Für Norbert Beckmann-Dierckes, Norwegen-Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung, war es eine ergreifende Feier, die noch einmal das gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl der Norweger seit dem 22. Juli deutlich gemacht habe. „In diesen Tagen sind wir alle Norweger“, so Beckmann-Dierckes.
Gegenüber dem Fernsehsender Phoenix attestierte er dem norwegischen Parlament eine „beeindruckende Offenheit“ mit der Tragödie umzugehen. Die Feier habe noch einmal die vor ein paar Tagen getätigte Absage von Ministerpräsident Jens Stoltenbergs an Fremdenfeindlichkeit und der Instrumentalisierung des Geschehenen verdeutlicht. „Das ist Ausdruck hoher politischer Kultur“, so Beckmann-Dierckes.
In einem Ausblick zeigte sich Beckmann-Dierckes, der mit seiner Familie in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens lebt, davon überzeugt, dass die Nation nach Überwindung des Schocks „ihre Großzügigkeit nicht verlieren wird“. Die Norweger würden weiter alle Lebensentwürfe akzeptieren ganz egal wie diese aussehen. Sicherlich werde das Land Lehren ziehen, die aber eben nicht darin münden würden, dass man sich abschotte. „Norwegen bleibt eine offene Gesellschaft“, so Beckmann-Dierckes.
Der rechtsradikale Attentäter Anders Behring Breivik hatte vor anderthalb Wochen durch eine Bombe im Osloer Regierungsviertel und bei einem Massaker in einem Sommerlager für Jugendliche 77 Menschen getötet. Die große Mehrzahl der Toten waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren. Am 21. August soll mit einer großen nationalen Trauerfeier der Opfer gedacht werden.