Rechtsextremisten als „Kümmerer“

Rechtsextremisten mit Glatze, Baseballschläger und Schnürstiefeln - dieses Klischee entspricht nicht mehr den Realitäten eines „modernen“ Rechtsextremismus (siehe auch Rechtsextreme Dresscodes). Der versucht, sich ein Stück weit vom Image des gewalttätigen Schlägers zu befreien und für den Durchschnittsbürger akzeptabel zu erscheinen. Rechtsextremismus will „normal“ werden - dazu muss er sich äußerlich „normal“ verhalten. Ihn und seine Strategien zu erkennen ist damit schwieriger geworden. Während Neonazis in Großstädten ihr Erscheinungsbild an Mainstream-Jugendkulturen angepasst haben (siehe auch „Autonome Nationalisten"), verfolgen Rechtsextremisten in ländlichen Regionen andere Strategien der „Normalisierung“.

Wo die Zivilgesellschaft schwach, für junge Leute wenig „los“ ist und Menschen eher ab- als zuwandern, dienen sie sich als heimatverbundene Lokalpatrioten an, die sich für die Region oder Kommune nützlich machen. Als die Menschen nach 1989 durch die rasanten Veränderungen verunsichert und oft auch vereinsamt waren, nannte man so jemanden einen „Kümmerer“. Der hörte zu, gab Ratschläge und vermittelte das - nicht selten trügerische - Gefühl, dass einem geholfen wurde. In diese Rolle schlüpfen Rechtsextremisten gern - und verkaufen zugleich ihr politisches Programm dem zumeist arglosen Bürger mit.

Rudolf van Hüllen