Veranstaltungsberichte

Relancierung der Christdemokratie in Lateinamerika

ODCA-Seminar „Politischer Humanismus, Entwicklungsmöglichkeit für Amerika“

Das von der ODCA am 30. Januar 2009 für die Führungskräfte der Mitgliedsparteien durchgeführte Seminar „Politischer Humanismus, Entwicklungsmöglichkeit für Amerika“ dient als Startsignal für die Relancierung der Christdemokratie in Lateinamerika.

Hierzu warf der ehemalige Präsident Boliviens Jorge Quiroga Ramírez einen Blick zurück auf die Entwicklung Lateinamerikas der vergangenen 50 Jahre. Während die Jahrzehnte der 50er bis 80er Jahre durch politischen Totalitarismus und protektionistischen Staatskapitalismus geprägt gewesen seien, hätten sich in den 80er und 90er Jahren neoliberale Tendenzen durchgesetzt, die letztlich zum Scheitern grosser Volkswirtschaften wie der argentinischen geführt hätten. Seit 2003 habe Lateinamerika dann von den hohen Rohstoffpreisen aufgrund der enormen Nachfrage vor allem seitens Chinas profitiert. Doch in den wenigsten Ländern des Subkontinents seien während dieser guten Jahre Rücklagen geschaffen oder eine Modernisierung der staatlichen Institutionen und öffentlichen Dienste vorgenommen worden. Nach wie vor stelle die Korruption ein zentrales Wachstumshemmnis dar. Die Versäumnisse der letzten Jahre würden nun in der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Tragen kommen. Es stelle sich die Frage, so Quiroga, ob Lateinamerika zur Politik der Vergangenheit der 70er bzw. 90er Jahre zurückkehrt oder in die Zukunft blickt und sich wirtschaftspolitisch am Konzept der Sozialen Marktwirtschaft orientiert. Nur dieses integrale Modell könne breiten Bevölkerungsschichten wirtschaftliche Entwicklungschancen bieten und sie damit vor demagogischen Projekten à la Chávez schützen.

Dr. Luis Bedoya Reyes, Mitbegründer der ODCA, erinnerte in seiner Rede an die Ursprünge der Christdemokratie in Lateinamerika und betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Jugend bei ihrer Etablierung. Wenn heute über eine Relancierung des politischen Humanismus nachgedacht werde, dürfe die Einbindung der Jugend durch die älteren Generationen der Christdenmokraten nicht vergessen werden, da dieser Erneuerungsversuch sonst zum Scheitern verurteilt sei.

Im Anschluss daran resümmierte der ehemalige ODCA-Vorsitzende Dr. Gutenberg Martínez Ocamica die Errungenschaften und Beiträge der Christdemokratie zur demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas. Er betonte u.a. die Themen „Menschenrechte“, „Soziale Marktwirtschaft“ sowie die zentrale Rolle christdemokratischer Parteien bei der Gestaltung der Übergänge von Diktaturen bzw. autoritären Regimen hin zu modernen Demokratien. Insbesondere das integrative Potenzial des politischen Humanismus sei angesichts der Spaltung der lateinamerikanischen Gesellschaft von grosser Wichtigkeit.

Als abschliessende Botschaft gab der stellvertretende Vorsitzende der ODCA für die Andenregion, Eduardo Fernández, den Vertretern der Mitgliedsparteien seine persönliche Begegnung mit Papst Johannes Paul II. mit auf den Weg. Bei dieser Audienz habe ihn der Papst in seiner Entscheidung für die Christdemokratie mit den Worten bestärkt, er habe die richtige Wahl getroffen. Mit dieser Überzeugung müsse nun die Erneuerung der Christdemokratie gemeinsam in Angriff genommen werden, so Fernández.