Veranstaltungsberichte

"Claves de la economía española. Retos y oportunidades"

Buchpräsentation und Veranstaltung zur Sozialen Marktwirtschaft in Spanien

Das Interesse am deutschen Modell einer „Sozialen Marktwirtschaft“ ist in Spanien groß – das Land steht vor einer Neuausrichtung seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dazu hat das KAS-Büro Madrid, in Kooperation mit dem Institut Choiseul, die neueste Ausgabe der akademischen Buchreihe „Geoeconomía“ vorgestellt – Thema: „Schlüsselfragen zur spanischen Wirtschaft – Herausforderungen und Chancen“. Zu den Autoren gehören EU-Kommissar Günther H. Oettinger, der das Ordnungsmodell der Sozialen Marktwirtschaft und seine Bedeutung für die spanischen und europäischen Reformanstrengungen darstellt, der spanische Außenminister José Manuel García-Margallo, der Präsident des spanischen Arbeitgeberverbandes, Joan Rosell, und Elvira Rodríguez, Vorsitzende der nationalen Wertpapierkommission.

Vorgestellt wurde das Buch im Rahmen einer Konferenz an der renommierten Universität CEU San Pablo. In seiner Begrüßung verwies der Leiter des KAS-Büros in Madrid, Thomas B. Stehling, darauf, dass die Eurokrise ihren Wendepunkt erreicht habe, der drohende Zerfall des Euroraumes durch die Verknüpfung von „nationaler Solidität und europäischer Solidarität“ abgewendet werden konnte. Zugleich sei aber offenkundig, dass weder die Bankenkrise, noch die Probleme, die sich aus der extremen Verschuldung vieler Staaten ergeben, endgültig überwunden seien. Spätestens der Ausgang der Wahlen zum Europäischen Parlament habe gezeigt, dass die Hoffnung auf Besserung und die Einsicht, dass der eingeschlagene Reformkurs am Ende unvermeidlich war, längst nicht von allen geteilt werde. Es komme deshalb jetzt darauf an, nicht allein „die notwendigen Reparaturen an unserem gemeinsamen Haus Europa fortzusetzen, sondern auch über seine Architektur und Statik mit allen Bewohnern zu sprechen“. Die Konrad-Adenauer-Stiftung wolle zu dieser Debatte über die Leitlinien, Grundlagen und Strukturen einer gemeinsamen Wirtschaftsordnung beitragen. Ein Einvernehmen darüber sei Voraussetzung für weitere Integrationsschritte. Für die meisten Deutschen sei dabei ersichtlich, dass das Model der Sozialen Marktwirtschaft dazu beigetragen habe, Krisen leichter zu überwinden und gemeinsam neue Chancen zu erschließen. Es habe Deutschland einen nie dagewesenen Wohlstand, eine stabile gesellschaftliche Ordnung und inneren Frieden gebracht.

In seinem Vortrag gab Prof. Dr. Nils Goldschmidt (Universität Siegen) den Zuhörern einen Überblick über die Genese der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem erörterte er ihre zukünftigen Herausforderungen. Mit Blick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa sagte der Volkswirt: „Eine gerechte Gesellschaft – und eine Soziale Marktwirtschaft wie sie in ihrer Grundkonzeption angedacht war – wird sich auch in Zukunft daran messen lassen müssen, inwiefern es ihr gelingt, allen Mitgliedern der Gesellschaft Möglichkeiten für ein gelingendes Leben zu eröffnen“.