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Kampagne zur Freilassung des ehemaligen iranischen Vizepräsidenten, Mohammad Ali Abtahi

von Oliver Ernst

– Freund und Partner der Konrad-Adenauer-Stiftung

„Heute (27. August 2009) ist der 72. Tag, seitdem Mohammad Ali Abtahi verhaftet worden ist.“ So beginnt der Text der Petition, die im Internet um 100.000 Unterstützerunterschriften für die Freilassung des bereits am 16. Juni Verhafteten wirbt.

Nach Angaben der Unterstützerseite www.freeabtahi.com sind bereits rund 59.000 Unterschriften geleistet worden.

Tatsächlich zählt der am 27. Januar 1958 im nordostiranischen Mashad geborene liberale Kleriker Abtahi zu den prominentesten und populärsten der nach den letzten Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni inhaftierten Reformern. Er hatte zuletzt die Wahlkampagne des Reformkandidaten Mehdi Karrubi unterstützt. Als beliebter „Mullah-Blogger“ hat er auf seinem Blog www.webneveshteha.com zudem als erstes Mitglied einer iranischen Regierung gebloggt.

Seine Verhaftung und sein Auftritt im ersten Schauprozess wurden weltweit mit großer Bestürzung wahrgenommen. Besonders erschreckend war für die Beobachter des Prozesses seine nach mehrwöchiger Haft sichtbar angeschlagene Gesundheit. Sein augenscheinlich hoher Gewichtsverlust wurde von Seiten des Beraters von Mahmud Ahmadinedschad, Ali-Akbar Javanfekr, mit den zynischen Worten kommentiert, dass ihm das Abspecken ganz gut tue.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen ist davon auszugehen, dass die Aussagen von Abtahi vor Gericht, wie bei den rund 150 anderen Mitangeklagten auch, aufgrund der hohen körperlichen und psychischen Drucks entstanden sind. Der ehemalige Präsident Chatami und die reformorientierten Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen, Mehdi Karrubi und Mir-Hossein Mussawi haben in den letzten Wochen immer wieder von „erpressten Geständnissen, die nicht gültig seien“ gesprochen.

Der Konrad-Adenauer-Stiftung ist Abtahi insbesondere durch sein Engagement für die interreligiöse Verständigung verbunden. In der Blütezeit der reformorientierten Ära von Präsident Mohammed Chatami war im Jahr 2000 das Institut für Interreligiösen Dialog in Teheran eröffnet worden, das Abtahi bis heute leitet. Als Direktor dieses Instituts haben Abtahi und seine Mitarbeiter an vielen internationalen Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Interreligiösen Dialog teilgenommen. Abtahi war zudem Gast bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und an weiteren renommierten Institutionen.

Ansprechpartner

Dr. Oliver Ernst

Dr

Referent Demokratie und Menschenrechte

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