Veranstaltungsberichte

Dialogforum Politik und Medien

von Ute Gierczynski-Bocandé

Information und Kommunikation, ein konfliktbeladenes Paar?

Politiker aller großen politischen Parteien Senegals, Medienakteure und die Vertreter zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen trafen sind in der dritten Dezemberwoche in Dakar, um auf Einladung von KAS, der senegalesischen Presseagentur und der Journalis-tenakademie der Universität Dakar das Thema „Information und Kommunikation: ein konfliktbeladenes Paar? zu diskutieren und Lösungsversuche für die immer wieder kehrenden Konflikte zwischen Presse und Politik zu erarbeiten.

Dialogforum Politik und Medien 2009

Information und Kommunikation: ein konfliktbeladenes Paar?

Politiker aller großen politischen Parteien Senegals, Medienakteure und die Vertreter zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen trafen sind in der dritten Dezemberwoche in Dakar, um auf Einladung von KAS, der senegalesischen Presseagentur und der Journalis-tenakademie der Universität Dakar das Thema „Information und Kommunikation: ein konfliktbeladenes Paar? zu diskutieren und Lösungsversuche für die immer wieder kehrenden Konflikte zwischen Presse und Politik zu erarbeiten.

Begrüßungsvorträge

Schon die Begrüßungsvorträge des Landesbeauftragten der KAS, Dr. Stefan Gehrold, des Direktors der senegalesischen Presseagentur Mamadou Koumé und der Direktorin der Journalistenakademie CESTI, Eugénie Aw, thematisierten die Dichotomie zwischen Information und Kommunikation.

Kommunikationsminister Moustapha Guirassy: Der Mensch, ein technischer Riese, aber ein politischer Zwerg

Der Kommunikationsminister Mamadou Guirassy unterstrich in seine Definition der beiden Termini folgendes : Aufgabe des Journalisten ist es, in den Augen der Gesellschaft wichtige Fakten und Ereignisse in verantwortlicher Weise zu verbreiten, er soll also « informieren ». Er muss sich aber auch die Frage stellen, warum und für wen er über etwas informiert – und dieses Hinterfragen ist ein Prozess der Kommunikation: eine Beziehung zwischen Informationsproduzenten und Informations-empfänger wird hergestellt. Unter dieser Bedin-gung ist eine verantwortliche Informationsvermittlung möglich. Information und Kommunikation sind eng verbunden. Sie seien die zwei wichtigsten Grundlagen der Demokratie, was einerseits die Meinungs- und Ausdrucksfreiheit beinhaltet, auf der anderen Seite aber auch ein starkes Verant-wortungsbewusstsein gegenüber der Gemeinschaft, um unseres gemeinsames Streben nach einem harmonischen Zusammenleben zu steigern.

„Wenn aber der Mensch ein technologischer Riese geworden ist, so müssen wir doch feststellen, dass er im Zeitalter der Informations- und Kommunikationstechnologien noch ein politischer Zwerg ist. Die Menschen beherrschen die Natur, aber sie haben es noch nicht gelernt, zusammen zu leben. Es läuft immer noch so, als ob wir nach Prometheus, der uns das Feuer gegeben hat, noch immer auf den Gott warteten, der den Austausch, die Verständigung und die Kommunikation symbolisiert und den die Griechen Hermes nannten, die Römer Merkur“.

Gegensatz zwischen Information und Kommunikation?

Der Kommunikationsprofessor der Journalistenakademie, Moustapha Gueye, arbeitete den Gegensatz zwischen Information und Kommunikation heraus und betonte, dass die Beziehungen zwischen diesen Konzepten konfliktbeladen seien. Journalisten hätten die Aufgabe, Informationen weiter zu geben, damit die Bürger sich eine Meinung bilden könnten. Hierzu gehöre insbesondere, hinter die Kulissen zu schauen und sich nicht mit vordergründigen Informationen zu begnügen. Gueye forderte die Journalisten auf, mehr Investigationsjournalis-mus zu betreiben, ernsthafte Recherchen den Vorrang zu geben, anstatt sich mit oberflächlichen Meldungen zu begnügen. Die Gefahr sei groß, dass Journalisten sich in die Falle der Kommunikation begeben.

Kommunikation im Wahlkampf

Politische Parteien beispielsweise legen viel Wert auf Kommunikation im Sinne der Werbung für ihre Ideen und Strategien. Es sei verständlich, dass Parteipolitiker Journalisten gerne für ihre Zwecke „einspannen“, insbesondere in Wahlkampfzeiten. Hier aber müssten die Journalisten sich auf ihre Aufgabendefinition besinnen und informieren, anstatt für Einzelinteressen zu kommunizieren. In diesem Sinne betonte Gueye die Notwendigkeit, an der Journalistenakademie Kommunikationskurse anzubieten, um die Journalisten für die verschiedenen Kommunikationsstrategien zu sensibilisieren und ihren Sinn für die Unterschiede zwischen Information und Kommunikation zu schärfen.

Stellung der Zivilgesellschaft

Die Referentin der Zivilgesellschaft, Juraprofessorin Fatou Kiné Camara, rief die Medien auf, auch angeblich unattraktive Themen zu behandeln, wie beispielsweise Gesetzesvorschläge zur Straffreiheit von Homosexualität, die Modernisierung des Fami-lienrechts, Bestrafung von Würdenträgern, die Kinder ausbeuten, die tatsächliche Anwendung der Gesetzte gegen Kindsmissbrauche, Vergewaltigung und eheliche Gewalt. Camara beklagte, dass vor allem die Gleichheit von Frauen und Männern vor dem Gesetz noch nicht erreicht sei und dass die Medien dieses Thema ganz einfach boykottierten und es praktisch „eine Verschwörung des Schweigens“ hinsichtlich der Frage des Zugangs von Frauen in die Wählerlisten und in Entscheidungsinstanzen gäbe.

Rolle der Medien bei der Behandlung marginalisierter Themen

In der Tat gäbe es keine einzige politische Partei, in der es auf den Kandidatenlisten für Wahlen gleichviel Frauen wie Männer gäbe. Auch die Tatsache, dass nur eine kleine Minderheit von Frauen Zugang zu Entscheidungsinstanzen hat, riefe bei den Medien keinerlei Reaktion hervor. Camara forderte sie deshalb dazu auf, ihre Informationspflicht ernst zu nehmen und die Bürger über die 40 von der Regierung und 60 von der Opposition eingegebenen Ge-setzesvorschläge zu berichten, die weiter in den Schubladen lägen, weil das öffentliche Interesse ihnen keine Aufmerksamkeit zukommen lasse.

Hier sei nicht nur die Information gefordert, sondern auch die Kommunikation: die Medien müssten durch ihre Informationen über solch bislang marginalisierte Themen zu einer Bewusstwerdung und einer öffentlichen Diskussion über dieses Problem beitragen.

Information und Kommunikation in einem Dakarer Arrondissement: die Stellungnahme einer Vizebürgermeisterin und KAS Stipendiatin

Zumindest beim KAS Dialogforum war die Genderfrage gelöst, denn von vier Referenten waren zwei Frauen. Die Vizebürgermeisterin eines Dakarer Arrondissements und anerkannte Soziologien, die bis vor kurzem KAS Stipendiatin war, Fanta Diallo, sprach in ihrem Beitrag über die Beziehungen einer gewählten Vertreterin zu den Medien.

Diallo erweiterte die Themenstellung folgendermaßen: Information und Kommunikation, ein konfliktbeladenes Paar in den Gebietskörperschaften? Hier nämlich habe die Kommunikation eine besondere Bedeutung, da das staatsbürgerliche Engagement und das Gemeinwohl würden eine zentrale Rolle einnehmen.

Information und Kommunikation für eine transparente Regierungsführung an der Basis

In diesem Sinne ist die Kommunikation in Gebietskörperschaften an ein Territorium und seine Institutionen gebunden. Sie muss die Handlungen und Entscheidungen der gewählten Vertreter deutlich machen, dies gegenüber eine bestimmten Zielgruppe, einer heterogenen Bevölkerung, die gleichzeitig mehrere Funktionen übernimmt: Benutzer öffentlicher Einrichtungen, Steuerzahler, soziales Wesen, lokaler Akteur, Bürger.

Die Amtsübergabe zwischen dem scheidenden und dem neuen Stadtrat war für Fanta Diallo ein Beispiel für gelungene Kommunikation: Die Presse war anwesend, als der neue Bürgermeister seine Besitzerklärung abgab und das neue Team vorstellt. Hiermit wurde sogleich eine Verbindung und eine Vertrauensbasis zwischen Bevölkerung und dem neuen Stadtrat hergestellt, die ihm in Zukunft die Arbeit er-leichtern wird.

Weiterhin habe der Stadtrat ein Verbraucherbüro eingerichtet, das es der Bevölkerung erlaubt, sich zu informieren und Vorschläge für Projekte und Aktionen zu machen. Außerdem wurden Räte in den verschiedenen Vierteln eingerichtet, die über die Aktionen des Stadtrates informiert werden und an einer partizipativen Entscheidungsfindung beitragen. Dies gehört zur Kommunikationsstrategie des Stadtrates.

Eine gute Informationsvermittlung in Verbindung mit einer effizienten Kommunikationspolitik in den Gebietskörperschaften und trägt maßgeblich zu einer transparenten Regierungsführung und damit zur Demokratie an der Basis bei. In vieler Hinsicht also sind Information und Kommunikation unverzichtbar.

Stellungnahmen von Parlamentariern und Senatoren

In der anschließenden Diskussion traten Parlamentsabgeordnete, Senatoren, Journalisten, Me-dienunternehmer und Vertreter der zivilgesell-schaftlichen Organisationen in einen fruchtbaren Dialog.

Ein immer wieder kehrendes Thema war die Journalistenausbildung in Senegal. Viele Teilnehmer beklagten die Qualität vieler journalistischer Beiträge. Senator Biram Ngom betonte, dass Senegal eines der afrikanischen Länder mit der größten Anzahl an Medien aller Art sei und die Meinungs- und Pressefreiheit ernst nehme. Allerdings nähmen die Journalisten ihre Verantwortung häufig nicht so ernst, da sie Informationen ohne Hinterfragen oder Nachforschung weiter gäben, was häufig zu Ver-stimmungen und anderen Problemen führe.

Das Problem der Journalistenausbildung

Der Berater im Kommunikationsministerium, Mamadou Kassé, erklärte hierauf, dass ein großes Problem in der Ausbildung bzw. Nicht-Ausbildung vieler Journalisten läge. Nur ein kleiner Teil der praktizierenden Journalisten habe die Journalistenakademie CESTI absolviert. Die Regel sei vielmehr, dass Studienabbrecher, Grundschullehrer oder an-dere Voll- oder Halbakademiker die Feder ergriffen und in den Medienbereich eintauchten, ohne die geringste Notion von redaktionellen Genres oder Berufsethik zu besitzen. Diese Konstellation sei in einem marktwirtschaftlichen Umfeld, wo ein „Skandal sich besser verkauft als eine trockene Information“ häufig explosiv. Deshalb rief Kassé die Journalisten dazu auf, sich fortzubilden. Das CESTI biete nicht nur die komplette Journalistenausbildung an, sondern auch Abendkurse und andere Fortbildungen, an denen nicht ausgebildete Medienakteure teilnehmen können.

Politiker und Journalisten: Gegner oder Partner?

Die Parteipolitikerin Suzsanne Tisseira fasste zusammen, was von vielen als eigentliches Problem zwischen Politikern und Medienakteuren aufgefasst wurde: die Politiker möchten die Journalisten gerne als Kommunikationsvektoren für ihre Zwecke einspannen und schrecken dafür auch nicht vor Methoden zurück, die in anderen Wirtschaftszweigen als Bestechung bezeichnet würden. Die Bürger aber verlangen eine unparteiische und neutrale Information, um sich eine Meinung bilden zu können. Die Journalisten müssten also zunächst einmal den Versuchungen der Politik und des Marktes widerstehen, die Bürger müssten allerdings auch mit wachem Auge und Ohr die Medien aufnehmen, um Information und Kommunikation unterscheiden zu können.