Vortrag

Orientierung in einer heterogenen Gesellschaft - Opposition in der DDR und ihr Schicksal nach der Wende

Ringvorlesung "Wie schmeckte die DDR?"

In Kooperation mit dem Freistaat Sachsen, der TU Dresden und dem Stadtmuseum Dresden

Details

Artikel und Bücher sind über die DDR geschrieben worden, einzelne Aspekte des Systems wurden intensiv analysiert und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich das Phänomen „DDR“ einer gerechten Wahrnehmung zunehmend entzieht.

Einerseits neigt ein Großteil der ehemaligen DDR-Bürger zur Verklärung der Vergangenheit. Im Verhältnis zur Gegenwart scheint dann die Vergangenheit ein geradezu erstrebenswerter Zustand gewesen zu sein. Andererseits legt die Bewertung und Aufarbeitung der DDR ihren Fokus auf die verdrängten Teile der Diktaturerfahrung. Sie will und soll bewusst machen, wie verbrecherisch geschlossene Ssysteme werden können, wenn jede Form einer externen Normierung verloren geht. Wenn man als ehemaliger DDR-Bürger ausschließlich mit diesen Fakten konfrontiert und identifiziert wird, fühlt man sich missverstanden.

Beide Haltungen: Relativierung und Dämonisierung, präsentieren die extremen Ppole des Uumganges mit der DDR-Erfahrung. Sie werden dem damaligen Alltagserleben nicht gerecht. Nicht jeder lebte in ständiger Angst und dem Bewusstsein des totalen Überwachungsstaates. Das DDR-System war ein Ideologieschwellensystem, das besonders aktiv wurde, wenn man sich nicht systemkonform verhielt. Dann offenbarte es allerdings alle Dimensionen

eines totalitären Staates. Die (Lebens)Kunst des Einzelnen bestand darin, minimale Kompromisslinien zu finden und nicht vorauseilenden Gehorsam zu leisten. Deshalb wird es notwendig, Gewissenserforschung zu betreiben und sich zu erinnern, wie die DDR war und wie sie erlebt wurde.

Wir sollten beginnen, uns unsere Biographien zu erzählen!

Arnold Vaatz (Jg. 1955) studierte Mathematik in Dresden. Nach seinem Diplom wurde er wegen der Verweigerung des Reservewehrdienstes zu Haft und Zwangsarbeit verurteilt. 1990 trat er in die CDU ein. Als Chef der Sächsischen Staatskanzlei und später als Umweltminister gestaltete er den Aufbau des Freistaates Sachsen aktiv mit. Seit 1998 ist er Mitglied des Bundestages. Er engagiert sich insbesondere im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Vaatz ist verheiratet und hat vier Kinder.

Werner Schulz (Jg. 1950) studierte in Berlin Lebensmitteltechnologie und war danach wissenschaftlicher Assistent an der Humboldt-Universität Berlin. Er leitete den Bereich Umwelthygiene in der Kreishygieneinspektion Berlin-Lichtenberg. Schulz gehörte 1989/90 als Vertreter des Neuen Forums dem Zentralen Runden Tisch der DDR an. Von März bis Oktober 1990 war er Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. 1990 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Er übte verschiedenste Funktionen innerhalb der Fraktion aus, war etwa parlamentarischer Geschäftsführer als auch wirtschaftspolitischer Sprecher.

Schulz ist stellvertretender Vorsitzender im Stiftungsrat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

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Veranstaltungsort

Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden, Eingang: Landhausstraße

Referenten

  • Arnold Vaatz MdB
    • stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Werner Schulz
      • Berlin

        Publikation

        „Als zu sagen war, wofür man ist, zerfiel die DDR-Opposition.“: Arnold Vaatz und Werner Schulz über die Opposition in der DDR
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        Kontakt

        Dr. Joachim Klose

        Dr

        Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Sachsen

        joachim.klose@kas.de +49 351 563446-0 +49 351 563446-10
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