Veranstaltungsberichte

Deutschlandseminar für Journalisten aus Westafrika

Inlandsprogramme der Adenauer-Stiftung

Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung waren in der letzten Woche Journalisten aus Westafrika zur Wahlbeobachtung in Bremen. Das Besucherprogramm wurde vom Team Inlandsprogramme organisiert und wurde von Elke Erlecke, Leiterin des Regionalprogramms Politischer Dialog Westafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung, begleitet.

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Die Delegation mit Frau Erlecke traf die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Elisabeth Motschmann, CDU-Spitzenkandidatin bei der Bürgerschaftswahl in Bremen

Fragilität der Staaten, Konzentration auf wenige handelnde, aber umso mächtigere Personen, strukturell unterentwickelte Parteien und eine defizitäre Innen- und Außenkommunikation der Parteien: in diesem Umfeld finden Wahlen in Westafrika statt. Das Jahr 2015 ist mit zwei Präsidentschafts, Kommunal- und Parlamentswahlen in vier Staaten des Regionalprogrammes ein Superwahljahr. Eine vierte Gewalt wie in der Bundesrepublik Deutschland als Kontrollorgan politischer Prozesse hat sich bislang nicht institutionalisieren können. Medien können in den seltensten Fällen das Ziel objektiver politischer Berichterstattung verfolgen. Journalisten definieren sich meistens als Schreiber im Auftrag dritter. Sie verfügen weder über angemessene, ihre Unabhängigkeit garantierende regelmäßige Gehälter noch über eine grundlegende technische Ausstattung (Papier- und Farbmangel bzw. Zuteilung). Mangelndes journalistisches Handwerk geht oft einher mit fehlendem journalistischen Ethos. Die quasi Nicht-Existenz unabhängiger Medien wird besonders in (Vor-)Wahlzeiten virulent. Unabhängige Berichte über Kampagnen und Kandidaten sucht man vergebens.

Zu den ohnehin vorhandenen Schwierigkeiten tritt in den letzten Monaten, ausgelöst durch die Vorgänge um Charlie Hebdo, eine Intensivierung der Diskussion um die Rolle der Presse in der Region. Hitzige Diskussionen gab es allerorten nach den Attentaten in Paris. In Niger aber eskalierten Demonstrationen gegen französische Einrichtungen, gegen Kirchen und französische Hotels zu gewalttätigen Protesten, bei denen fünf Menschen ums Leben kamen. Die Debatte um Pressefreiheit hat sich so direkt mit der über terroristische Angriffe und religiöse Differenzen verknüpft. Mali liegt vor der Haustür des Regionalprogramms: der dort immer noch schwelende Konflikt prägt auch die Diskussionen in der Presse zwischen Sahel und Savanne.

Seit mehr als zwanzig Jahren setzt sich das Regionalprogramm Politischer Dialog in Westafrika mit der Aus- und Fortbildung von Journalisten auseinander und strebt eine überregionale Netzwerkbildung an. Das Seminar zur Wahlbeobachtung in Bremen dient zum einen der Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen über eine Region in Deutschland, die kritische sozio-ökonomische Strukturen aufweist und seit Jahren politische und gesellschaftliche Lösungen dafür sucht. Auf dem Programm stehen Diskussion mit Vertretern der Medienlandschaft in der Region, um den gesellschaftlichen Ort, die Funktion und die Arbeitsweise von Medien in der Demokratie zu belegen.

Zum anderen werden sich die Teilnehmer intensiv mit der Struktur von Parteien in Wahlkämpfen, mit den Modellen von Kandidatenpersönlichkeiten, mit Parteiprogrammen und strategischer Kommunikation auseinandersetzen. Wahlkampf vor Ort vermittelt vertiefte Einsichten in politische Auseinandersetzungen und Wettbewerb, der durch eine demokratische Tradition mehrerer Jahrzehnte geprägt ist. Dazu zählt auch das unmittelbare Erleben der von den meisten Afrikanern als Führungspersönlichkeit hoch geschätzten Bundeskanzlerin. Methodisch wechselt die Veranstaltung zwischen Interviews mit unmittelbar tätigen politischen Akteuren, was die Authentizität der Betrachtung sichert, und Informationseinheiten, die Faktenwissen vermitteln, an dem es oft allein wegen der Sprachbarriere in Westafrika fehlt.