Veranstaltungsberichte

Irakisch-Syrische Grenze, ehemalige IS-Gebiete und Rahmenbedingungen für Stabilisierung und Regierungsführung

Die irakisch-syrische Grenzregion, die in den letzten zehn Jahren wesentlich von Konflikten betroffen war, erlebte Bürgerkrieg, Staatszerfall, den Aufstieg von Milizen und nicht-staatlichen Akteuren. Diese Prozesse hatten erhebliche Auswirkungen auf die gemeinsame Grenze der beiden Länder und auf die Bevölkerung in den angrenzenden Gebieten. Zur Analyse und Diskussion der irakisch-syrischen Grenze, den ehemaligen IS-Gebieten und den Rahmenbedingungen für Stabilisierung und Regierungsführung organisierte das Syrien/Irak-Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Partnerschaft mit dem Carnegie Middle East Center einen Workshop in Beirut.

Der Workshop brachte Experten und Wissenschaftlicher, lokale Führungspersönlichkeiten und Amtsträger aus den Provinzen Ninawa und al-Anbar, Irak, mit dem Ziel zusammen, die sich abzeichnenden Dynamiken auf beiden Seiten der Grenze zu identifizieren und zu analysieren, sowie die Wiederherstellung der Beziehungen zum Zentrum im Irak und in Syrien, die grenzübergreifenden Beziehungen, die neuen lokalen Akteure und die Auswirkungen geopolitischer Rivalitäten und externer Mächte zu untersuchen. Darüber hinaus zielte die Aktivität auch darauf ab, eine Dialogplattform für die Bewohner und Amtsträger der Grenzprovinzen zu schaffen.

Die Teilnehmer erörterten die Herausforderungen der Regierungsführung und der Stabilität in der Provinz Ninawa, in der die Jesiden, eine ethnische und religiöse Minderheit, leben. Nach dem Sturz des IS ist die Lage in der Stadt Sinjar in Ninawa aufgrund der Präsenz zahlreicher bewaffneter Milizen mit unterschiedlichen Interessen und des Mangels an Wiederaufbau und Unterstützung durch die Regierung immer noch äußerst prekär. Die Mitglieder aller ethnischen Gruppen waren sich einig, dass die Jesiden Gerechtigkeit für die an ihrer Gemeinschaft begangenen Verbrechen verdienen und an der politischen und sozialen Zukunft der Region beteiligt werden müssen.

Insbesondere die teilnehmenden Stammesführer und Funktionäre betonten, dass die vier Jahre unter Herrschaft des IS nicht nur das soziale Gefüge zerrüttet und ganze Dörfer und Familien in eine Notlage versetzt, sondern auch ein erhebliches Maß an physischer Zerstörung verursacht haben. Der Wiederaufbauprozess ist beunruhigend langsam, und der IS wurde nicht vollständig besiegt, sondern ist immer noch in der Region aktiv. Was die Hoffnung auf eine bessere Zukunft weckt, sind die reichhaltigen natürlichen Ressourcen der Region (ausgedehnte Gas- und Ölfelder), die Beschäftigungsmöglichkeiten und Wohlstand hervorbringen könnten. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist für die Region von entscheidender Bedeutung und würde nicht nur den Provinzen, sondern auch dem ganzen Land zugutekommen.

Im Nachhinein betrachtet sind die dringendsten Probleme in beiden Provinzen zum einen das enorme Ausmaß der Zerstörung und das Fehlen staatlich geförderter Wiederaufbauprojekte und zum anderen das zerstörte soziale Gefüge und ein Klima des Misstrauens zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, die vor dem Aufstieg des IS friedlich koexistierten. Die Region befindet sich nach wie vor in einem prekären Zustand, sowohl in Bezug auf Sicherheit, Lebensunterhalt und Politik, und es besteht ein dringender Bedarf an nationaler und internationaler Hilfe und Intervention.

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Maha Haddad

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