Themenbezogene Zeitschriften

Nicht alle linksextremistischen Gruppen haben sich gleich die Revolution als Nahziel gesetzt (siehe auch Welche Fernziele verfolgen Linksextremisten?). Manche begnügen sich mit einer Tätigkeit in bestimmten Kampagnen- und Politikfeldern. Die wichtigsten und verbreitetsten beziehen sich auf den „Antifaschismus“ (siehe auch War die DDR ein „antifaschistischer“ Staat? und Was bedeutet verordneter Antifaschismus?).

„antifa - Magazin der VVN-BdA für antifaschistische Politik und Kultur“ ist das zweimonatlich erscheinende Organ der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.“ (VVN-BdA). Es ist wenig attraktiv für Jüngere, weil sich seine Trägerorganisation vor allem aus alten stalinistischen Widerstandskämpfern, kommunistischen Funktionären und deren Mitläufern aus Ost und West zusammensetzt, die geistig im „verordneten Antifaschismus“ der DDR stehen geblieben sind.

Ebenfalls aus dem traditionellen Linksextremismus inspiriert ist „der rechte rand. magazin von und für antifaschistInnen“. Er hat das zweifelhafte Verdienst, den linksextremistischen „Fahndungsantifaschismus“, bei dem tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten mit Steckbrieffotos angeprangert werden (1), noch vor der autonomen Antifa-Szene eingeführt zu haben. Eines der Hauptziele dieser beiden Zeitschriften scheint darin zu liegen, eine Symbiose der Mehrheitsgesellschaft mit dem Rechtsextremismus in stets neuen Variationen zu behaupten.

Eine Art „Resterampe“ der verflossenen K-Gruppen-Publizistik stellen die „antifaschistischen nachrichten“ (Köln) aus dem Verlagsgeflecht des in der Partei Die Linke aufgegangenen Bundes Westdeutscher Kommunisten dar. Politisch liegen sie auf der Linie der von der Partei betriebenen Antifa-Arbeit. Es werden hauptsächlich Aktivitäten der rechtsextremistischen Szene und ihrer Gegner dokumentiert. Das Reflexionsniveau des seit mehr als 30 Jahren bestehenden Blattes ist bescheiden.

Die Mehrzahl linksextremistischer Antifa-Zeitschriften wie das „Antifaschistische Infoblatt“ stammt allerdings aus der autonomen Szene (siehe auch Die Welt der Autonomen). Führend bei der Mobilisierung und Koordinierung sind allerdings auch hier inzwischen Internetportale, die zumeist von regional verankerten autonomen Initiativen ausgehen (siehe auch Informationen im Internet richtig deuten). Sieht man einmal von einem generell durchscheinenden Blickwinkel ab, der mit dem Rechtsextremismus zugleich die Demokratie beseitigen will, so findet man bei der Behandlung rechtsextremistischer Phänomene häufig ein beachtliches analytisches Niveau; auch nicht extremistische Autoren sind sich nicht zu schade, hier zu schreiben. Das gilt für das „Antifaschistische Infoblatt“ (Berlin) ebenso wie z.B. für „Lotta“ (ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, heute auch mit Verbreitung in Hessen und Rheinland-Pfalz).

Internetseiten und Blätter aus dem autonomen Spektrum sind allerdings unausgesprochen auch Tippgeber für gewaltsame „antifaschistische Selbsthilfe“ gegen Rechtsextremisten. Sie verfügen oft über qualifizierte Spezialisten und verbreiten durchaus kompetente Einschätzungen über Entwicklungen, organisatorische und personelle Verflechtungen in der rechtsextremen Szene. Dabei haben sie den „Vorteil“, dass sie sich nicht an rechtsstaatliche Standards oder Datenschutzüberlegungen gebunden fühlen; die meisten lassen erkennen, dass sie Rechtsextremisten ohnehin die Menschenwürde absprechen.

Da militanter Linksextremismus gegen Strafgesetze verstößt und dies für die Akteure hin und wieder Folgen nach sich zieht, hat die Szene auch Anlass, sich in entsprechenden Publikationen mit dem Selbstschutz gegen den Rechtsstaat zu befassen (siehe auch Wie stehen Linksextremisten zu Gewalt als Mittel der Politik?). In den Genuss einer entsprechenden Solidaritätsarbeit gelangen auch linke Terroristen, von der Szene vornehm als „politische Gefangene“ bezeichnet (siehe auch Führt Linksextremismus zu Terrorismus?).

Das heutige „gefangenen-info“ erscheint achtmal jährlich in Hamburg und bemüht sich um die Solidaritätsarbeit für Linksterroristen weltweit. Es wurde 1988 aus Anlass eines Hungerstreiks inhaftierter Angehöriger der Roten Armee Fraktion (RAF) gegründet. Auch seine Initiatoren stammen aus dem Bund Westdeutscher Kommunisten. „gefangenen-info“ hatte mit der langjährigen aus diesem Spektrum stammenden Landessprecherin der Partei Die Linke in Hamburg, Christiane Schneider, eine in Fragen der Lobbyarbeit für inhaftierte Terroristen sehr routinierte Betreuerin.

Im Aktionsfeld „Antirepression“ (siehe auch Zentrale Aktionsfelder von Linksextremisten) siedelt auch das vierteljährlich mit einer Auflage von 7.500 Exemplaren erscheinende Blatt „Die Rote Hilfe“, auch als „Rote Hilfe Zeitung“ bezeichnet. Ihr Träger, die Hafthilfeorganisation „Rote Hilfe“, ist eine Art Rechtsschutzversicherung für linksextreme Gewalttäter. Dabei versteht sie sich nicht bloß als karitative Organisation: „Wir wollen das, wofür jemand verfolgt wird, soweit es uns möglich ist, auch in der Öffentlichkeit vertreten.“ schreibt sie auf ihrer Homepage, was wohl heißen soll: Wir treten für die Förderung und Propagierung politischer Kriminalität (selbstverständlich nur von links) ein.

Rudolf van Hüllen

(1) Vgl. Tom Mannewitz, „Nazi-Outing“. Ziele, Funktionen und Probleme, online hier bei der Bundeszentrale für politische Bildung verfügbar.