Vortrag

Improvisation, Findigkeit, Beziehungen – Das Konsumverhalten der ehemaligen DDR-Bürger

Im Rahmen der Reihe „Wie schmeckte die DDR?“

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Freistaat Sachsen und dem Schlossbergmuseum Chemnitz

Details

Artikel und Bücher sind über die DDR geschrieben worden, einzelne Aspekte des Systems wurden intensiv analysiert und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich das Phänomen „DDR“ einer gerechten Wahrnehmung zunehmend entzieht.

Einerseits neigt ein Großteil der ehemaligen DDR-Bürger zur Verklärung der Vergangenheit. Im Verhältnis zur Gegenwart scheint dann die Vergangenheit ein geradezu erstrebenswerter Zustand gewesen zu sein. Andererseits legt die Bewertung und Aufarbeitung der DDR ihren Fokus auf die verdrängten Teile der Diktaturerfahrung. Sie will und soll bewusst machen, wie verbrecherisch geschlossene Systeme werden können, wenn jede Form einer externen Normierung verloren geht. Wenn man als ehemaliger DDR-Bürger ausschließlich mit diesen Fakten konfrontiert und identifiziert wird, fühlt man sich missverstanden.

Beide Haltungen: Relativierung und Dämonisierung, präsentieren die extremen Pole des Umganges mit der DDR-Erfahrung. Sie werden dem damaligen Alltagserleben nicht gerecht. Nicht jeder lebte in ständiger Angst und dem Bewusstsein des totalen Überwachungsstaates. Das DDR-System war ein Ideologieschwellensystem, das besonders aktiv wurde, wenn man sich nicht systemkonform verhielt. Dann offenbarte es allerdings alle Dimensionen

eines totalitären Staates. Die (Lebens)Kunst des Einzelnen bestand darin, minimale Kompromisslinien zu finden und nicht vorauseilenden Gehorsam zu leisten. Deshalb wird es notwendig, Gewissenserforschung zu betreiben und sich zu erinnern, wie die DDR war und wie sie erlebt wurde.

Wir sollten beginnen, uns unsere Biographien zu erzählen!

Dr. Michael Richter (JG. 1952) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung der TU Dresden. Er wuchs in der DDR auf und studierte später Evangelische Theologie, Geschichte sowie Politikwissenschaften in Ost-Berlin, Hannover und Bonn. Richters Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte der ehemaligen russischen Besatzungszone sowie der Friedlichen Revolution in Sachsen. In seiner Freizeit verfasst er eigene Aphorismen. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt über Richter: „In den besten Sätzen erreicht er jene Brillanz der Pointe, die alle langatmigen Theorien und Erörterungen überflüssig erscheinen lässt.“

Die Reihe findet noch bis zur nächsten und letzten Sitzung am 25. Februar 2009 im Schlossbergmuseum Chemnitz statt. Auf Wunsch senden wir Ihnen gern den Flyer zur Reihe mit allen Terminen und Themen in der Übersicht zu.

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Veranstaltungsort

Schloßbergmuseum Chemnitz, Schloßberg 12, 09113 Chemnitz

Referenten

  • Dr. Michael Richter
    • Dresden
  • Historiker am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung
    Kontakt

    Dr. Joachim Klose

    Dr

    Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Sachsen

    joachim.klose@kas.de +49 351 563446-0 +49 351 563446-10
    Improvisation, Findigkeit, Beziehungen – Das Konsumverhalten der ehemaligen DDR-Bürger v_5

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