Veranstaltungsberichte

Syrian Academy for Non-Violent Change in Syria

Nach acht Jahren Krieg in Syrien sind Projekte zu politischer Selbstbestimmung dringend erforderlich, um die Grundlage für einen langfristigen demokratischen Übergangsprozess zu schaffen. Als Beitrag zu diesem Bedürfnis nach gewaltfreiem politischem und zivilem Engagement gründete das Syrien/Irak-Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Zusammenarbeit mit Hamzet Wasel die Syrian Academy for Non-Violent Change. Dort werden junge Syrern mit dem notwendigen Wissen, als auch den praktischen Werkzeugen und Kompetenzen ausgestattet, um sich effektiv in der Politik zu engagieren und damit die Zahl der Jugendlichen zu erhöhen, die zukünftig an der Spitze des demokratischen Wandels in Syrien stehen können.

Seit Ausbruch des Krieges im Jahr 2011 ist die syrische Gesellschaft auf vielen Ebenen tief gespalten. Während der Schwerpunkt des Engagements der internationalen Gemeinschaft hauptsächlich auf humanitären und Notfallmaßnahmen liegt, ist es dringend erforderlich die syrische Bevölkerung, insbesondere die Jugend, in die Gestaltung der Zukunft ihres Landes miteinzubeziehen. Zu diesem Zweck initiierten KAS und Hamzet Wasel ein Programm für junge Syrer, bestehend aus Kursen über Politik und die Grundprinzipien der Demokratie, um ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst zu Treibern gewaltfreier Veränderung in ihrem Land werden zu können. Genauer gesagt ist es das Ziel des Programms, jungen Menschen politikwissenschaftliche Theorien, aber auch praktisches Engagement und Beteiligung am demokratischen Wandel näherzubringen, sie zu befähigen, die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten bezüglich demokratischer Partizipation und friedlichen Wandels anwenden zu können und einen offenen Raum für einen Dialog zwischen jungen Syrern aus verschiedenen Regionen und mit diversen sozialen Hintergründen zu schaffen.

Die Syrian Academy for Non-Violent Change ist ein fortlaufendes Projekt, dessen erste Phase im März 2019 mit 25 Teilnehmern aus Syrien und dem Libanon startete. Im März, April und Juli 2019 fanden drei jeweils viertägige Workshop-Schulungen für diese Teilnehmer statt. Der erste Workshop führte die Teilnehmer in die Grundlagen der Politikwissenschaft ein und schuf damit die Basis für das Verständnis von politischen Strukturen und einem politischen Bewusstsein. Im Anschluss an diese Grundlagenarbeit konzentrierte sich der zweite Workshop auf Demokratieformen in modernen Staaten, politische Rechte und die Ausübung dieser Rechte durch Parlamente, Kommunen, politische Parteien und Wahlen. Neben der Erweiterung des Wissens der Teilnehmer über demokratische Institutionen und Elemente eröffneten die Kurse den Teilnehmern zudem neue Perspektiven, wie sie ihre politischen Rechte praktizieren und sich für zivilgesellschaftliche Anliegen einsetzen können. Nach einem Überblick über die politische Geschichte und soziale Struktur Syriens wandten die Teilnehmer im letzten Workshop schließlich das erworbene Wissen auf den syrischen Fall an. Neben dem Aufbau von fundiertem Wissen über die in den Workshops behandelten Themen, die mit verschiedenen Wegen des gewaltfreien gesellschaftlichen Wandels und internationalen politischen Werten verbunden sind – und bisher im syrischen Bildungssystem fehlen – trainierten die Teilnehmer zusätzlich ihre erworbenen Fähigkeiten, indem sie analytische Forschungsarbeiten zu individuell ausgewählten politischen Themen verfassten. Im Oktober 2019 fand in Fortführung der ersten Kursreihe ein vierter Workshop zu den Themen Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit statt, der den Teilnehmern die Schaffung von Grundlagen für eine friedliche Transformation der Gesellschaft näherbrachte.