Was bringt Rechts- und Linksextremisten bisweilen zueinander?

Die Ziele könnten nicht unterschiedlicher sein: Rechtsextremisten wollen einen ethnisch homogenen, autoritär geführten Staat (siehe auch Bausteine rechtsextremer Weltbilder), Linksextremisten träumen von einer egalitären kommunistischen Gesellschaft, in der es keine Nationen, keine Grenzen und irgendwann auch keine Staaten mehr geben soll (siehe auch Was ist Kommunismus? und Was heißt Anarchismus?). Dennoch gleichen sich bisweilen Parolen, Outfit und Verhalten so, dass selbst der geübte Beobachter die feindlichen Lager kaum auseinander halten kann.

Es gibt also keine gemeinsamen Utopien, und wie gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Extremismusphänomenen immer wieder zeigen, ist der Hass auf den jeweiligen Gegner ungebrochen. So erscheint es widersinnig, dass beide Seiten bisweilen mit der gleichen Stoßrichtung agieren.

Das verbindende Moment – Sozialwissenschaftler sprechen von „Querfronten“ - bilden gemeinsame Feindbilder. Dazu zählen die parlamentarische Regierungsform, marktwirtschaftliche Ordnungen, die USA, die NATO, die EU; insgesamt also viele Dinge, die man als Symbole „westlicher“ und demokratischer Lebensformen deuten könnte.

Ein jüngeres Beispiel illustriert das: Rechts- und Linksextremisten zeigen gleichermaßen Sympathien für Wladimir Putins Russland. Und wo es um den Nahostkonflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn geht, können sich auch Islamisten noch in die „Querfront“ mit einreihen. Zu besichtigen ist das in vielen europäischen Hauptstädten am so genannten „Al-Quds-Tag“ - dort wird zur „Befreiung“ von Jerusalem (von Juden und Christen) und in der Regel auch zugleich zur Vernichtung Israels aufgerufen. Allerdings sind solche Allianzen nicht von gegenseitiger Freundschaft getragen, und besonders unter Linksextremisten finden sie auch Kritiker (siehe auch Gibt es einen linksextremistischen Antisemitismus?).

Rudolf van Hüllen

Lesetipps:

  • Samuel Salzborn, Unheimliche Allianzen, in: Deutsche Polizei 10/2014, S. 5-8.
  • Otto-Brenner-Stiftung, „Querfront“ - Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks, Frankfurt/Main 2015, online hier abrufbar.