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Peru - Deutschland - Mosambik

Alt-Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung zieht für die öffentliche Verwaltung um die Welt

Eduardo Buller schloss als erster „Latino“ ein Studium an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer ab, gründete gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Institut in Peru, erlebte gefährliche Situationen zwischen Militär und Guerilla und berät derzeit ein Programm der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) zur Dezentralisierung in Mosambik.

Es war ein sehr heißer Tag, ein Dezembermorgen mit über 35 Grad in Maputo. Ich, eine brasilianische Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Deutschland und zu Besuch beim Büro der Stiftung in Mosambik, betrat ein beeindruckendes Gebäude im Stadtzentrum, dessen riesige Uhr, die man von weitem als Erkennungszeichen sehen kann, schon seit längerem nicht mehr funktioniert. Ich wollte mich mit einem Alt-Stipendiaten der Stiftung treffen. Er ist Peruaner und widmet seine Arbeit in Mosambik der deutsch-mosambikanischen Kooperation.

Er arbeitet im Gebäude des Ministeriums für staatliche Verwaltung. Trotz der acht Meter Deckenhöhe ist die Klimaanlage in dem Saal, der verschiedene offene Abteilungen beherbergt, zu meiner Erleichterung ihrer Aufgabe gewachsen, und dort treffe ich Herrn Eduardo Buller. Meine Mission war es, ein Interview mit ihm zu führen und herauszufinden, welche Wege ihn nach Mosambik führten. Zu meinem Glück hatte der Herr im Alter von 66 Jahren viele Geschichten zu erzählen.

Eduardo Buller war der erste Lateinamerikaner, der auf der renommierten deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer ausgebildet wurde, gründete gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Peru ein Institut, erlebte gefährliche Situationen zwischen Militär und Guerilla und zog durch Lateinamerika, um seiner Berufung nachzugehen: der Dezentralisierung der öffentlichen Verwaltung. Sie war es, die ihn nach Mosambik brachte, und sie ist, über die der mit Leidenschaft spricht.

Sie arbeiten für die GTZ (ab Januar 2011 die GIZ – Gesellschaft für Iinternationale Zusammenarbeit), ein Unternehmen der deutschen technischen Zusammenarbeit, hier in Mosambik. Worin besteht die Arbeit mit dem Ministerium für staatliche Verwaltung?

Ich habe viele Jahre für die GTZ in Lateinamerika gearbeitet, und eines Tages erreichte mich eine Anfrage, um ein Projekt mit der mosambikanischen Regierung durchzuführen. Ich bin seit zwei Jahren hier als technischer Berater im Bereich der Dezentralisierung. Gemeinsam mit einem Team von Mosambikanern entwickele ich die nationale Dezentralisierungsstrategie der öffentlichen Verwaltung. Mosambik ist ein großes aber wenig bevölkertes Land. Auf einem Quadratkilometer leben 27 Menschen. Der Staat ist noch in seinen Anfängen und erreicht nicht die ländlichen Gebiete. Unsere Aufgabe besteht darin, die Dienstleistungen zu den Bürgern zu bringen und sie im Hinblick auf die Bürgerorientierung zu verbessern.

Der Nationale Dezentralisierungsplan muss im Jahr 2011 umgesetzt sein. Es ist eine schrittweise Arbeit. Vor zehn Jahren, zum Beispiel, gab es keine Munizipien im Land. Heute werden sie parallel zu anderen Initiativen ins Leben gerufen. Die grosse Herausforderung ist immer noch, die Mittel zu den kleineren Ortschaften zu bringen. In Mosambik werden nicht einmal 5 % des Staatshaushaltes freigegeben, um von Distrikten und Munizipien verwaltet zu werden. In anderen unitaristischen Staaten erreicht dieser Prozentsatz der Verwaltung auf lokaler Ebene 40 %.

Sie haben viele Jahre in der öffentlichen Verwaltung in Lateinamerika gearbeitet, aber als Stipendiat der KAS in Deutschland studiert. Hat ihre Berufung in Peru oder in Europa ihre Wurzeln?

Ich habe meinen Bachelor in Sozialpsychologie an der Universität San Marcos gemacht, einer der ältesten Universitäten in Lateinamerika, aber ich habe mich immer schon für öffentliche Verwaltung interessiert. Zu Beginn der 70er Jahre führte die Begabtenförderung der KAS eine Stipendiatenauswahl im Land durch, und ich war einer der drei, die angenommen wurden.

Im Jahr 1975 ging ich zuerst an die Universität Konstanz. Dort wohnte ich rund acht Meter vom Rathaus entfernt, dem Sitz der Stadtverwaltung. Scherzhaft sage ich immer, dass ich annehme, dass ich dort meine Berufung für die lokale Verwaltung entdeckt habe, weil ich so nah beim Rathaus war.

Allerdings hatte ich Probleme mit der Anerkennung meines peruanischen Diploms und daher wechselte ich zur Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, einer hervorragenden Postgraduierten-Schule für Verwaltungswissenschaften. So wurde ich zum ersten „Latino“, der einen Abschluss an der Institution erwarb. Ich bekam meinen Master im Jahr 1978 und kehrte anschliessend nach Peru zurück.

Wie war die Rückkehr nach Peru? Haben Sie weiterhin Kontakt zur KAS gehabt?

Meine Rückkehr war schwierig, wegen der Situation im Land, das eine Diktatur durchlebte, hatte ich viele Probleme mit dem Wiedereinleben. Nach meiner Rückkehr schlug ich die Laufbahn eines Verwaltungsbeamten ein als akademischer Geschäftsführer der Schule für öffentliche Verwaltung.

Die politische Situation hinderte mich nicht daran, ein wichtiges Projekt mit der KAS zu entwickeln. Zu Beginn der 80er Jahre wurde ich von der Stiftung eingeladen, an der Einrichtung des Instituts für kommunale Forschung und Bildung (Instituto de Investigación y Capacitación Municipal– INICAM), dessen Mitbegründer und erster Direktor ich wurde, mitzuwirken. Bei diesem Projekt blieb ich bis 1992. Das INICAM kann heute auf 25 Jahre ununterbrochener Arbeit zurückblicken, und es handelt sich dabei um eine der ältesten Partnerschaften der KAS in der Region.

Der politische Kontext war sicherlich nicht günstig, mit Diktatur und Guerilla. Sie haben (vor Beginn des Interviews) von einer Begebenheit berichtet, bei der Sie vom Leuchtenden Pfad, einer peruanischen Guerilla-Organisation maoistischer Prägung, bedroht wurden. Was genau passierte?

Als Direktor des INICAM führte ich mit einem Team ein Seminar für Provinzverwalter in einem Ort namens Huaráz in den Anden durch. Es war das Jahr 1991, und als wir in die Stadt kamen, sahen wir ringsum in den Bergen leuchtende Punkte, aber wir dachten, dass es nur einzelne Brandherde seien. Das Seminar im Sitz der Stadtverwaltung verlief reibungslos bis um 17.00 Uhr, als der Strom ausfiel. Wir arbeiteten bis 22.00 Uhr bei Kerzenlicht weiter. Wir hörten Gerüchte, dass es gefährlich sei, dort zu bleiben, aber wir glaubten das nicht und nach Ende des Seminars kehrten wir ins Hotel zurück.

Um 3.00 Uhr morgens hämmern bewaffnete Männer an unsere Tür. Es waren Militärs, die uns fragten, was wir dort machen würden. Sie sagten, wir befänden uns in einer roten Zone und dass wir sofort gehen müssten. Ich nahm das Ganze nicht allzu ernst, aber trotzdem verließen wir das Hotel und kehrten nach Hause zurück. Es war eine rund achtstündige Fahrt und als ich ankam, fand ich meine Familie in Tränen aufgelöst vor. Sie dachten, ich sei tot! Sie hatten im Fernsehen gesehen, dass in der vorangegangenen Nacht der Leuchtende Pfad den Verwaltungssitz von Huaráz bombardiert hatte, wo wir das Seminar durchführten. Es war eine politisch heikle Zeit und man musste sehr vorsichtig sein.

Zusätzlich zu Peru zogen Sie auch durch andere Länder Lateinamerikas, immer im Bereich der öffentlichen Verwaltung arbeitend. War die Lage in anderen Ländern ähnlich schwierig?

Während eines Seminars mit Teilnehmern aus Chile, Ecuador und Peru im Jahr 1992 erhielt ich eine Ausschreibung der GTZ zur Durchführung eines Projekts in Ekuador. Das sogenannte PDM (Programa de Desarrollo Municipal – Programm für kommunale Entwicklung) war eine großartige Initiative, in das die Interamerikanische Entwicklungsbank und die Weltbank rund 300 Mio. US-Dollar hineinsteckten. Wir waren 107 Berater, die im Bereich der Personalausbildung arbeiteten.

Allerdings war dies eine Zeit großer Feindseligkeit zwischen Peru und Ecuador und 1995 brach ein bewaffneter Konflikt aus. Viele Peruaner kehrten zurück, aber ich blieb. Eines Tages kamen Männer vom militärischen Geheimdienst in mein Büro und fragten mich, was ein Peruaner in der Staatsbank von Ecuador täte! Ich antwortete ihnen, dass sie in der Deutschen Botschaft nachfragen sollten (Gelächter). Ich arbeitete für die die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Aber glücklicherweise blieb es bei diesem Schrecken, ich hatte nie größere Probleme.

Nach Ecuador war ich noch acht Jahre in Nicaragua, und danach war ich mit verschiedenen Aufträgen in Ländern Zentralamerikas und der Karibik, in Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Panama und der Dominikanischen Republik.

Hilft die Erfahrung aus diesen Ländern bei der Arbeit in Mosambik? Was haben Sie aus Lateinamerika und auch aus Deutschland nach Afrika mitgebracht?

Ich kann die Lage hier besser verstehen, da ich aus einem unterentwickelten Land komme. Lateinamerika, und besonders Zentralamerika, ist Mosambik sehr ähnlich. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind ähnlich. Aus Deutschland bringe ich das Know how mit, das europäische theoretische Wissen, zum modernen Staat. Das Studium hat mir das theoretische Werkzeug gegeben für meine Aufgabe in Mosambik: die Ausbildung von Menschen.

Haben Sie noch viele Verbindungen zu Deutschland, mit Freunden und Werten der KAS?

Ich habe ein sehr herzliches Verhältnis zur KAS. Als ich zurückkam, war ich Vorsitzender der Gruppe der Alt-Stipendiaten in Peru. Ich tendierte immer in eine sozial-christliche Richtung, war sogar führendes Mitglied der Jugendliga der christlich-demokratischen Partei meines Landes. Bundeskanzler Konrad Adenauer war für mich ein Visionär, Vater der Europäischen Union und der Sozialen Marktwirtschaft. Ich habe gute Erinnerungen an meine Zeit in Deutschland, an die jährlichen Treffen und Seminare. Damals gab es keine Kommunikationsmöglichkeiten, die man sich so leisten konnte wie heute, der Kontakt zu meinem Land und danach zu den Menschen, die ich in Deutschland kennenlernte, war sporadischer.

Aber ich halte noch gute Freundschaften, einige sind Freunde der Familie. Meine Kinder, zum Beispiel, sind immer auf deutsche Schulen gegangen. Eine meiner Töchter promoviert sogar auch in öffentlicher Verwaltung. Und hier arbeite ich auch bei der GTZ. Die Zusammenarbeit in Mosambik ist sehr seriös, es ist eine langfristig angelegte Arbeit, die dem „empowerment“ des Landes dient.

Wie ist es, in Mosambik zu leben? Wie sehen Sie die Zukunft des Landes und wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich mag die Mosambikaner sehr, sie sind offen und freundlich. Es gibt eine gewisse soziale Ruhe, im Vergleich zu Zentralamerika gibt es nicht so viel Gewalt. Mosambik hat aber einen weiten Weg vor sich. Es gibt viel zu tun in den Bereichen Bekämpfung der Unterernährung und von HIV-Aids und bei dem Aufbau der Infrastruktur.

Aber ich sehe die Zukunft Mosambiks mit Optimismus, weil es ein Land mit viel Potenzial für Tourismus, Landwirtschaft und Bergbau ist. Das Leitmotiv des Landes ist jetzt akkumulieren! Wissen, Mittel und Entwicklungen akkumulieren, um besser verteilen zu können. Was mich betrifft, so bin ich nur für eine kurze Zeit gekommen, nur drei Monate, aber die GTZ hat mich gefragt, ob ich nicht länger bleiben wollte. Ich bleibe nun für einige Jahre, aber ich habe vor, nach Nicaragua zurückzukehren.

Um sich zur Ruhe zu setzen?

Niemals. Ich habe acht Jahre in Nicaragua gelebt; dort, im Landesinnern, findet man eine gute Lebensqualität. Aber ich werde nicht aufhören zu arbeiten. Es hält mich geistig wach, lebendig. Ich will nie aufhören!

Tayse Pallaoro ist Journalistin und Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Deutschland. Sie hat als Reporterin in Rio de Janeiro gearbeitet und studiert zurzeit an der Universität Leipzig, wo sie den Master-Studiengang "Global Studies - A European Perspective" absolviert.

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