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Wahlanalyse Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober 2018

von Viola Neu
Ab Juni 2018 zeichnete sich in Hessen – aber auch auf der Bundesebene und in anderen Bundesländern – ein Ansehensverlust der CDU ab. Bei der SPD ist dieser Prozess bereits ab Januar 2018 sichtbar. Davon profitieren in der politischen Stimmung vor allem die Grünen, in geringerem Maße auch die AfD, während FDP und Linke auf etwa gleichem Niveau verharren.
  • Die CDU kommt auf 27,0 Prozent der Zweitstimmen und wird von ca. 776 Tsd. Wählern unterstützt. Bei den Erststimmen erreicht sie 29,3 Prozent der Wähler. Gegenüber der Vorwahl verliert sie 11,3 Punkte. Über die Landesliste ziehen keine Abgeordneten in das Parlament ein. Die 40 Mandate sind direkt gewählt. Sie büßt insgesamt sieben Sitze ein. 1950, 1954 und 1966 hatte die CDU in Hessen ein schlechteres Wahlergebnis.
  • Die Grünen erreichen 19,8 Prozent und gewinnen 8,7 Punkte hinzu. Während bei der Vorwahl alle Abgeordneten über die Liste einzogen, können die Grünen fünf Direktmandate bei insgesamt 29 Abgeordneten gewinnen (+15 Mandate). Die Direktmandate der Grünen kommen aus den Städten (Kassel, Frankfurt zwei Mandate, Offenbach und Darmstadt). Der Unterschied zwischen der zweitund drittplatzierten Partei beträgt beim vorläufigen Wahlergebnis 94 Stimmen. Sie können sowohl von der SPD als auch von der CDU die Direktmandate gewinnen (SPD je ein Mandat in Kassel und Darmstadt; CDU: zwei Mandate in Frankfurt und ein Mandat in Offenbach). In Offenbach kann der Grüne Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir das Mandat direkt gewinnen. Zuletzt konnten die Grünen 2009 mit 13,7 Prozent in Hessen ein sehr gutes Wahlergebnis vorweisen.
  • Die SPD wird von 19,8 Prozent der Wähler unterstützt. Wie die CDU kann sie bei den Erststimmen mit 23,3 Prozent besser abschneiden. Ihre Verluste bei den Zweitstimmen betragen 10,9 Punkte. Sie wird mit einer um acht Abgeordnete verkleinerten Fraktion im Landtag vertreten sein. Sie büßt sowohl Direkt- als auch Listenmandate ein. Zehn Kandidaten (vor allem im hessischen Norden) sind direkt gewählt, 19 Abgeordnete ziehen über die Liste ein. 2009 hat die SPD mit 23,7 Prozent ebenfalls ein schlechtes Wahlergebnis erzielt.
  • Die AfD erhält 13,1 Prozent der Stimmen und gewinnt 9,0 Punkte hinzu. Ihre 19 Abgeordneten ziehen alle über die Liste ein. Sie ist neu im Landtag vertreten. Mit Hessen ist die AfD in alle Landtage gewählt.
  • Die FDP gewinnt 2,5 Punkte hinzu und ist mit 7,5 Prozent im Landtag vertreten. Elf Abgeordnete (+5) ziehen über die Liste ein.
  • Die Linke hat leichte Zuwächse von 1,1 Punkten und kommt auf 6,3 Prozent der Zweitstimmen. Neun Vertreter (+3) werden die Partei im Landtag repräsentieren. Die Linke zieht zum vierten Mal in den Landtag ein. Damit hat sie in Hessen im Unterschied zu anderen Ländern anscheinend ein kleines, aber stabiles Potenzial.

 

Wahlanalyse Hessen