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Meinungsumfrage: Palästinenser sehen sich als Gewinner der israelischen Razzia

Eine Mehrheit der Palästinenser deutet den israelischen Angriff auf die „Solidaritätsflotte” als Sieg für die Palästinenser und den Anfang des Endes der Gaza-Blockade oder zumindest deren Abschwächung.

Die Umfrageergebnisse des zweiten Quartals 2010, die die Ereignisse um die israelische Erstürmung der „Solidaritätsflotte” mit einschließen, weisen einen deutlichen Popularitätsgewinn für Ministerpräsident Salam Fayyad und seine Regierung nach. Allerdings muss erwähnt werden, dass die Entscheidung der Regierung Fayyad, die für Juli geplanten Kommunalwahlen abzusagen, genau während der Durchführung der Umfrage gefällt wurde. Es ist möglich, dass die Absage der Wahlen eine negative Auswirkung auf die Beliebtheit von Fayyad und dessen Regierung bzw. von Abbas und der Fatah haben könnte. Die palästinensische Öffentlichkeit könnte dies als Indiz für einen schweren Rückschlag im Bereich des Aufbaus staatlicher Institutionen betrachten – ein Projekt, dem die Regierung Fayyad Priorität eingeräumt hat. Des Weiteren könnte die Absage auch als Indikator für eine Fragmentierung einer in Panik geratenden führungslosen Fatah betrachtet werden.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Amtsführung der Regierung Fayyad wird zunehmend positiv bewertet. Lag sie im März noch bei 42 Prozent liegt sie mittlerweile bei 48 Prozent. Die Zufriedenheit mit Abbas stieg im gleichen Zeitraum von 47 auf 49 Prozent.
  • Während die Regierung Fayyad im Dienstleistungsbereich gute Bewertungen erhält, sind die Ergebnisse im Bereich politischer Freiheiten deutlicher schlechter. Drei Jahre nach Bildung der ersten Regierung Fayyad glauben größere Teile der Bevölkerung, dass sich die Bedingungen in den Bereichen Wirtschaft (47 Prozent), Strafverfolgung (57 Prozent) und Bildung (54 Prozent) unter Fayyad verbessert hätten. Hingegen glauben nur 30 Prozent, dass die Korruption abnahm und bezüglich politischer Festnahmen (47 Prozent) und Demonstrationsfreiheit (44 Prozent) sehen viele Palästinenser sogar eine Verschlechterung der Situation.
  • Wenn die Fatah versuchen sollte, Fayyad durch eine Person aus den eigenen Reihen zu ersetzen, würden 48 Prozent dies ablehnen und nur 43 Prozent einen solchen Schritt unterstützen.
  • Bei der Anhaltung von Präsidentschaftswahlen würde Abbas derzeit 34 Prozent der Stimmen erhalten und Fayyad 19 Prozent.
Der möglicherweise größte Gewinner der aktuellen Ereignisse ist die Türkei, die zur beliebtesten Regionalmacht aufstieg.

  • In einer offenen Frage über diejenige Nation in der Region, die die Palästinenser und deren Anliegen am meisten unterstützt, nannten 43 Prozent der Befragten die Türkei, während Ägypten mit 13 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei landete.
  • Eine Mehrheit von 63 Prozent glaubt, dass die palästinensische Seite Gewinner der jüngsten Ereignisse ist. Hingegen glauben nur 27 Prozent, Israel sei der Gewinner.
  • Außerdem glaubt eine Mehrheit von 60 Prozent, dass nach der israelischen Razzia im Mittelmeer die Gaza-Blockade entweder gelockert oder sogar beendet wird. Nur 18 Prozent glauben an eine Ausweitung der Blockade.
Die Resultate zeigen auch einen deutlichen Zuspruch für den Boykott von Siedlungsprodukten. Hingegen ist eine Mehrheit gegen ein Verbot für Palästinenser in israelischen Siedlungen zu arbeiten.

  • Während 72 Prozent einen Boykott von Siedlungsprodukten befürworten und nur 26 Prozent diesen ablehnen, unterstützen nur 38 Prozent ein Verbot für Palästinenser in Siedlungen zu arbeiten. 60 Prozent lehnen eine solche Maßnahme ab.
Für die Umfrage des PSR (Palestinian Center for Policy and Survey Research) wurden vom 10. bis 13. Juni 2010 1270 erwachsene Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen persönlich befragt. Die Befragungen fanden an 127 zufällig ausgewählten Orten statt. Die Fehlerquote liegt bei 3 Prozent. Die Umfrage wurde einige Tage nach der israelischen Razzia im Mittelmeer durchgeführt.

Für weitere Informationen bezüglich der Umfrage kontaktieren Sie den Direktor des PSR, Dr. Khalil Shikaki, oder Walid Ladadweh unter der Nummer 02-296 4933 oder per E-Mail (pcpsr@pcpsr.org). Diese Umfrage wurde durch die Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung Ramallah ermöglicht.