Studien- und Informationsprogramm

Studenten und ehemalige politische Häftlinge in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

mit Institut für Nationales Gedächtnis/UPN

Die besten Studententeams, die im Jahr 2009 an dem Projekt Die Unsichtbaren Helden im Kampf gegen Kommunismus teilnahmen, und eine Gruppe von ehemaligen politischen Häftlingen aus der Slowakei besuchen die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Details

Brief der Organisatoren an die KAS

Sehr geehrter Herr Gehring,

Wir sind Ihnen sehr dankbar für Ihre Unterstützung des Projektes Unauffällige Helden im Kampf gegen Kommunismus.

Dank Ihrer Unterstützung konnten wir Berlin besuchen, wo uns nach der anstrengenden Fahrt eine hervorragende Übernachtung erwartete. So konnten wir schon früh morgens das Stadtzentrum besichtigen und dabei die Berliner Mauer, das Brandenburger Tor, den Reichstag und das Pergamon Museum und das Neue Museum besuchen. Danach haben wir um 12 Uhr ein erfrischendes Mittagessen bei den „12 Aposteln“ gegessen.

Die Teilnehmergruppe wurde vor allem von Studenten und Schülern mit ihren Lehrern aus mehreren Schulen gebildet, welche an dem Projekt Unauffällige Helden 2009 teilgenommen haben. Ferner waren auch ehemalige politische Gefangene aus der Slowakei dabei.

In ihren Präsentationen im Rahmen des oben erwähnten Projekts haben die Studenten das Schicksal und die Lebensgeschichte der unauffälligen Helden erfasst, welche in dem Kampf für Freiheit und Demokratie in unseren Gefängnissen landeten, oft lebenslang verfolgt waren oder sogar ihr Leben verloren haben. Dennoch entstand in der Slowakei keine Gedenkstätte, die dem Museum der Stasi in Berlin ähnlich wäre. Gerade die Gedenkstätte im Berliner Stasi-Gefängnis hat die Teilnehmer tief beeindruckt. Für die Studenten, Schüler und Lehrer wurde das erlernte, das gelesene und das gehörte ganz lebendig und realistisch. Die älteren Teilnehmer haben ihre eigenen Lebensgeschichten mit dem Schicksal der deutschen politischen Häftlinge verglichen und sich ihres Leidens erinnert. Einige von ihnen haben sich entschlossen, über ihre eigenen Erfahrungen mit den jungen Menschen zu sprechen, damit es nicht in Vergessenheit gerate. Alle haben sich die gleiche Frage gestellt: warum wird dieses Thema in der Slowakei nur so selten diskutiert? Warum gibt es bei uns kein ähnliches Museum?

Während der Busfahrt wurden Filme vorgeführt, die sich mit den Schrecken der totalitären Regime auseinandersetzten. Es gab auch die Möglichkeit zu einem Erfahrungsaustausch zwischen den ehemaligen Gefangenen oder Ihren Familienmitgliedern und den Studenten.

Eine Studentin hat uns nach der Rückfahrt geschrieben: „ Berlin gefiel mir sehr, es ist eine ganz andere Welt im Vergleich zur Slowakei. Das Pergamonmuseum faszinierte mich. Es war, als ob ich in Griechenland wäre. : ) Es war wirklich Super. Von dem Stasi-Gefängnis wurde ich jedoch auf eine ganz andere Weise tief betroffen. Der Besuch der Gefängniszellen und die Erzählung der Begleiterin weckte in mir ein Gefühl des Unrechts, das die Menschen hier erleben mussten. Ich bin eine empfindliche Person, aber ich möchte auch in der Zukunft über solche Sachen mehr erfahren. Ich konnte mir meinen Großvater in diesen Räumen vorstellen. Er hat das alles bei uns in der Slowakei erlebt, und ich habe jetzt viel besser verstanden, wie schlimm die Zeiten und sein Schicksal damals waren. Ich kann mich zwar mit dem ganzen Geschehen nicht ganz identifizieren, dennoch hat dieses Erlebnis auf mich eine tiefe Wirkung gehabt, und ich werde mich bemühen, mehr über diese Zeiten zu erfahren und darüber weiter zu erzählen.“

Ähnliches haben auch die politischen Häftlinge geschrieben: „Der Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses war für uns zwar schmerzlich aber höchst interessant. Während des Besuches bekamen wir Gänsehaut. Als wir gehört haben, wie grausam dort die Menschen gefoltert wurden, nur weil sie anders als die Mächtigen das Leben und die gesellschaftliche Ordnung betrachteten! Und sehr oft ging es auch um eine persönliche Rache. Ähnliche, vielleicht nicht immer genauso grausame Erfahrungen hatten wir auch in der ehemaligen Tschechoslowakei mit der Staatssicherheit in den 50er Jahren, sowie auch später gemacht.

Auch diese Reaktionen bestätigen die Bedeutung dieser Veranstaltung und sind für uns eine Herausforderung, über die Gründung eines ähnlichen Museums in der Slowakei nachzudenken. Wir glauben, dass es gerade zusammen mit diesen Studenten und anderen zukünftigen Teilnehmern des Projektes Unauffällige Helden einmal möglich sein wird, eine Diskussion in der Gesellschaft zu diesem Thema zu eröffnen. Und wir hoffen, dass es nicht mehr lange dauern wird, dass auch die slowakische Gesellschaft die Gründung eines ähnlichen Museums verlangen wird.

Wir bedanken uns noch einmal für die gute Zusammenarbeit und Ihre volle Unterstützung bei unserem Programm nicht nur in unserem Namen, sondern auch im Namen aller Teilnehmer, die diese Reise und das Programm nicht vergessen werden.

Mit freundlichen Grüßen

František Neupauer, Projektleiter

Lenka Bernátová, Projektmanager

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Veranstaltungsort

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Kontakt

Gabriela Tibenská

Projektkoordinatorin

gabriela.tibenska@kas.de +421 910 526 300
Studenten und ehemalige politische Häftlinge in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Bereitgestellt von

Verbindungsbüro Slowakei