Veranstaltungsberichte

Konferenz "Investitionen in Erneuerbare Energien"

Am Dienstag, den 20. März 2012 lud die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Ramallah zu einer Konferenz zum Thema „Investitionen in Erneuerbare Energien in den Palästinensischen Gebieten“ ein. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Palästinensischen Zentrum für Energie- und Umweltforschung (PEC) sowie der Palästinensischen Energiebehörde durchgeführt und fand im Mövenpick Hotel in Ramallah statt. Die Konferenz bot ein einzigartiges Forum für palästinensische und internationale Experten für Erneuerbare Energien und Vertreter des Privatsektors.

Die Zukunft der Erneuerbaren Energien in den Palästinensischen Gebieten und die Frage, wie in sie investiert werden kann, sorgten für ein großes Interesse an der Konferenz. Ungefähr 290 Teilnehmer verfolgten die verschiedenen Sitzungen der Konferenz und beteiligten sich angeregt an den anschließenden Diskussionsrunden. Obwohl die Konferenz ein breites Spektrum an Themen bot, teilten die Experten in Bezug auf eines die gleiche Meinung: Private Investitionen in Erneuerbare Energien – insbesondere in Solarenergie - haben ein großes Potential in den Palästinensischen Gebieten. Erneuerbare Energie stellt nicht nur ein erreichbares Ziel, sondern einen bedeutenden Meilenstein für nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung dar.

Der Leiter der KAS Ramallah, Felix Dane, eröffnete die Konferenz und betonte das Entwicklungspotential der Palästinensischen Gebiete im Bereich der Erneuerbaren Energien. Dies würde die Abhängigkeit der Palästinenser von Energieimporten mindern. Er hob hervor, dass die Schaffung des richtigen Regulierungsrahmens zu mehr Investitionen des Privatsektors in Erneuerbare Energien führen würde. Dies wiederum würde Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum fördern.

Den positiven Effekt Erneuerbarer Energien auf die Schaffung von Arbeitsplätzen bestätigte der Leiter des deutschen Vertretungsbüros in Ramallah, Götz Lingenthal. Herr Lingenthal stellte einen Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland auf, wo zum heutigen Zeitpunkt 370 000 Arbeitnehmer im Bereich der Erneuerbaren Energien angestellt sind – mehr noch als in der deutschen Autoindustrie.

Der nächste Sprecher, Dr. Omar Kittaneh, Minister der palästinensischen Energiebehörde, zeigte das politische Engagement der Palästinenser bezüglich der Erneuerbaren Energien auf, wobei er die neue palästinensische Solarinitiative (PSI) vorstellte, die im Sommer 2012 umgesetzt werden soll. Die PSI setzt sich das Ziel, bis 2020 10% der Elektrizität in den Palästinensischen Gebiete aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Dr. Kittaneh zufolge sei die Technologie für Solarenergie einsatzbereit und die Schaffung von Anreizstrukturen für Investitionen des Privatsektors durch die Palästinensische Autonomiebehörde genehmigt worden.

Die PSI bezieht sich auf die Ergebnisse der Forschungsarbeit „Das Potential Erneuerbarer Energien und Einschätzungen für 2020” präsentiert durch Xavier Valvé. Die Studie untersucht die Bedingungen für die Produktion von Wind- und Solarenergie in den Palästinensischen Gebieten. Herr Valvé, Teamleiter des Konsortiums “AF-Mercados EMI – Trama Tecno Ambiental”, erinnerte daran, Ziele der Energieversorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplatzbeschaffung sowie der Umweltpolitik zu bedenken, um eine nachhaltige Energieproduktion zu erreichen und zu erhalten.

Die erste Sitzung der Konferenz wurde durch einen Vortrag von Dr. Imad Ibrik, Direktor des Energieforschungszentrums der An-Najah Universität abgeschlossen. Dr. Ibrik sorgte für einen wertvollen Einblick in den aktuellen Forschungsstand, zukünftige Perspektive und Rolle der palästinensischen Universitäten auf dem Gebiet der Solarenergieerhaltung und –effizienz. Er veranschaulichte die zentrale Rolle die palästinensischen Universitäten in den Bereichen Forschung, Kapazitätenaufbau, Training und Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Die zweite Sitzung mit dem Titel „Die Potentiale ausschöpfen: Tarife, Preismodelle und Anreize”, wurde durch Zafer Milhem, dem Vorstandsvorsitzenden des palästinensischen Rates zur Elektrizitätsregulierung (PERC), eröffnet. Herr Milhem sprach über die Rolle des PERC bei der Energieversorgung und der Tarifgestaltung. Im darauffolgenden Vortrag mit dem Titel “Gestaltung von Einspeistarifpolitik” analysierte Dr. Tim Hoffmann, Senior-Energieberater bei Lahmeyer International, die Chancen und Risiken von Einspeistarifen als Instrument zur Förderung Erneuerbarer Energien.

Die dritte Sitzung wurde von Abdullah Sha’rawi, Business Development Manager bei PADICO eröffnet, wobei er seine Erfahrungen mit Investitionen in Erneuerbare Energien teilte. Herr Sha’rawi gab einen Anstoß für eine stärkere Einbeziehung der palästinensischen Privatwirtschaft, wobei er regionale Investitionsanreize sowie globale Trends in Hinblick auf Investitionen in Erneuerbare Energien bewertete. Er erinnerte das Publikum an die wichtige Rolle wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für ein berechenbares und transparentes Investitionsklima. Um dieses Ziel zu erreichen, rekapitulierte Herr Sha’rawi die Notwendigkeit, Bedenken des Privatsektors im politischen Entscheidungsprozess zu berücksichtigen.

Die Repräsentantin des stellvertretenden palästinensischen Wirtschaftsministers Abdelhafiz Nofal betonte die Bedeutung rechtlicher und regulativer Rahmenbedingungen, um Anreize für Investitionen zu schaffen und Geschäfte zu ermöglich. Sie erläuterte die Bedeutung der Förderung von neuen Technologien und Kreativität, um mit anderen Ländern mithalten zu können.

Das Potential lokaler Wertschöpfung von Photovoltaik und thermischen Solaranlagen in den Palästinensischen Gebieten wurde von Dr. Thomas Schlegl, dem Leiter der Strategieplanung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE, diskutiert. Dr. Schlegls Vortrag bot einen interessanten Einblick in die industrielle Bewertung von Solartechnologien und die Messung lokaler Wertschöpfung.

Ing. Nader Betar, Vertreter der Firma Electrohydrolic und Mitglied des Komitees für Erneuerbare Energien der Vereinigung palästinensischer Handelskammern (FPCCIA), lenkte die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Eigentümer kleinerer Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Herr Betar betonte besonders das Potential der Netto Messung für die Produktion erneuerbarer Energie durch private Energieerzeuger wie Haushalte und kleine Unternehmen.

Ing. Mohammad Tamimi hielt den letzten Vortrag der Konferenz und gab ein Beispiel für die erfolgreiche Durchführung eines Projekts zur Produktion und Nutzung von Erneuerbaren Energien. Mr. Tamimi stellte das von der EU mitfinanzierte Ahli Windenergieprojekt (AWEP) vor, welches einen direkten Nutzen für das Al-Ahli Krankenhaus in Hebron bietet. Gemäß den Zielen des Projekts, erzeugen die netzgekoppelte Windkraftanlage und die Solaranlage gemeinsam 30-40% des Strombedarfs des Krankenhauses.