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Der US-Präsidentschaftswahlkampf 2015-16: Ungleichheit als Kernthema

von Roland Benedikter

Stehen wir vor einer neuen Phase gesellschaftspolitischer Debatte in den USA?

Roland Benedikter zeigt: Das Thema „Ungleichheit” steigt zum Kernthema des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2015-16 auf. Steht Amerika damit mittelfristig vor einer Neubewertung der Ungleichheits- und also auch der Mittelschichtfrage? Und steht es dabei indirekt gar auch vor einer Neubewertung des Kapitalismus in Richtung einer stärker sozial ausgerichteten Marktwirtschaft, was naheliegend wäre? Das käme in Zeiten global wachsender Asymmetrien einer neuen Grundsatzorientierung mit Vorbildwirkung gleich.
In der Tat ist es, wie Benedikter herausarbeitet, charakteristisch für die USA, dass es im 20. Jahrhundert viele Anläufe zur Beseitigung von Armut gegeben hat, aber kaum je zur Beseitigung von Ungleichheit. Beides ist für amerikanisches Empfinden meist mehr oder weniger dasselbe. Darin liegt ein maßgeblicher Unterschied zu europäischen Wohlfahrtsstaaten und den ihnen zugrundeliegenden Sichtweisen.

Benedikter analysiert im folgenden drei wesentliche Entwicklungslinien der aktuellen amerikanischen Debatte. Diese könnten dem Thema Ungleichheit über den aufkommenden Präsidentschaftswahlkampf hinaus eine ungekannt ernsthafte Rolle auf der politischen Agenda der USA geben.