Veranstaltungsberichte

Arbeit, Zentrum der Sozialen Frage

Forum mit Soltramex in Mexiko Stadt

Am 26. Januar 2012 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung in Mexiko in Zusammenarbeit mit Soltramex („Solidaridad de Trabajadores de México“) das Forum „Arbeit, Zentrum der Sozialen Frage“ in Mexiko Stadt.

Juan Manuel Sandoval, nationaler Koordinator von Soltramex, wies zu Beginn auf die noch ausstehenden Arbeitsmarktreformen in Mexiko hin. Er fügte an, dass dabei die Arbeitnehmer in den Mittelpunkt der Sozialen Frage gestellt werden müssten. Er erklärte weiterhin, dass die zu erreichenden Hauptziele der Arbeit von Soltramex darin bestünden, mehr Respekt vor der Würde des Menschen im Arbeitsleben sowie das Erlernen von demokratischen Praktiken für die Arbeitnehmer zu erreichen. Zudem solle mehr Transparenz und eine bessere Zurechenbarkeit von Entscheidungen in Arbeitsrechts- und Gewerkschaftsangelegenheiten erzielt werden. Aus diesem Grund habe er auch andere mexikanische Gewerkschaften dazu eingeladen, mit Soltramex zusammenzuarbeiten, damit diese Fortschritte erreicht werden könnten. Er betonte, dass Verbesserungen in der Arbeitsmarktpolitik stets die Unantastbarkeit der Menschenrechte zur Grundlage haben müssten.

Pedro Pablo Álvarez, kubanischer Gewerkschaftsführer, erläuterte in seinem Vortrag „Die Arbeit, Instrument der sozialen Gerechtigkeit“, dass sich das kubanische Gewerkschaftssystem gegenwärtig in einer schwierigen Situation befände, weil es von der Kommunistischen Partei Kubas vollständig kontrolliert und unterdrückt werde. Gleichwohl setzte er diese Aussage in den vergleichenden Kontext der globalen Wirtschaft, die sich selbst in einer tiefen Krise befinde, welche durch eine übermässige Konkurrenz zwischen Kapital und Arbeit entstanden sei. Er betonte, dass die Teilhabe an produktiven und wettbewerbsfähigen Arbeitsprozessen an sich einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Entwicklung und der menschlichen Kultur bedeute. Weiterhin unterstrich er, dass soziale Gerechtigkeit und berufliche Tätigkeit den Schlüssel für eine dauerhafte Integration der Arbeiter in die Gesellschaft darstellten. Er bedauerte, dass die Gewerkschaften Schwierigkeiten hätten, sich an die neuen Herausforderungen anzupassen, die den Prozess der Globalisierung von Arbeit und Wissen begleiteten. Er wies darauf hin, dass die aktuellen Probleme und Entwicklungen weltweit bekannt und anerkannt seien. Er bezog sich im Rahmen dessen auf Lösungsvorschläge und Strategien des „globalen Paktes“, den die Internationale Organisation für Arbeit unter anderem in den Bereichen Menschenrechte, Umweltschutz sowie Kampf gegen Korruption und Kinderarbeit vorschlägt.

Unter der Führung von Raúl Vázquez, Vorsitzender des Instituts für Arbeitsmarktpolitik in Mexiko (IPL), diskutierten Mariela French, Gewerkschaftsführerin aus Panamá, Miguel Ángel Garza Delgado, Anwalt für Arbeitsrecht in Mexiko, Ángel López Ramírez, Abteilungsleiter für Arbeitsrechtsfragen der Gewerkschaft der Bank Santander in Mexiko, sowie Rubén López Malo, Landesminister für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung in Puebla, zum Thema "Die axiologische Dimension der Arbeit“.

Die Referenten betonten die vermittelnde Rolle der Werte in konfliktiven sozialen Bereichen, wie sie beispielsweise zwischen Angestellten- und Arbeitgeberinteressen auftreten können. Sie stimmten darin überein, dass es in Mexiko keinen Klassenkampf an und für sich gäbe. Allerdings fehle es der mexikanischen Gesellschaft an der Entwicklung einer einheitlichen Vision von Werten, die alle Bürger, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Verortung, an erster Stelle in ihrer Menschenwürde respektiere und integriere. Als Referenzrahmen wurde hierfür die Ausrichtung an den christlich-sozialen Werten vorgeschlagen. Die Diskussionsteilnehmer fassten zusammen, dass der Respekt gegenüber den Menschen die Hauptbedingung sei, um soziale Spannungen zu lindern sowie die Realisierung einer umfassenden Arbeitsmarktreform zu fördern.

Der Direktor des Mexikanischen Institutes für christliche Soziallehre (IMDOSOC), Victor Chávez, legte in seinem Vortrag „Die Produktionsfaktoren unter Berücksichtigung der Solidarität und Subsidiarität“ die aktuelle Problematik der „postmodernen Überflüssigkeit“ dar. Diese sei, seiner Meinung nach, die eigentliche Ursache einer weltweiten anthropologischen und sozialen Krise. Er betonte, dass sich die Arbeitswelt zwar kontinuierlich ändere, demgegenüber die Axiologie der Grundwerte jedoch konsistent und unabhängig von technologischem Fortschritt und kulturellen Modeerscheinungen bleiben müsse. Das Wachstum des Kapitals solle dementsprechend durch die proportionale Zunahme des Human- und Sozialkapitals begleitet werden. Er sprach sich einerseits im positiven Sinne für die Bedeutung der individuellen Handlungsfreiheit aus, fügte aber andererseits an, dass sich diese im Gleichgewicht mit der Übernahme von persönlicher und sozialer Verantwortung befinden müsse.

Solidarität zeichne sich durch dieses freiwillige und freie Handeln aus und basiere damit zugleich auf Verantwortungsbewusstsein und Tugenden. Dies schließe die Gleichberechtigung aller Bürger und den Respekt ihrer individuellen Menschenwürde ein. Er fügte jedoch an, dass die Solidarität sich nicht selbst genüge.

Vielmehr müsse sie durch die Idee die Subsidiarität ergänzt werden, um zu einer langfristig tragfähigen Gesellschaftsstruktur zu gelangen. Das Subsidiaritätsprinzip besage, dass alle politischen und sozialen Entscheidungen auf der niedrigst möglichen Hierarchieebene getroffen werden sollen, auf der diese konstruktiv und eigenverantwortlich gelöst werden können.

Laut seinen Erläuterungen stelle die Symbiose aus Solidarität und Subsidiarität einen diametralen Gegenwurf zur Ideologie des fürsorglichen Paternalismus dar, der als einziges Ziel den Erhalt und den Ausbau von Abhängigkeitsbeziehungen in allen gesellschaftlichen Strukturen kenne. Aus diesem Grunde forderte dazu auf, eine integrale humanistische Ethik in Mexiko zu entwickeln, die aus einer partizipativen und verantwortlich handelnden Gesellschaft entstehe und durch diese getragen werde.

Die zweite Diskussionsrunde wurde von Elvia Palancares López, Geschäftsführerin des Bundes freier Gewerkschaften in Mexiko, moderiert. Die Teilnehmer der Runde tauschten ihre Meinungen über den „Arbeiter als Ziel der wirtschaftlichen und sozialen Aktivität“ aus.

Miguel Ángel Jiménez, chilenischer Gewerkschaftsführer und Berater des chilenischen Arbeitsministeriums, kritisierte die Gleichgültigkeit der politischen Parteien in Chile gegenüber Verbesserungsanstrengungen in der Arbeitsmarktpolitik. Er sagte, dass sich die Arbeiter trotz dieses Problems der Wichtigkeit einer dauerhaften und verantwortlichen Partizipation an der Demokratie bewusst seien, um damit die Freiheit und den sozialen Frieden in Chile zu bewahren und zu fördern.

Victor Reyes, Landesarbeitsminister im Bundesstaat Morelos, Alfredo Ríos Solís, Vorsitzender des Bundes der Genossenschaften in Mexiko sowie Hugo García Lazcano, Bundesbeauftragter für politische Angelegenheiten der Gewerkschaft CTM, sprachen sich in ihren Beiträgen für die Schaffung einer neuen Arbeitskultur aus. Sie betonten, dass sich die Arbeiter und Angestellten der Änderungen in der globalisierten Arbeitswelt des technischen Fortschritts bewusst seien. Daher unterstrichen sie, dass auf dem Wege des Dialogs und der Kompromissfindung zwischen den Interessenparteien eine bessere soziale Kohäsion geschaffen werden könne. Sie betonten, dass die politischen Entscheidungsträger und die Exekutive die nötigen Werkzeuge besäßen, um den Prozess der Konsolidierung entscheidend positiv zu beeinflussen. Weiterhin erklärten sie die Entwicklung der Genossenschaften in Mexiko, deren Zweck in erster Linie auf die Hilfe zur Selbsthilfe und die gemeinschaftliche Partizipation und Teilhabe ausgerichtet sei. Des Weiteren zeigten sie die aktuellen Herausforderungen auf, die für die Zukunft blieben. Im Rahmen dessen wurden die Verstärkung der Kooperation in Verbändenetzwerken und der Kampf gegen die Korruption im Arbeitsumfeld angesprochen.

Abschließend äußerten sie den Wunsch, die öffentliche Verwaltung solle die Möglichkeiten für Arbeiter zur Unternehmensgründung vereinfachen. Zum Thema Mindestlohn schlugen sie vor, neue, flexiblere Entscheidungsmethoden einzuführen, um so auf lange Sicht gerechtere Gehälter für die Arbeiter zu gewährleisten.