Studien- und Informationsprogramm

Soziale Seminare für Multiplikatoren in Südosteuropa

Das erste von insgesamt drei für 2010 geplanten Sozialen Seminaren für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Südosteuropa fand vom 27. Februar bis zum 05. März in Münster statt.

Details

Die Veranstaltung wurde von der Akademie Franz-Hitze-Haus Münster in Zusammenarbeit mit dem Sozialinstitut Kommende Dortmund und der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert.

Das Soziale Seminar in Münster war das erste von insgesamt drei geplanten Seminaren für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Serbien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien und Rumänien. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von ihren jeweiligen Kirchen und Religionsgemeinschaften bzw. kirchennahen Nichtregierungsorganisationen geschickt. Das Ziel des Seminars in Münster bestand darin, den Anwesenden die Grundkenntnisse über die Durchführung von Sozialen Seminaren zu vermitteln sowie über die Bildungsarbeit in diesem Rahmen. Dadurch sollten die Voraussetzungen nicht nur für die Ein- und Durchführung von Sozialen Seminaren in Südosteuropa geschaffen werden, sondern auch die unbedingt notwendige Anpassung solcher Fortbildungsmaßnahmen an die Verhältnisse im jeweiligen Veranstaltungsland erleichtert werden.

Die Idee für die Durchführung von Sozialen Seminaren in Südosteuropa und für die dafür erforderliche Multiplikatorenschulung stammt vom Bischof Josef Hohmeyer aus Hildesheim und basiert auf der jahrzehntelangen Erfahrung der katholischen Bistümer in Deutschland mit Veranstaltung von Sozialen Seminaren. In Deutschland bieten solche Seminare seit den frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts allen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, sich im Rahmen von ein- oder zweijährigen Fortbildungsprogrammen mit der Soziallehre der Katholischen Kirche und mit anderen relevanten Inhalten vertraut zu machen. Durch die Sozialen Seminare leistet die Katholische Kirche in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der sozialen Verantwortung und zur Förderung des sozialen Engagements.

Die Leiter des Sozialen Seminars für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Südosteuropa waren Dr. Martin Dabrowski von der Akademie Franz-Hitze-Haus Münster und Herr Detlef Herbers vom Sozialinstitut Kommende Dortmund. Das Programm bestand aus Vorträgen von Seminarleitern oder Gastreferenten einerseits und aus Gruppenarbeit andererseits. Es wurden drei theoretische Themenbereiche behandelt: Das Verhältnis und der Dialog zwischen Religion und Gesellschaft, Markt und Wettbewerb in der Sozialen Marktwirtschaft und Demokratie, Rechtsstaat und politische Beteiligung. In diesem Zusammenhang konnten die Anwesenden folgende Referenten kennen lernen: Dr. Alexander Filipovic (Das Verhältnis und der Dialog zwischen Religion und Gesellschaft), Bischof Dr. Josef Hohmeyer, Dr. Detlef Aufderheide (Markt und Wettbewerb in der Sozialen Marktwirtschaft), Dr. Paul Kevenhörster (Demokratie, Rechtsstaat und politische Beteiligung), Detlef Herbers (Grundlegendes zum Veranstalten von Sozialen Seminaren) und Dr. Martin Dabrowski (Das Konzept der Sozialen Seminare). Im Anschluss an Referate fanden jeden Tag Gruppenarbeit und Meinungsaustausch über die Ergebnisse statt. Das Ziel einer solchen Vorgehensweise war es, die geeigneten Methoden dafür zu finden, das Konzept der Sozialen Seminare an die Verhältnisse im jeweiligen Veranstaltungsland anzupassen. Die Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es dabei, einen Plan für die weiteren Schritte in ihren Ländern zu entwickeln. In diesem Sinne war es vor allem wichtig, das Rahmenprogramm für die ersten Sozialen Seminare in den einzelnen Veranstaltungsländern zu entwickeln.

Wie schon eingangs erwähnt, stellt das Seminar in Münster nur die erste von insgesamt drei Phasen der Multiplikatorenschulung. Im Laufe des Jahres 2010 folgen zwei weitere Seminare dieser Art, das eine in Südosteuropa und das andere in Brüssel. In der ersten Nachfolgeveranstaltung soll dabei das Thema Interreligiöser Dialog behandelt werden. Als Veranstaltungsort haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Stadt Ohrid in Mazedonien vorgeschlagen. Das Seminar in Brüssel soll den Aspekten von europäischen Einigungsprozessen gewidmet werden. Parallel zu diesen Multiplikatorenschulungen sollen auch die ersten lokalen Sozialen Seminare in Südosteuropa durchgeführt werden. Ihre endgültige Form und Intensität sollen die lokalen Sozialen Seminare dann im Jahr 2011 erreichen.

Von den rumänischen und manchen bulgarischen Teilnehmern abgesehen, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin einig, dass die wörtliche Übersetzung der Bezeichnung „Soziales Seminar“ in ihre Landessprachen als äußerst unvorteilhaft zu betrachten ist, weil sie zu ungenau ist und zu stark an negativ konnotierte Formulierungen wie „Sozialhilfe“, „Sozialhilfeempfänger“, „Sozialamt“, „sozial Schwache“ usw. erinnert. Aus diesem Grund haben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bemüht, eine adäquate Lösung zu finden. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Bulgarien wollten ihr Soziales Seminar: "Orientierung für Verantwortung" benennen, und die Gruppe aus Bosnien und Herzegowina hat sich für die Bezeichnung „Europäischer Dialog für die/unsere Zukunft“ entschieden und für das entsprechende Kurzwort EDZ (bzw. EDB auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch). Die serbische Gruppe hat sich dagegen auf die Lösung „CREDO – Centrum für Entwicklung der Sozialen Verantwortung“ (CREDO – Centar za razvoj drustvene odgovornosti) im Bezug die Einrichtung und für „Programm für Entwicklung der Sozialen Verantwortung“ im Bezug auf die Fortbildungsmaßnahmen als solche geeinigt. Die endgültige Benennung muss jedoch aus den Gesprächen mit den Vertretern der Orthodoxen Kirche in Serbien und der Römisch-katholischen Kirche hervorgehen, um auf diese Art und Weise eine allseitig erwünschte Lösung zu gewährleisten.

Das Seminar in Münster verlief in einer außerordentlich freundlichen und offenen Atmosphäre, vor allem zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bosnien und Herzegowina einerseits und ihren Kolleginnen und Kollegen aus Serbien andererseits. In diesem Sinne darf man davon ausgehen, dass das Münsterer Seminar den Ausgangspunkt einer künftigen intensiven Zusammenarbeit in und zwischen den genannten Ländern darstellt. Diese Zusammenarbeit sollte durch entsprechende Treffen und Zusammenkünfte gewehrleistet werden, aber auch mit Hilfe einer vom Dr. Martin Dabrowski schon eingerichteten gemeinsamen Internetplatform.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren im Bezug auf die Gründung und Durchführung von lokalen Sozialen Seminaren in Südosteuropa sehr optimistisch. Dabei fiel auf, dass sich die eingeladenen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausnahmslos durch hohe Professionalität auszeichnen, sowie durch ihre hohe Motivation, äußerst aktiv zur Verwirklichung dieses Projektes beizutragen. Sie zeigten sich fest davon überzeugt, dass solche Ausbildungszentren und –programme einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen und die Menschen zu einem aktiven, verantwortungsbewussten und religiös motivierten sozialen Engagement bewegen könnten.

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Veranstaltungsort

Münster

Kontakt

Jelena Jablanov Maksimović

Jelena Jablanov Maksimović bild

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