Event

9. Belter - Dialoge Festtagsveranstaltung

Das Ich als Mensch im Sozialismus

Die Belter-Dialoge finden einmal jährlich an der Leipziger Universität statt, um Aspekte des Terrors an ostdeutschen Bildungseinrichtungen sichtbar zu machen. Herbert Belter wurde 1951 zum Tode verurteilt und in Moskau erschossen.

Details

Das Menschenbild eines Staates steht in enger Verbindung mit seinen politischen Grundwerten und Idealen. Welche Vorstellung vom Menschen hatte das marxistisch-leninistische Weltbild? Der Idealtyp zeichnete sich unter anderem durch stete Disziplin und eine feste moralische Bindung an sozialistische Maßstäbe aus. Als Richtschnur für korrektes Verhalten verkündete Walter Ulbricht 1958 erstmals die „Zehn Gebote der sozialistischen Moral“.

Entsprechend wurden die SED-Parteimitglieder ab 1976 darauf hingewiesen, dass jedes Parteimitglied die Pflicht habe „die Normen der sozialistischen Moral und Ethik einzuhalten und die gesellschaftlichen Interessen über die persönlichen zu stellen“. Individualität trat – nicht nur innerhalb der Partei – zugunsten der Gemeinschaft zurück.

Das von der SED propagierte Menschenbild wurde in den 1950er Jahren mit dem Begriff „neuer Mensch“ bezeichnet. Es hatte zum Ziel, die Menschen nach sozialistischem Vorbild zu erziehen und die Macht der SED zu sichern. Voraussetzung hierfür war die seit den 1960er Jahren progragierte „sozialistische Persönlichkeit“ der DDR-Bürger. Begriffe, die klingen als handle es sich bei dem Menschen im Sozialismus um ein Kunstprodukt - aber mit fatalen

Konsequenzen: So wurde an der TU Dresden noch 1987 Studenten exmatrikuliert, weil sie die Anforderungen an einen „sozialistischen Leiter“ nicht erfüllten.

Obwohl die Grundüberzeugungen der DDR alle Gesellschaftsbereiche durchdrangen, war der Anteil gänzlich

konformer Sozialisten gering. Wünsche nach Privatsphäre, Freiheit von der Staatskontrolle und Fremdbestimmung

blieben bestehen. Trafen sich an dieser Stelle zwei Menschenbilder, deren Verschiedenheit nicht zuletzt auch zum

Ende der DDR beitrug?

Wie erfolgte die Erziehung zum sozialistischen Menschen? War sie erfolgreich? Wie war das Verhältnis der Gesellschaft

zum Individuum? Im Rahmen der diesjährigen „Belter - Dialoge“ wollen wir diese und weitere Fragen diskutieren.

Online-Anmeldung

  • 18.30 Uhr Musikalische Eröffnung

Konstanze Hollitzer

  • Begrüßung

Dr. Joachim Klose

Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

für den Freistaat Sachsen

  • 19.00 Uhr Vortrag und Gespräch

Das Ich als Mensch im Sozialismus

Lutz Rathenow

Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung

der SED-Diktatur

Moderation: Dr. Joachim Klose

  • Schlusswort

Prof. Dr. Beate A. Schücking

Rektorin der Universität Leipzig

  • 20.00 Uhr Musikalischer Ausklang

Konstanze Hollitzer

  • Empfang

Lutz Rathenow (Jg. 1952) studierte ab 1973 Deutsch und Geschichte an der Universität Jena, wurde allerdings 1977 aus politischen Gründen exmatrikuliert. Als 1980 sein Debütromans „Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet“ erschien, folgten eine Hausdurchsuchung und die anschließende Verhaftung. Nachdem u.a. Christa Wolf und Günter Grass gegen dieses Vorgehen protestierten, wurde er einige Zeit später aus der Haft entlassen. Rathenow engagierte sich in unabhängigen Friedens- und Bürgerrechtsbewegungen. Nach der friedlichen Revolution 1992 wurde ihm von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena nachträglich das Abschlussdiplom verliehen. Seit März 2011 ist er Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Rathenow erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung für Literatur (1996) und Bundesverdienstkreuz (2014).

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Veranstaltungsort

Universität Leipzig
Ritterstraße 26Alter Senatssaal, Rektoratsgebäude,
04109 Leipzig
Deutschland

Anfahrt

Referenten

  • Lutz Rathenow
    • Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
      Kontakt

      Johanna Hohaus

      Johanna Hohaus

      Referentin Politisches Bildungsforum Sachsen

      johanna.hohaus@kas.de +49 351 56344613 +49 351 563446-10
      Kontakt

      Kerstin Brockow

      Kerstin Brockow bild

      Sekretärin/Sachbearbeiterin Politisches Bildungsforum Sachsen

      kerstin.brockow@kas.de +49 351 563446-0 +49 351 563446-10
      Herbert Belter, DDR