Diskussion

„Daheim an der Donau. Zusammenleben der Serben und Deutschen in der Vojvodina“

Podiumsdiskussion

Am 17. Mai fand im Kinosaal des Muzej Vojvodina eine Podiumsdiskussion zum Thema „Daheim an der Donau. Zusammenleben von Deutschen und Serben in der Vojvodina“ statt. Die Organisatoren waren das Donauschwäbische Zentralmuseum aus Ulm und die KAS.

Details

Laut historischer Angaben lebten in der Vojvodina vor dem Zweiten Weltkrieg fast 400.000 Deutsche, deren Vorfahren vor ungefähr 300 Jahren aus dem süddeutschen Raum die Donau entlang in die Batschka (Nordvojvodina) kamen. Sie haben die gesamte Kultur in der Vojvodina mitgeprägt und friedlich mit Serben und anderen ethnischen Gruppen zusammengelebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Deutschen vertrieben. Diejenigen, die nicht flohen, wurden zu einem großen Teil interniert und enteignet. Nur wenige Deutschstämmige leben noch heute in der Vojvodina.

Das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm hatte die Idee, nach gut 60 Jahren die Geschichte darzustellen. Der Öffentlichkeit wurde durch eine Ausstellung mit einleitender Podiumsdiskussion, die von der Konrad Adenauer Stiftung unterstützt wurde, die Thematik zugänglich gemacht. Die Ausstellung wurde am 15. Mai im Muzej Vojvodina eröffnet und während der Langen Nacht der Museen (16. Mai) von den fast 10.000 Besuchern angeschaut.

An der Podiumsdiskussion am 17. Mai nahmen teil:

-Dr. Zoran Janjetovic, Historiker vom Institut für neuere Zeitgeschichte, Belgrad

-Hans Suptitz, Vorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, Ulm

-Stefan Barth, Donauschwabe aus Futog, Autor des Buches „Ein Junge aus der Nachbarschaft“, Erlangen

Moderator war der Journalist, Nenad Stefanovic, Experte zum Thema Donauschwaben in der Vojvodina.

Zu den meist gestellten Fragen gehörten: Welche Beziehungen gab es zwischen Serben und Deutschen in der Vojvodina vor dem Zweiten Weltkrieg? H. Supritz und St. Barth konnten aus eigenen Erfahrungen und Anschauungen erzählen. Dr. Janjetovic hat mit wissenschaftlichen Beiträgen die Diskussion bereichert. Beide Kulturen, die serbische und die deutsche, haben sich gegenseitig in der Sprache, der Küche und der Sitten geprägt. Zwei Donauschwaben betonten, dass sie als Kinder dreisprachig aufgewachsen sind (Deutsch, Serbisch und Ungarisch) und dass ihre Eltern gute Beziehungen zu den Nachbarn, die nicht nur Serben waren, pflegten.

Die Schwierigkeiten entstanden kurz vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. So interessierten die Teilnehmer auch die Beziehungen der deutschen Kulturbünde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zu den Nationalsozialisten und der SS. Die Verbindungen wurden sowohl institutionell wie auch persönlich beleuchtet. Es wurde deutlich, dass die Erweckung des Nationalbewusstseins der Deutschen seitens der Nationalsozialisten missbraucht wurde.

Die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der Nach-kriegszeit wurden ebenfalls thematisiert. Auch die beiden anwesenden Donauschwaben wurden als Kinder mit ihren Eltern und Verwandten in Lagern interniert.

Stefan Barth hob zwei Hauptprobleme für die weitere Zusammenarbeit von Serben und Deutschen hervor:

1. Die Schuld, die auf den Donauschwaben, die den Nationalsozialismus mitgetragen haben, lastet.

2. Die Restitution der deutschen Güter in der Vojvodina. Das bedeutet aber nicht, dass Deutsche erneut in die Vojvodina kommen möchten.

Wiedergutmachungsprozesse laufen bereits zwischen Deutschen und Russen, sowie zwischen Deutschen und Franzosen. Schwieriger gestaltet sich aber noch der Prozess der Versöhnung zwischen Deutschen und Serben. Deutsche Wissenschaftler hätten im Vergleich dazu beispielweise nicht die Möglichkeit, serbische Archive zu nutzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg, so die Meinung aller Diskussionsteilnehmer, war das Zusammenleben von Serben und Deutschen in der Vojvodina friedvoll, harmonisch und gegenseitig bereichernd. Dies könnte eine Basis für neue Freundschaften sein. Reue von beiden Seiten wäre erwünscht, da es um die Verquickung historischer Umstände und individuelle Schuld geht.

Die Ausstellung ist bis zum 23. August 2009 geöffnet. Sie ist auch ein Zeugnis für ein gelungenes Zusammenleben in der Region.

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Veranstaltungsort

Novi Sad

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Jelena Jablanov Maksimović

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