Veranstaltungsberichte

Deradikalisierungs- und Reintegrationszentren für Frauen und Kinder, die Opfer von ISIS wurden

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Büro Syrien/Irak, und Yahad - In Unum unterstützen die Überlebenden des ISIL-Terrors in den Lagern für Binnenvertriebene bei der sozialen Wiedereingliederung. Gleichzeitig tragen sie zu ihrer Deradikalisierung bei, um der potenziellen Gefahr gerecht zu werden, die sie sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft darstellen. Ein besonders relevanter Aspekt, da viele von ihnen in europäischen Ländern Asyl beantragen, insbesondere in Deutschland, wo viele Verwandte haben und eine Familienzusammenführung möglich ist.

Im August 2014 kam es in der Sinjar-Region zu Zusammenstößen zwischen den kurdischen Peshmerga und ISIS. Bei den Kämpfen massakrierten, vergewaltigten und versklavten ISIS-Kämpfer Tausende Jesiden, eine kurdische Minderheit, die von ISIS aufgrund ihrer Religion und Herkunft als „ungläubig“ betrachtet wird. Die Jesiden wurden gefoltert, sexuell versklavt, zur Konversion gezwungen und als Kinderterroristen eingesetzt. Das wahre Ausmaß der Verbrechen gegen diese ethnische und religiöse Minderheit ist nach wie vor schwer zu beweisen, da viele Menschen vermisst werden und ihre Leichen nicht identifiziert werden konnten.

Seit 2016 hilft Yahad - In Unum den jesidischen Überlebenden des Völkermords. „Action Yazidis“ ist eine Initiative der französischen Vereinigung Yahad - In Unum, einer gemeinnützigen Vereinigung, die 2004 von Pater Patrick Desbois gegründet wurde. Das gemeinsame Projekt begann mit der Sammlung von Zeugenaussagen von jesidischen Opfern. Bis heute haben wir mehr als 300 Überlebende interviewt. Diese gefilmten Zeugenaussagen ermöglichen es, die von den Jesiden erlebten Schrecken darzustellen und den Überlebenden endlich die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen des Völkermords zu äußern und sich bei der internationalen Gemeinschaft dafür einzusetzen, dass dieser als solcher anerkannt wird. Im Dezember 2016 nahm die Nationalversammlung eine Resolution an, in der die Anerkennung des von ISIS im Irak und in Syrien an religiösen Minderheiten begangenen Völkermords gefordert wird. Ziel ist es, dem Internationalen Strafgerichtshof die Zuständigkeit für die Verfolgung der Verbrecher zu übertragen. Doch selbst danach kann man die von jahrelanger Gewalt gezeichneten Opfer nicht sich selbst überlassen. Aus diesem Grund unterstützt Yahad-In Unum seit 2016 die Opfer auch durch psychosoziale und de-radikalisierende Betreuung in drei Binnenvertriebenenlagern in Irakisch-Kurdistan; Kadia, Cham Mushko und Kabartu.

Die Angebote richten sich insbesondere an zwei Bevölkerungsgruppen: zum einen an die jesidischen Frauen, die lange Zeit in Gefangenschaft waren und zum anderen an die jungen erwachsenen Jesiden, die aus den Händen des ISIS zurückgekehrt sind.

Frauen, die ISIS überlebt haben, erlernen neue Fertigkeiten im Nähen. Sie haben hieran ein besonderes Interesse, da eine Rückkehr in ihre Herkunftsgebiete potenziell bevorsteht, nachdem die irakische Regierung beschlossen hat, alle Lager im ganzen Land zu schließen. Dies wurde von den Vereinten Nationen stark kritisiert. Das Ziel dieses Kurses besteht nicht nur darin, die Frauen zu ermutigen, das Nähen zu erlernen, sondern auch darin, Bedürftige im Lager mit der während des Kurses hergestellten Kleidung zu versorgen. Außerdem gründeten eine Reihe der Frauen ihre eigenen Unternehmen, die entweder in Heimarbeit oder in Lokalitäten in den Lagern Kleidung herstellen.

Eines der Projektziele war die Stärkung der Koexistenz zwischen den Jesiden und Muslimen im Lager. In den ersten Kursen herrschten noch Animositäten zwischen den Bevölkerungsgruppen, so wurden anfänglich einige Zusammenstöße gemeldet. Nun jedoch verlaufen die Kurse reibungslos und die Akzeptanz nimmt dank des Projekts stetig zu.

Kontakt

Christine Abdel Massih

 Christine Abdel Massih

Projektkoordinatorin

christine.abdelmassih@kas.de +961 1 388 061/62 +961 1 388 064