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IV. Barometer für den freien Informationszugang

Chile: Der Nachricht auf der Spur

Chile gilt als eines der Musterländer Lateinamerikas in puncto Demokratisierung und nachhaltige Entwicklung. Und dennoch: Auch dort stoßen engagierte Journalisten auf Schwierigkeiten, wenn sie bei öffentlichen Körperschaften Auskunft begehren.

Im Rahmen des Barometers für den freien Informationszugang nennen mehr als 400 chilenische Journalisten diese Hindernisse beim Namen. Sie verteilen Noten an öffentliche Institutionen, je nachdem wie gut oder schlecht diese ihre Anfragen beantworteten. Die Zentralbank, die SVS und das Gericht für freien Wettbewerb werden am besten beurteilt, während EFE und die Telekommunikationsunternehmen die schlechtesten Bewertungen erhalten.

Hauptsächliche Hindernisse beim freien Zugang zu Informationen in Chile sind zum einen die „mangelnde Bereitschaft der Behörden und Institutionen“, Auskünfte zu erteilen, und zum anderen die „Selbstzensur“ der Medien. Dies ist eins der zentralen Ergebnisse der vierten Ausgabe des Barometers für den freien Informationszugang, das von der Fundación de la Prensa gemeinsam mit der Universidad Diego Portales und dem Medienprogramm Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung erstellt wird. Für das Barometer wurden durch Adimark-GfK in ganz Chile mehr als 400 Journalisten aus 36 Medienunternehmen befragt, darunter auch drei Fernsehsender. Ziel der jährlichen Studie ist es, die Zugänglichkeit zu Informationen zu messen, so wie sie die Journalisten im Rahmen ihrer Arbeit wahrnehmen, und zwar sowohl seitens der öffentlichen Körperschaften, als auch bei Unternehmen im öffentlichen Dienst und politischen Parteien.

Bezüglich der Schwierigkeiten, an öffentliche Informationen zu gelangen, nannten 76% der Befragten die mangelnde Auskunftsbereitschaft der Behörden und Institutionen als hauptsächlich relevanten Faktor; ein deutlich erhöhter Wert gegenüber der Erhebung 2006 (57%). Er übertrifft bei weitem die Selbstzensur der Medien (13,3%) und mangelnde journalistische Sorgfalt (4,1%); beide Werte zeigen sich auf Vorjahresniveau. Der Bericht zeigt außerdem die gravierendsten Probleme während der journalistischen Recherche: unbeantwortete Telefonanrufe (31,9%), Anweisungen von Vorgesetzten an ihre Mitarbeiter, nicht mit der Presse zu sprechen (31,6%) und die Tendenz, Informationen nur „off the record“ weiterzugeben, also ohne dass die Quelle genannt werden darf (30%). Laut den Befragungsergebnissen ist weiterhin der direkte Kontakt zu den Informationsträgern die effektivste Art des Informationszugangs, entweder durch formale Interviewanfragen mit der jeweiligen Leitungsperson (83,7%) oder mittels informeller persönlicher Kontakte (65,7%). Diese beiden Methoden werden demzufolge auch mit Abstand am häufigsten von den Journalisten eingesetzt. Demgegenüber fallen andere Alternativen deutlich zurück, etwa die Vermittlung durch Agenturen oder Berater (47,8%), eine Recherche im öffentlich zugänglichen Archiv der Institution (33,7%) oder die Auswertung von Pressemitteilungen (17,7%).

EVALUATION VON INSTITUTIONEN. Das Barometer erfasste zudem die Wahrnehmung der Journalisten im Hinblick auf den Grad des öffentlichen Informationszugangs bei einer Reihe von Regierungsbehörden, staatlichen Unternehmen, Institutionen des öffentlichen Dienstes und weiteren staatlichen Körperschaften. Hierzu wurde ein Ranking erstellt, welches die Bereitschaft zur Herausgabe von Informationen, Vertrauenswürdigkeit und Genauigkeit der Angaben und ihre rechtzeitige Lieferung berücksichtigt. Anhand dieser Kriterien wurden die Zentralbank und das Wettbewerbsgericht (TDLC) am besten beurteilt, gefolgt von den Polizeibehörden (Kriminal- und Grenzpolizei) und dem Kongress (Senat und Abgeordnetenhaus). Demgegenüber wurden die staatliche Eisenbahngesellschaft (EFE), die Versorgungsunternehmen für Gas und Telekommunikation sowie Innen- und Außenministerium am schlechtesten bewertet. Die Studie zeigt außerdem, dass diejenigen Stellen, die den Zugang zu Informationen am meisten erleichtern (Zentralbank, SVS und TDLC), auch die einzigen sind, die ihre Position im Ranking gegenüber den Barometern aus den Jahren 2005, 2006 und 2007 fortwährend verbessern konnten.

Über diese Reihe

Sammlung aller Einzelpublikationen, welcher keiner spezifischen Publikationsreihe angehören.

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Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Argentinien Argentinien