Was meinen Linksextremisten mit dem Vorwurf „islamophob“?

„Islamophobie“ ist ein derzeit besonders beliebtes Etikett im politischen Schlagabtausch. Auch von Linksextremisten wird es gerne zur Diffamierung politischer Gegner benutzt. Was bezwecken sie damit?

Der Begriff „Islamophobie“ signalisiert ein angstgesteuertes, verhaltensauffälliges Verhalten, das sich gegen eine an sich harmlose Sache richte. Der Begriff transportiert also die Unterstellung, dass sich jemand gegenüber einer der großen Weltreligionen „krankhaft“ anormal verhält.

Forscher haben herausgefunden, dass der Begriff von muslimischen Autoren und Verbänden vor allem seit den Anschlägen des 11. September 2001 benutzt wurde, um den offensichtlichen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Auslegung des Islam und dem islamistischen Terrorismus als Wahnidee und gezielte Diskriminierung von Muslimen zu diskreditieren.

Der Begriff „Islamophobie“ ist geschickt gewählt: Er kann, unterstellt man rassistische Absichten des „Islamophoben“, eine pauschale Diskriminierung von Muslimen insgesamt meinen. „Muslimenfeindlichkeit“ wäre in der Tat abzulehnen: Eher ist es so, dass Muslime weltweit gerade die größte Ziel- und Opfergruppe des islamistischen Terrorismus bilden und nur ein ganz kleiner Teil von Muslimen Terroristen sind.

Andererseits sind die islamistischen Terroristen durchweg Muslime. „Angst“ vor einem Islamismus, verstanden als ein politisches System, das „Ungläubige“ gnadenlos verfolgt und weltweit durch einen terroristischen „heiligen Krieg“ ausrotten will, ist durchaus berechtigt. Etwas anderes wäre Islamkritik: An dieser Religion ist aus westlich-aufklärerischer Sicht immerhin die Intoleranz gegenüber „Ungläubigen“, die Unterdrückung der Frauen und die fehlende Trennung von Religion und staatlicher Ordnung zu kritisieren. Das tun auch Muslime, die für einen aufgeklärten Islam eintreten.

Linksextremisten fechten solche Differenzierungen nicht an. In ihrem Weltbild erfüllt das Schlagwort „Islamophobie“ gleich mehrere Zwecke:

Indem es ablehnende Haltungen zum Islam pauschal abwertet, suggeriert es, dass sowohl eine rationale Islamkritik als auch der Kampf gegen den Islamismus letztlich „rassistisch“, weil gegen muslimische Menschen insgesamt gerichtet, seien. Das gefällt besonders Autonomen, für die „weiße Normalos“ sowieso unterschiedslos „rechts“ bzw. „rassistisch“ sind.

Wenn Kritik am Islamismus verwerfliche „Islamophobie“ wäre, dann dürfte man auch die freundschaftlichen Hilfen von Linksextremisten für beispielsweise die Hamas nicht mehr kritisieren. Auch der latente Antisemitismus von Linksextremisten wäre dann einer Kritik entzogen (siehe auch Gibt es einen linken Antisemitismus?).

Und drittens würden dann „die Muslime“ nur „berechtigt“ auf Jahrhunderte „imperialistischer und kolonialistischer Unterdrückung“ reagieren. Dann wäre der Westen am islamistischen Terror letztlich selber schuld - und müsste ihn im Zweifel hinnehmen. Kritik an bestimmten sozialen Verhaltensregeln des Islam, z.B. an der Unterdrückung von Frauen bis hin zum „Ehrenmord“, stände auch niemandem zu: Es wäre sonst „kolonialistische Bevormundung“.

Leider sind solche für die Strategien von Linksextremisten zur Zerstörung freier Ordnungen nützliche Sichtweisen bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein verbreitet. Eine besonders scheußliche Variante davon ist die Behauptung, wegen der ihnen entgegen gebrachten Ablehnung seien die Muslime die heutigen Juden - eine perfekte Täter-Opfer-Umkehrung.

Rudolf van Hüllen