Veranstaltungsberichte

Die Risiken der internationalen Rezession und ihre sozioökonomischen Auswirkungen auf Mexiko

von Susanne Käss
Im Rahmen der Cátedra Konrad Adenauer, einer von der Universität ITESO in Guadalajara, dem Unternehmerverband USEM und der Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam veranstalteten Dialogreihe zum Thema Soziale Marktwirtschaft, wurde am Dienstag, den 30. Oktober 2007 das Thema der internationalen Finanzkrise und den daraus resultierenden möglichen Folgen für Mexiko behandelt.

In den Räumlichkeiten des ITESO referierten Carlos Ramírez Powell, Wirtschaftsjournalist und –spezialist und wiederholter Direktor des Radio Guadalajara, Francisco Nuñez de la Peña, Professor für Wirtschaftswissenschaften am ITESO und Berater des Banco de México und Ross de Leo, Börsenfachmann und Finanzberater. Die Vorträge wurden in Echtzeit an die Universidades Iberoamericanas in Tijuana und Puebla übertragen und dank der hervorragenden Qualität der Videokonferenzen war ein reger Austausch mit den Zuhörern in den anderen Städten möglich. Die Veranstaltung wurde von Rafael Crespo y Mendoza, Professor für Handelsbeziehungen am ITESO, moderiert.

Im Mittelpunkt der Vorträge stand die Immobilien- und Finazkrise in den USA. Da die mexikanische und die US-amerikanische Wirtschaft unter anderem durch das Freihandelsabkommen NAFTA eng miteinander vernetzt sind und der US-Markt wichtigster Abnehmer mexikanischer Exporte ist, versetzt die Situation in den USA mexikanische Witschaftsfachleute in Sorge.

Besonders eingehend wurde die Hypothekenkrise im Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt behandelt. Über Jahrzehnte hinweg haben die Amerikaner den Immobilienmarkt überhitzt. Kredite wurden frei nach dem Prinzip des „American Dreams“ jedem gewährt, auch wenn das Einkommen von mindestens 20% der Kreditnehmer eine Tilgung eigentlich kaum zulassen konnte. Durch den Kollaps des Immobilienmarktes stehen Mexiko nicht nur indirekte Konsequenzen bevor. Die mexikanische Wirtschaft in vielen Bundesstaaten hängt stark von den „remesas“ ab, also von den Geldüberweisungen von meistens in den USA lebenden Mexikanern an ihre Angehörigen in Mexiko. Viele Mexikaner waren in den USA im Bausektor beschäftig und haben ihren Job bereits verloren oder der Verlust des Arbeitsplatzes ist abzusehen. Spezialisten erwarten, dass die „remesas“ um 20-40% sinken könnten, was für Mexiko verheerend wäre, da der Anteil dieser Auslandsüberweisungen am BIP im Jahr 2006 den größten Posten ausmachte und sogar die Erdöleinnahmen überstieg. Der US-amerikanische Arbeitsmarkt stellte für viele Mexikaner eine Ausweichmöglichkeit bei Krisen im eigenenen Land dar, doch diese Fluchtmöglichkeit wird durch die durch die Krise zu erwartende überprotektionistische Arbeitsmarktpolitik der USA gemindert werden.

Besonders stark könnte Mexiko die Krise nach Meinung von Carlos Ramírez Powell in einigen Jahren treffen, wenn sich die Erölvorräte Mexikos erschöpfen. Obwohl die exportierte Erdölmenge ständig sinkt, kann das durch steigende Preise ausgeglichen werden. Schätzungsweise in 5-6 Jahren wird das allerdings nicht mehr gelingen.

Die Veranstaltung war von einem vor allem aus Unternehmern, Akademikern und Studenten bestehenden Publikum sehr gut besucht und es wurde angeregt auch mit den Zuhörern in Tijuana und Puebla diskutiert.