Linie die Nationalsozialisten, sondern die republiktreuen Wehrverbände wie z.B. das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Der Thälmann-KPD galten die Sozialdemokraten als Stütze des „kapitalistischen Systems“ und deshalb als im Grunde gefährlicher denn die Nationalsozialisten – eine Sichtweise, die sich mit den Vorstellungen heutiger Autonomer deckt. Die rechtsextremen „Autonomen Nationalisten“ haben das Symbol plagiiert: Wo beim Original im unteren Teil der Umkreisung „Antifaschistische Aktion“ stand, findet man bei ihnen die Aufschrift „Nationale Sozialisten“.

Rudolf van Hüllen

(1) Nur ein Detail verrät die neue Version: Bei den Autonomen wehen die Fahnen nicht wie beim Original nach rechts, sondern nach links.