Seminar

Pest und Corona

Gesellschaftlicher Stresstest zwischen Verschwörungstheorien, Populismus und öffentlicher Gesundheit

4. Thomas-von-Aquin-Wochenende

Details

Pestdoktor Matankic, „Plague Doctor.svg“, https://commons.wikimedia. org/wiki/File:Plague_Doctor.svg, CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/ licenses/by/4.0/)
Pestdoktor

Krisen verschärfen Spannungen und lassen Defizite schnell sichtbar werden. Sie setzen gleichzeitig aber
auch Kreativität frei und regen neue Entwicklungen an. Beides konnte man in den vergangenen Monaten beo-bachten. Die Digitalisierung hat einen Entwicklungsschub erhalten, den wir in zehn Jahren nicht erreicht hätten. Andererseits zeigte sich, welche Relevanz Religion und Kultur für unsere Gesellschaft noch haben. Waren in
Krisenzeiten früher die Kirchen voll und suchten die Menschen Trost im Glauben, waren sie jetzt leer.
Selbst die Begleitung der Toten war untersagt. Seit Sophokles ist es eine über dem Gesetz stehende moralische Pflicht, sie würdig zu bestatten. Und wie Antigone (442 v.C.) fühlte sich Bodo Ramelow nicht an seine eigenen Vorschriften gebunden. Ändern sich gerade die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft und erodieren die solidarischen Gemeinschaften? Giorgio Agamben beklagt, dass es uns nur noch ums nackte Überleben geht. Der Binärcode, Lebenserhaltung versus Wohlstandsverlust, reicht als Maßstab für politisches Handeln nicht aus.
Dazwischen gibt es ein weites Spektrum von Aspekten, die ebenfalls zu berücksichtigen sind. Die scheinbare Alternativlosigkeit der Entscheidungen erzeugt Widerspruch. Was können wir aus der Corona-Krise lernen? Und wie haben sich auch während anderen Epidemien Gesellschaft und Institutionen verändert?


Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit den Referenten diskutieren.

Programm

Freitag (18. September 2020)

  • 18.00 Uhr Abendessen
  • 19.30 Uhr Begrüßung und Vorstellung
    • Dr. Joachim Klose
  • 20.30 Pest und Corona: Was wir aus der Geschichte von Epidemien lernen können (Einführung ins Thema)
    • Dr. Matthis Krischel
  • Ausklang in der Scheune

Samstag (19. September 2020)

  • 08.00 Uhr Frühstück
  • 09.00 Uhr Kirche in der Corona-Krise - Zwischen Mut und Besonnenheit
    • Bischof Heinrich Timmerevers
  • 11.00 Uhr Kirche in der Glaubenskrise - Relevanz und Sozialgestalt von Kirche in der Diaspora
    • Bischof Heinrich Timmerevers
  • 12.30 Uhr Mittagessen
  • 14.30 Uhr Kaffee und Kuchen
  • 15.00 Uhr Pest und Cholera – Eine Einführung in die Geschichte von Seuchen und Seuchenschutz
    • Dr. Matthis Krischel
  • 16.30 Uhr Medizinethische Aspekte von Covid-19 Priorisierung und sozialethische Fragen zu Public-Health-Interventionen
    • Dr. Matthis Krischel
  • 18.00 Uhr Abendessen
  • Offener Abend, Spiele und ausschweifendes Leben – nicht nur in Pestzeiten

Sonntag (20. September 2020)

  • 08.00 Uhr Frühstück
  • 09.00 Uhr Abschlussrunde, Alternativen zur Alternativlosigkeit, Perspektiven in der Krise
  • 10.30 Uhr Gottesdienst
  • 12.00 Uhr Mittagessen, Abreise
Zum Kalender hinzufügen

Veranstaltungsort

Bischof-Benno-Haus
Schmochtitz 1Katholische Bildungsstätte und Tagungshaus des Bistums Dresden-Meißen,
02625 Bautzen
Deutschland
Zur Webseite

Anfahrt

Referenten

  • Dr. Matthis Krischel
    • Institut für Geschichte/Theorie/Ethik der Medizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Bischof Heinrich Timmerevers
    • Bistum Dresden-Meißen
Wappen Sachsen für Nachweis