Droht nach den massiven Eingriffen der Staaten (Konjunkturpakete) und Zentralbanken (expansive Geldpolitik) eine hohe Inflationsrate?

Kurzfristig sieht es nicht danach aus: Die Preise für viele Waren und Dienstleistungen in Deutschland sinken (z.B. einige Lebensmittel, Energieprodukte durch Preisverfall beim Rohöl). Eine wichtige statistische Kennziffer für Preisstabilität, die Kerninflationsrate (sie wird ohne schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise berechnet) ist bislang recht stabil. Befürchtungen, es könne in Deutschland zu einem Rückgang des Preisniveaus auf breiter Front - ausgelöst durch die krisenbedingte Nachfrageschwäche - kommen (Deflation), haben sich bislang nicht bewahrheitet. In einigen Staaten des Euro-Raums (z.B. Spanien, Irland) ist die Sorge vor einer Deflation aber nicht unbegründet.

Langfristig könnte die enorme Ausweitung der Geldmenge (sie umfasst Bargeld sowie die Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank) aber die Inflationsraten weltweit in die Höhe treiben (Inflationsdruck). Noch wirkt die Liquiditätsflut nicht unmittelbar preistreibend, weil viele Banken Geld horten und Kredite an die Wirtschaft oder Verbraucher nur noch zögerlich vergeben (→ Frage: Bekommen die Unternehmen noch ausreichend Kredite oder leiden sie unter einer „Kreditklemme“?). Die Krise lehrte aber auch: Eine stabile Inflationsrate ist keine umfassende Garantie dafür, dass „Spekulationsblasen“ vermieden werden, da steigende Preise für Vermögenswerte nicht in die Berechnung einfließen. Überschüssige Liquidität kann also dazu führen, dass bestimmte Vermögenswerte (Immobilien, Edelmetalle, Aktien) aufgebläht werden, die durch die Inflationsrate nicht abgebildet werden.

Der Lackmustest für die Notenbanken beginnt, wenn die globale Konjunktur sich wieder erholt, die Kreditvergabe ausgeweitet wird und wieder Geld in die Realwirtschaft fließt. Dann müssen die Zentralbanken die überschüssige Liquidität wieder zurückführen, um neue Spekulationsblasen zu verhindern. Diese Maßnahme wird einen Aufschwung tendenziell dämpfen und die Zinslast vieler Schuldner (auch von Staaten) erhöhen. Insofern ist die Maßnahme für einige Akteure unliebsam. Es wird von der Unabhängigkeit und der institutionellen Zielsetzung der jeweiligen Notenbank abhängen, ob dies gelingt. Der amerikanischen Notenbank FED kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, weil sie indirekt auch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank beeinflusst. Einige kleinere asiatische Volkswirtschaften und Australien (als erstes Mitglied der G20) haben bereits begonnen, die Leitzinsen wieder zu erhöhen, während EZB und FED bisher noch an den historisch niedrigen Zinssätzen festhalten.