Bischof Jin gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche Chinas des 20. Jahrhunderts. In seinem Leben -- und Leiden -- spiegeln sich das Schicksal der chinesischen Christen der letzten 100 Jahre beispielhaft wider.
Geboren 1916 kurz nach dem Ende des chinesischen Kaiserreiches, aufgewachsen in den Wirren der 1920er und 1930er Jahren, haben seine Studienaufenthalte nach dem Zweiten Weltkrieg in Innsbruck, Köln und Rom eine tiefe Beziehung zu Deutschland entstehen lassen.
1955 im Zuge einer landesweiten Christenverfolgung verhaftet, verbrachte er 27 Jahre in Gefängnissen und Umerziehungslagern. Mit der Öffnung Chinas nach dem Tod Mao Zedongs konnte kirchliches Lebens langsam wieder entstehen. Bischof Jin hat diese Chancen genutzt und maßgeblich zum Wiederaufstieg der Diözese Shanghai zum bedeutendsten Zentrum kirchlichen Lebens in der Volksrepublik China beigetragen.
Zu den großen Anliegen Bischof Jins gehörte eine Aussöhnung der Chinesischen Patriotischen Kirche mit dem Vatikan.
Bis zuletzt stand er zahlreichen Gästen der Konrad-Adenauer-Stiftung in China stets als kenntnisreicher und kluger Gesprächspartner zur Verfügung. So besucht im Mai 2006 auch Bundeskanzlerin Merkel Bischof Jin in Shanghai.
Sein reger Geist, die Weisheit eines beeindruckenden Lebens und seine Kenntnisse der deutschen Sprache haben alle Besucher tief bewegt. Mit seinem Tod verliert Deutschland einen großen Freund und wichtigen Brückenbauer zwischen beiden Ländern. Die Konrad-Adenauer-Stiftung wird seine Person und sein Wirken in ehrenvoller Erinnerung halten.