Veranstaltungsberichte

Präsentationen des Fachbuchs „ABC des Journalismus“ auf Albanisch verbunden mit Adenauer Lectures

von Johannes Wolf

Das Medienprogramm Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) stellte am 15. und 17. März an den journalistischen Fakultäten der Universitäten in Tirana und Pristina das bekannte deutsche Lehrbuch „ABC des Journalismus“ in albanischer Übersetzung vor. Dr. Christopher Nehring, Gastdozent der KAS an der Universität Sofia, begleitete diesen Anlass mit einer Adenauer Lecture unter dem Titel „Medien, Geheimdienste und Desinformation. Eine komplexe Beziehung.“

Für Studierende der Fächer Journalistik und Medienwissenschaften in Deutschland ist das „ABC des Journalismus“ von Prof. Claudia Mast eines der bekanntesten Standardwerke. Das Medienprogramm Südosteuropa der KAS hat das Lehrbuch in vier Sprachen übersetzen lassen – neben Albanisch auch ins Bulgarische, Rumänische und Kroatische. Am 15. März übergab Hendrik Sittig, Leiter des KAS-Medienprogrammes, die albanische Fassung an Prof. Mark Marku, Dekan der Fakultät für Journalistik und Kommunikation an der Universität Tirana. Fast einhundert Studentinnen und Studenten waren zu diesem Anlass im Konrad-Adenauer-Saal der Universität erschienen.

In seiner Begrüßung stellte Hendrik Sittig klar, welchen Wert sachliche und ausgewogene Berichterstattung für eine Demokratie haben. Dabei betonte er besonders, dass weder alternative Fakten noch ein postfaktisches Zeitalter existieren: „Nein: Die Erde ist und bleibt rund. Und wenn jemand heute behauptet, die Erde sei flach wie eine Scheibe, dann ist es nicht unsere Aufgabe als Journalisten, diese Meinung aus falsch verstandener Ausgewogenheit gleichberechtigt vorkommen zu lassen. Man darf sie getrost negieren.“

Thematisch schloss sich daran Dr. Christoph Nehring, Gastdozent der KAS an der Universität Sofia, mit einer Adenauer Lecture zum Thema Geheimdienste, Medien und Desinformation an. Am Beispiel des Recherchenetzwerkes Bellingcat stellte er fest: „Die Methoden des digitalen Investigativjournalismus ähneln jenen von Geheimdiensten in geradezu verblüffender Weise.“ Dazu gehörten unter anderem gekaufte Satellitenbilder und zugespielte Informationen aus Datenbanken sowie Trickanrufe, bei denen Gesprächspartner getäuscht werden. Über die Gemeinsamkeiten in der Arbeitsweise hinaus bewege sich das Verhältnis von Medien und Nachrichtendiensten zwischen Kooperation und Konfrontation. Ein Aspekt dieser Beziehung sei die Desinformation. Anhand der mutmaßlich Kremlnahen Trollfabrik Internet Research Agency in St. Petersburg zeigte Nehring, wie ein Staat bzw. Geheimdienst durch massenhaft gezielt erstellte und verbreitete Nachrichten die öffentliche Meinung im In- und Ausland beeinflussen kann. Insbesondere in autoritären Systemen erlebe diese Art der Konfrontation zwischen Medien und Nachrichtendiensten eine Renaissance: „Von Covid über den Russland-Ukraine-Krieg bis hin zu Nationalismus, Populismus – Desinformation ist heute überall.“

An der Universität Pristina folgte am 17. März eine weitere Präsentation des Lehrbuchs. Prof. Remzie Shahini-Hoxhaj von der Fakultät für Journalistik berief sich in ihrer auf Deutsch gehaltenen Begrüßung auf Konrad Adenauer als aufrechten Demokraten und hob den Wert der Medienarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Balkanstaaten hervor. Die Fakultät streamte die Veranstaltung in voller Länge über ihren Facebook-Account; am Abend berichtete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Radio Television Kosovo (RTK) in seiner Hauptnachrichtensendung über die Präsentation und Adenauer Lecture. Ungefähr fünfzig Studierende verfolgten die Vorlesung vor Ort und brachten sich aktiv in die abschließende Diskussion mit vielen Fragen ein.

Die Übersetzungen des Fachbuchs ins Bulgarische, Rumänische und Kroatische werden in den kommenden Monaten in ähnlicher Art und Weise an Universitäten in Bulgarien, Bukarest und Zagreb übergeben.