Einzeltitel

"Diskurs im Land ist ein positiver Effekt der WM"

Felix Dane im Interview mit Inforadio

Es ist die teuerste Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten. Acht Milliarden Euro hat das Land investiert. Einen Titel gab es dafür nicht - aber immerhin Flughäfen, Stadien und Brücken. Doch einen großen wirtschaftlichen Schub werde die WM nicht bringen, meint Felix Dane, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rio de Janeiro. Dafür sieht er andere positive Effekte.

Grundsätzlich sei die Wirtschaftlichkeit solcher sportlichen Großereignisse für das Gastgeberland eher fraglich, so Dane. Im Vorfeld der Fußball-WM seien unglaubliche Versprechen gemacht worden, die zum Großteil aber nicht eingehalten wurden. Gerade im Bereich der Infrastruktur seien viele Chancen verpasst worden. „Ich glaube daher kaum, dass wirtschaftlich dabei für Brasilien etwas herumkommt“, sagt der Leiter des Brasilien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung im Interview. Dennoch müsse man feststellen, dass die WM am Ende besser funktioniert habe, als viele erwartet haben und dass der politisch-gesellschaftliche Diskurs im Land ein positiver Effekt sei.

Jenseits der WM-Atmosphäre bleibe die Situation in den Favelas, die in fast allen Großstädten existieren, jedoch schwierig. „Einerseits ist die Sicherheitslage dort wegen Drogenhandel und dem Drogenkrieg, der dort zum Teil herrscht, prekär. Andererseits sind viele von ihnen vom Militär besetzt worden, um die Situation zu befrieden.“

Die Demonstrationen, die vor der WM lange für Schlagzeilen gesorgt haben, seien zwar unterdessen abgeebbt, existierten jedoch weiter. „Im ganzen Land gibt es jeden Tag irgendwo eine Demonstration, aber sie sind sehr klein geworden. Natürlich ist unter dem Deckmantel der WM erstmal alles erstarrt und man hat sich diesen Themen nicht mehr richtig gewidmet.“ Seitdem Brasilien jedoch so dramatisch ausgeschieden ist, würden wieder Fragen laut, warum die Weltmeisterschaft am Ende so teuer war. Daher müsse man davon ausgehen, dass ähnliche Proteste wieder aufflammen werden.

Ob die Stimmung im Land Auswirkungen auf die im Oktober stattfindenden Präsidentschaftswahlen haben wird, bleibe abzuwarten. Dilma Rousseff, Präsidentin Brasiliens, sei zwar in der Wählergunst abgesunken, habe aber derzeit trotzdem alle Chancen, wiedergewählt zu werden, auch weil die Opposition es nicht schafft, daraus Kapital zu schlagen. „Insgesamt steht auch eher die gesamte politische Klasse am öffentlichen Pranger“, so Dane, daher sei Rousseff nach wie vor der Frontrunner.

Das komplette Interview mit Felix Dane als Audiomitschnitt finden Sie hier.

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