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Publikation: Sehen gleich Verstehen?

Erlebnisberichte der jungen Generation zum Besuch im Heiligen Land

KAS Israel freut sich, die Publikation „Sehen gleich Verstehen – Erlebnisberichte der jungen Generation zum Besuch im Heiligen Land“ zu veröffentlichen. 14 Stipendiaten der KAS besuchten vom 16 bis zum 22. März 2014 das Heilige Land und traten in einen intensiven Dialog mit israelischen Akademikern, Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft. Im Rahmen der Publikation teilen die Stipendiaten ihre eigenen Gedanken zum deutsch-israelischen, zum europäisch-israelischen, zum israelisch-palästinensischen sowie zum christlich-jüdischen Dialog.

VON MICHAEL MERTES UND DR. MICHAEL BORCHARD

Nicht selten hat man es in Deutschland in Sachen Israel mit dem Typus des autodidaktischen „Nahostverstehers“ zu tun, der schnell, vielleicht zu schnell, bereit ist, sich ein Bild von dieser überaus komplexen Weltregion zu machen. Ein israelischer Witz nimmt diese gefahrvolle Oberflächlichkeit herrlich aufs Korn: Ein Deutscher sitzt in einem Straßencafé in Tel Aviv und hämmert einen Text in seinen Laptop. Ein anderer Deutscher sieht ihn und freut sich: „Du bist in Israel, wie schön! Wann bist Du gekommen?“ – „Gestern!“ – „Und wann fährst Du wieder?“ – „Morgen!“ – „Ja, und was machst Du hier?“ – „Ich schreibe ein Buch!“ „Ach, interessant. Wie wird das Buch denn heißen?“ – „Ganz einfach: Israel – gestern, heute und morgen“.

Die 14 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, die nicht nur drei Tage, sondern vom 16. bis zum 22. März 2014 im Heiligen Land waren, haben sich wesentlich mehr Mühe gegeben als der Autor in dem Witz, wenngleich auch bei ihnen am Ende als Ergebnis ein Buch steht. Sie sind dazu in einen intensiven Dialog getreten mit israelischen Akademikern, mit Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft, mit Israelis und mit Palästinensern. Der alles dominierende Konflikt hat dabei freilich eine große Rolle gespielt, aber wichtig war unseren Autorinnen und Autoren auch der Blick hinter diesen Schleier, auf ein ebenso verwirrendes wie faszinierendes, dynamisches und im wahrsten Sinne des Wortes „junges“ und aufregendes Land.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten haben mit ihren eigenen Gedanken zum deutsch-israelischen, zum europäisch-israelischen und zum christlich-jüdischen Dialog einen besonderen Beitrag zum Jahr des 50-jährigen Jubiläums der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen geschaffen: Einen sehr persönlichen Erlebnisbericht, der vor allem deshalb so wichtig ist, weil er zum einen zeigt, dass die historische Verantwortung Deutschlands für die Existenz Israels auch in der jungen Generation lebendig bleibt. Zum anderen machen die Beiträge deutlich, wie sehr die Begegnung mit Menschen in diesem Land genau das hervorbringt, was der frühere Botschafter Israels in Deutschland, Shimon Stein, immer wieder einfordert: Empathie. Nur mit diesem Gefühl und diesem Erleben, so seine These, kann die Beziehung zwischen den beiden Staaten und Gesellschaften so herausragend blei-ben.

Wir freuen uns als ehemaliger und als gegenwärtiger Leiter des Büros der Stiftung in Israel, dass „unsere“ Stipendiatinnen und Stipendiaten genau hingesehen haben, mit Scharfsinn, mit wachen Augen und mit sehr viel Empathie. Bei der Lektüre der lesenswerten Beiträge wünschen wir viel Vergnügen.

Stipendiaten diskutieren mit Amir Fuchs vom Israel Democracy Institut über Israels Selbstverständnis als jüdischer und demokratischer Staat. eigene